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Von der Freifläche bis zur Fassade: Glas-Glas-Module sind vielseitig einsetzbar

Petra Franke
Doppelglasmodule gibt es in den verschiedensten Größen und Ausführungen. Ihre Vorteile: Sie sind lichtdurchlässig, tragfähig und langlebig.

Wenn bei den Modulkosten mit spitzem Bleistift gerechnet wird, fallen Doppelglasmodule oft durchs Raster. Besser gesagt, sie passen nicht hindurch, kosten sie doch mehr als Module mit Rückseitenfolie. Weil sie zudem ein paar Kilo mehr wiegen, sind sie auch nicht für jedes Dach geeignet. In Gegenden mit hohen Schneelasten hingegen wurden sie aufgrund ihrer höheren Traglasten schon immer gern verbaut. Und natürlich bei ästhetisch anspruchsvollen Installationen, zum Beispiel bei Terrassen und Carportüberdachungen oder in der Fassadenintegration. Wobei letztere jedoch immer noch Ausnahmecharakter hat.

Spannende Neuheiten im Markt

Seit letztem Jahr zeichnet sich ein Trend ab: Aufgrund ihrer Robustheit ziehen kühle Rechner diese Produktvarianten immer öfter in Betracht. Das Angebot an Doppelglasmodulen ist breit gefächert, bietet somit für jeden Bauherrn das passende Produkt. Die Fertigung profitiert vom technologischen Fortschritt, die Module werden preiswerter. Rechnet der Planer dann die höhere Lebensdauer ein, die viele Hersteller für diese Produkte garantieren, und damit mehr Ertrag, bleibt unterm Strich ein Plus im Vergleich zu den Klassikern mit Rückseitenfolie. Die Hersteller präsentierten in diesem Segment in jüngster Vergangenheit einige spannende Neuheiten, darunter auch Module, die auf 1.500 Volt Systemspannung zertifiziert sind. Nicht zuletzt gibt es mittlerweile ein gutes Dutzend bifaziale Produktvarianten von verschiedenen Herstellern, die auch die Modulrückseite zur Stromproduktion nutzen.

Sonnenstromfabrik setzt auf Langlebigkeit der Glas-Glas-Module

Die Sonnenstromfabrik in Wismar hat ihr Sortiment an Glas-Glas-Modulen deutlich erweitert. Aus jeweils vier poly- und monokristallinen Fabrikaten sind mittlerweile 24 Fabrikate geworden, die das Unternehmen herstellt und anbietet. Sowohl bei der Rahmung als auch bei der Wahl der Rückseite gibt es für die poly- und monokristallinen Module jeweils verschiedene Varianten mit bis zu 350 Watt Leistung. Auch drei Produkte mit Solrif-Rahmen bietet die Sonnenstromfabrik an. Weitere gebäudeintegrierte Modultypen sind in Planung. Ermöglicht wird das durch den Einsatz eigenentwickelter Automatisierungslösungen, die eine große Vielfalt an Typen ermöglichen.

Das Unternehmen hat in den letzten Monaten vor allem in die Umrüstung des Maschinenparks auf vier und fünf Busbars und in die weitere Automatisierung der Fertigung investiert, um die Herstellungskosten für diese Produkte weiter zu senken. Geschäftsführer Bernhard Weilharter sieht in der Langlebigkeit der Produkte den entscheidenden Vorteil: „In der Anlagenplanung und Wirtschaftlichkeitsrechnung wird die Entscheidung für ein Produkt mehr und mehr losgelöst von der Einspeisevergütung gesehen. Die längere Lebensdauer der robusten Module hat spürbare Effekte auf die Wirtschaftlichkeit einer Anlage.“

In Freiflächenanlagen sind Glas-Glas-Module unter bestimmten Bedingungen das Produkt der Wahl. Gerade ist eine Anlagenerweiterung um zwei Megawatt mit Glas-Glas-Modulen aus der Sonnenstromfabrik im Bau, eine weitere mit acht Megawatt ist derzeit in Planung. Auch ein bifaziales Modul will das Unternehmen im zweiten Quartal auf den Markt bringen.

Erfahrung dafür hat das Modulwerk in Wismar bereits 2015 im Rahmen eines OEM-Auftrags gesammelt. Das Unternehmen arbeitet zudem an verschiedenen Applikationen mit gefärbten Modulen, Modulen mit bauaufsichtlicher Zulassung und Modulen mit ultradünnen Gläsern. „Gerade die Gewichtsreduktion kann neue, kreative Applikationen in der gebäudeintegrierten Photovoltaik ermöglichen“, ist Weilharter überzeugt.

Axsun fertigt Sonderbauten

Axsun ist mit seinen Modulen vor allem in der Nische der Sonderbauten aktiv und will das auch in Zukunft bleiben, besonders im Fassadenbau. Das Unternehmen bietet jetzt ein neues Produkt mit Solrif-Rahmen für die Dachintegration. Die Leistung der Infinity-Module wurde ebenfalls gesteigert, ab Februar 2017 soll es eine Variante mit 305 Watt geben. Auf Anfrage kann man die Glas-Glas-Module dieses Herstellers statt mit zwei Millimeter auch mit 3,2 Millimeter dickem Glas erhalten, damit sie noch größere Lasten gefahrlos tragen können. Für schneereiche Gegenden sicher eine interessante Option.

SI-Module sieht Trend von Glas-Glas-Modulen im Fassadenbau

Andreas Kotterer von SI-Module sieht im Standardanlagenbau keinen Trend zu Glas-Glas, weil Kunden nur selten bereit seien, Mehrkosten in Kauf zu nehmen – auch wenn der Einsatz von Glas-Glas-Modulen in Regionen mit hoher Schnee- oder Windlast empfohlen wird. „Wir können jedoch eine verstärkte Nachfrage bei Carport- und Terrassenüberdachungen verzeichnen“, berichtet er. Das Produkt SI-Enduro wurde im letzten Jahr in zwei größeren Überdachungen verbaut. Beide Anlagen wurden mit jeweils knapp 1.000 Modulen ausgestattet.

Kotterer erwartet einen positiven Trend beim Einsatz von Glas-Glas-Modulen im Fassadenbau. Dazu setzt auch die Energieeinsparverordnung (EnEV) einen Impuls, die die allgemeinen Vorgaben zur Energieeffizienz bei Neubauten für behördliche Gebäude spezifiziert. Denn gerade große Bürogebäude bieten ausreichend Fläche und haben tagsüber einen entsprechenden Strombedarf. Dieser positive Trend wird 2017 sicher noch nicht sichtbar zutage treten, aber ganz bestimmt in den Folgejahren. Kotterer leitet ihn aus den vorliegenden Projektanfragen ab.

Der Freiburger Modulhersteller hat insgesamt acht monokristalline Doppelglasmodule im Angebot: das Fabrikat SI-Enduro mit Rahmen in verschiedenen Ausführungen, darunter eine bifaziale Variante, und die Produktpalette SI-Saphir. Bei letzterer liegt der Fokus auf der Optik, das Modul hat größere Zellabstände und damit mehr Transparenz. Hier gibt es zwei bifaziale Varianten. Alle Doppelglasmodule von SI haben eine bauaufsichtliche Zulassung.

Blick in die Fertigungshalle von Solarwatt

Solarwatt bietet auch Glas-Glas-Indachmodule an

Schon 1998 wurde bei Solarwatt in Dresden das erste Glas-Glas-Modul der Branche entwickelt. 2013 brachte der Hersteller ein Modell mit sehr dünnen Deckgläsern auf den Markt, das kaum mehr als ein Standardmodul aus Glas-Folie-Laminat wog. Worauf führt das Solartechnikunternmehmen den steigenden Anteil seines Glas-Glas-Geschäfts zurück?

Detlef Neuhaus, geschäftsführender Gesellschafter, erklärt den Zuwachs so: "Immer mehr Installateure verstehen, dass sich Langlebigkeit und Qualität für sie rechnen. Das gilt auch für gewerbliche Dachanlagen. Die Leistungsverluste im Laufe der Produktlebensdauer sind bei Glas-Glas-Modulen deutlich geringer als bei Glas-Folie. Faktisch sind diese Module unkaputtbar. Wenn der Installateur rechnen kann und kein Wucherer ist, braucht er beim Material eine Marge von 25 bis 30 Prozent. Das gilt zumindest im Privatkundenmarkt. Glas-Glas-Module kosten 80 bis 85 Cent je Watt, unsere Glas-Folie-Module ungefähr 70 Cent. Bei sechs Kilowatt müsste der Kunde demnach nur wenige Hundert Euro mehr investieren, um die hochwertigen Glas-Glas-Module zu bekommen."

Im nächsten Schritt wird Solarwatt ab Frühjahr 2017 seine Indachmodule in Glas-Glas-Ausführung anbieten. Die Verwendung von Glas an Ober- und Unterseite garantiert optimalen Zellschutz: Zellbruch und Hotspots werden verhindert. Das Glas verleiht den Modulen enorme Beständigkeit gegenüber extremen Umweltbedingungen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Robustheit haben Glas-Glas-Module die Anforderungen des IEC-Hagelschlagtests vielfach übererfüllt. Von diesen Eigenschaften profitieren nun auch die Easy-In-Indachmodule von Solarwatt. Sie ersetzen als wetterfeste Dacheindeckung den herkömmlichen Dachziegel und bieten darüber hinaus noch besseren Schutz und Beständigkeit gegenüber Umwelteinflüssen.

Die Modulbefestigung der Easy-In-Module erfolgt direkt an der Dachlattung. Zusätzliche Montagesysteme werden damit überflüssig, der Installationsaufwand sinkt deutlich. Die Regensicherheit des Systems gewährleistet ein bewährtes, dem Dachziegel nachempfundenes Feder-Nut-System, das die Solarmodule zu einer geschlossenen Dachhaut verbindet.

Trina-Module in Großanlagen im Einsatz

Wenn Doppelglasmodule auf 1.500 Volt Systemspannung zertifiziert sind, kann das bei größeren Anlagen Kosteneinsparungen bedeuten. Jeweils einen 60-Zeller und einen 72-Zeller (poly oder mono) bietet Trina an. Bei einer 2,2-Megawatt-Anlage in Südfrankreich kommen die TSM-PEG5 von Trina zum Einsatz, eines der ersten Solarprojekte in Europa, das demnächst mit der neuen Modulgeneration ausgestattet wird.

Solarworld erweitert Bisun-Serie

Solarworld hat seine bifaziale Bisun-Serie um zwei Produkte erweitert. Das Bisun SW 290 duo verspricht 290 Watt Leistung auf der Vorderseite, bei optimalen Bedingungen durch Reflexion auf der Rückseite sogar 367 Watt. Da nur die Leistung der Vorderseite versprochen und verkauft wird, liegen hier für Betreiber echte Reserven in puncto Mehrertrag.

Glas-Glas-Module nicht bei allen Herstellern ein Thema

Andere Modulhersteller preschen bisher mit Glas-Glas-Modulen noch nicht vor, haben sie aber im Hinterkopf. „Wir denken für bestimmte Anwendungen darüber nach, konkreter als noch im vergangenen Jahr“, bestätigt Michael Harre von LG Electronics. „Dabei könnte es um bifaziale Glas-Glas-Module für das Projektgeschäft gehen. Unsere Kunden wünschen sich ein solches Produkt auch ohne Rahmen.“ Wann es auf den Markt kommen könnte, ist noch ungewiss. „Möglicherweise werden wir im Verlauf dieses Jahres konkreter. Für private Endkunden ist ein solches Produkt für uns derzeit kein Thema.“

Lesen Sie hierzu auch unseren Beitrag "Dünngläser: Photovoltaik-Module erobern das Meer".

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