Lüftungsanlage im Büro: Investition, die sich rechnet

Gute Leistung braucht gute Luft: Studien haben gezeigt, dass eine hohe Raumluftqualität der Konzentration dienlich ist und den Krankenstand senken kann. Die Investition in Lüftungstechnik kommt somit den Mitarbeitenden zugute. Und sie rechnet sich für Arbeitgeber, sagt Claus Händel, Geschäftsführer Technik beim Fachverband Gebäude-Klima. Ein webbasierter Wirtschaftlichkeitsrechner des Verbands liefert Architektur- und Planungsbüros Argumente, die Bauherren und Betriebswirte überzeugen.
Moderne Büroarbeitswelten fördern das Miteinander. Soziale Kontakte kommen der mentalen Gesundheit zugute und die direkte Kommunikation kann zum intensiveren Wissensaustausch und so zum schnelleren Lösen von Problemen beitragen. Mehr menschliche Kontakte sind aber mit einer höheren Infektionsgefahr verbunden. Das Ansteckungsrisiko (und somit die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage) lässt sich allerdings durch gute Luft verringern. „Weitsichtig planende Unternehmerinnen und Unternehmer sollten daher nicht an der Lüftungstechnik für ihr Büro sparen“, empfiehlt Claus Händel, Geschäftsführer Technik beim Fachverband Gebäude-Klima e. V. (www.fgk.de).
Gutes Lüften senkt das Infektionsrisiko
Viren, die akute Atemwegserkrankungen auslösen, verbreiten sich in der kälteren Jahreszeit besser. Als Grund gibt das Robert Koch-Institut an, dass im Winter Fenster wegen der Kälte seltener geöffnet werden und dass sich Erreger in der Raumluft anreichern, wenn Personen mit Atemwegsinfektionen im Raum sind. Eine Rolle spielt auch die Luftfeuchtigkeit: Bei einer relativen Luftfeuchte unter 40 Prozent bleiben Viren länger aktiv und halten sich besser in der Luft. Die Ansteckungsgefahr ist höher und unser Abwehrsystem ist – unter anderem wegen trockenerer Schleimhäute – schwächer.
Händel erläutert: „Weil Durchzug und Stoßlüften im Winter unbeliebt sind, lässt sich eine hohe Raumluftqualität durch die Fensterlüftung nur schwer erzielen.“ Der Luftaustausch sei meist zu gering. Dazu komme, dass die frische, kalte Luft nach dem Aufheizen auf Raumtemperatur oft viel zu trocken ist. „Viel verlässlicher und deutlich energiesparender ist das Lüften mithilfe einer raumlufttechnischen Anlage, am besten mit Wärmerückgewinnung, Bedarfsregelung und Luftbefeuchtung“, so der FGK-Geschäftsführer Technik.
Hochwertige Raumlufttechnik (RLT) sorgt für
einen geeigneten Luftwechsel zur Reduktion von CO2, Schadstoffen und Krankheitserregern, das Herausfiltern von Feinstaub, Erregern und Pollen aus der Außenluft, einen bedarfsgerechten Betrieb und eine wirkungsvolle Wärmerückgewinnung für niedrige Heizkosten sowie eine Luftbefeuchtung, die trockene Luft im Winter vermeidet.
Fensterlüftung langfristig oft viel teurer als Lüftungstechnik
Oft besteht dennoch die Überlegung, (Um-)Baukosten durch Abstriche bei der Gebäudetechnik zu senken und Fensterlüftung statt einer Lüftungsanlage zu wählen. Händel gibt zu bedenken: „Offene Fenster lassen Heizungswärme raus und Feinstaub oder Pollen rein. Dazu kommt der erhöhte Geräuschpegel bei offenem Fenster. Das ist der Konzentration nicht zuträglich.“
Fensterlüftung kostet nichts, könnte man einwenden. Doch dieses Argument lässt der Diplom-Ingenieur nicht gelten. „Wer auf eine Lüftungsanlage verzichtet, verschenkt ein erhebliches Einsparpotenzial“, sagt er. Die Aussage ergibt Sinn, wenn man die gesundheitsfördernden Effekte der RLT monetär bewertet und den Vollkosten gegenüberstellt. Diese Bewertung erlaubt ein Web-Tool des FGK: der Wirtschaftlichkeitsrechner für RLT-Anlagen.
„In Sektoren wie ‚Information und Kommunikation‘ oder ‚Finanz- und Versicherungsdienstleister‘ ist ein halber Krankheitstag typischerweise deutlich teurer als die Jahreskosten der RLT-Anlage“, sagt Händel und lädt Fachleute aus Architektur und Planung sowie deren Kundschaft ein, dies nachzurechnen. Im Web-Tool können sie wahlweise BAuA-Daten zu Arbeitsunfähigkeitstagen, Bruttowertschöpfung etc. übernehmen oder eigene Werte eintragen. Auch die Felder zu den Kosten der RLT-Anlage lassen sich editieren. Vorgeschlagen werden beim Start des Rechners Werte für eine typische RLT-Anlage.
Interessierte können eigene Werte für den Luftvolumenstrom pro Mitarbeiter wählen, die Kosten für die Raumlufttechnik festlegen und selbst vorgeben, wie groß sie den Einfluss auf die Ansteckungsgefahr schätzen. Die Berechnung ergibt dann den Break-Even – ab wann der Nutzen die Investitionskosten übersteigt. Händel: „Mehrere Studien kommen zum Ergebnis, dass etwa 20 bis 50 Prozent der Übertragungen von Atemwegserkrankungen in einer unzureichenden Luftqualität begründet sind und sich durch geeignete Lüftungsmaßnahmen vermeiden ließen.“
Gigantisches Sparpotenzial im Bürobereich
In den Wirtschaftszweigen Information/Kommunikation und Finanzen/Versicherung sind Atemwegserkrankungen wie beispielsweise grippale Infekte, Grippe oder Covid die häufigste Ursache für Krankschreibungen. Sie führen in beiden Branchen zu Arbeitsausfällen von etwa dreieinhalb Tagen pro Person und Jahr. 20 Prozent davon entspräche etwa 0,7 Tagen.
In dieser Zeit würden die Beschäftigten eine Bruttowertschöpfung von deutlich über 200 Euro je Person erbringen – in Summe sind das jährlich allein bei den beiden Wirtschaftszweigen ca. 0,6 Mrd. Euro. Die Vollkosten der Lüftungstechnik pro Person und Jahr betragen dagegen nur etwa 135 Euro – inklusive Anschaffung, Wartung und Betrieb für eine Anlage mit Luftbefeuchtung, Bedarfsregelung und Kühlung. Somit schafft die Lüftungsanlage eine Win-win-Situation für die Büroangestellten, die Arbeitgeber und für die Volkswirtschaft.
Bessere Raumluft fördert konzentriertes Arbeiten
Händel weist auf weitere Vorteile der ventilatorgestützten Lüftung hin: „Die Berechnung bezieht sich nur auf vermeidbare Arbeitsunfähigkeitstage. Das Wohlbefinden und die Produktivität sind nicht berücksichtigt. Etliche Studien haben aber gezeigt, dass gute Luft die kognitive Leistung steigern kann.“ Luftreinheit und Luftwechselraten haben zum Beispiel merklichen Einfluss auf die Reaktions- und Entscheidungsfähigkeit – ein zu hoher Gehalt an Feinstaub oder CO2 in der Atemluft wirkt sich negativ aus. Eine gute Raumluftqualität ist also auch der Arbeitsleistung zuträglich. Zudem freuen sich auch Menschen mit Allergien über eine RLT-Anlage: Die Filter halten Pollen zurück und lassen Betroffene freier atmen.
Händel: „Bürogebäude mit ventilatorgestützter Lüftung auszustatten, ist wirtschaftlich sinnvoll und positiv für die Menschen, die dort arbeiten.“ Darüber hinaus helfe die Raumlufttechnik, Feuchteschäden und Schimmelbildung zu vermeiden, und hebe den Wert der Immobilie. Mit dem Wirtschaftlichkeitsrechner auf der Website möchte der Fachverband Gebäude-Klima e. V. insbesondere diejenigen überzeugen, die in einer frühen Planungsphase über Raumnutzung und -aufteilung entscheiden: Architekturbüros und ihre Auftraggeber. „Der Online-Rechner macht eine eigene, projektspezifische Kalkulation nicht entbehrlich“, weiß Händel. „Aber unser Rechner öffnet vielleicht manchen die Augen für ein Sparpotenzial, das sonst leicht übersehen wird.“
