Smart Living: Industrie und Verbände fordern europäisches Datenökosystem

Der globale Smart-Home-Markt hat sich zwischen 2018 und 2024 von 44,8 auf 141,6 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Für Deutschland allein werden bis 2029 rund 12 Milliarden Euro Marktvolumen prognostiziert, der weltweite Markt für intelligente Gebäude soll bis 2032 auf knapp 591 Milliarden US-Dollar klettern. Doch trotz dieser Dynamik fehlt eine anwendungsübergreifende, semantisch interoperable Dateninfrastruktur. Bestehende Standards decken nur Teilsegmente ab, Integrationskosten bleiben hoch, und datenbasierte Geschäftsmodelle kommen zu langsam voran. „Ohne ein gemeinsames Datenökosystem bleibt das Wachstumspotenzial von Smart Living im Mittelstand weitgehend ungenutzt", warnt Günter Martin, Vorstand der SmartHome Initiative Deutschland.
Gaia-X-konformes Ökosystem soll Datensilos aufbrechen
Im Zentrum des Positionspapiers steht der Vorschlag eines neutral gesteuerten, Gaia-X-konformen Datenökosystems. Daten aus den Bereichen Smart Home, Gebäudetechnik, Energie, Gesundheit und Mobilität sollen darin sicher, souverän und herstellerübergreifend nutzbar werden – ohne dass sie ihre Ursprungssysteme verlassen müssen. Als technische Referenz dient das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Technologieprogramm SmartLivingNEXT. Dort zeigen Praxisprojekte bereits, wie semantische Informationsmodelle und KI-gestützte Basisdienste – etwa für Verbrauchsprognosen – konkrete Mehrwerte schaffen.
„Aus Sicht der Wohnungswirtschaft bleiben Wärmepumpen, PV-Anlagen, Assistenzsysteme und Services ohne ein neutrales Datenökosystem Insellösungen, die nicht einer gesamtheitlichen Gebäudesteuerung zugänglich sind", betont Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW und Vorständin der WiSL.
Nutzen für Unternehmen, Wohnungswirtschaft und Gesellschaft
Ein funktionierendes Smart-Living-Datenökosystem verspricht Vorteile auf mehreren Ebenen: Unternehmen könnten datenbasierte Services wie KI-gestützte Optimierung von Wärmepumpen, Remote-Diagnose oder vorausschauende Wartung aufbauen. Wohnungswirtschaft und Handwerk profitieren von herstellerübergreifender Kompatibilität und transparenten Gebäudedaten. Gesellschaftlich adressiert das Ökosystem Ziele wie Energiewende, Klimaschutz und assistiertes Wohnen im Alter, indem Gebäude-, Gesundheits- und Pflegedaten sicher verknüpft werden. Zudem soll die digitale Souveränität Europas gestärkt werden, indem Abhängigkeiten von außereuropäischen Plattformen sinken.
„Smart-Living-Datenökosysteme sind kein Tech-Nice-to-have, sondern ein Fundament für Klimaneutralität und ein selbstbestimmtes Leben im Alter", sagt Mike Lange, Vorstand der SHD.
Verbände wollen neutrale Steuerungsinstanz als Public-Private-Partnership aufbauen
Kernforderung des Papiers ist die Gründung einer neutralen steuernden Instanz in Form einer Public-Private-Partnership. Die WiSL und die SmartHome Initiative Deutschland erklären ihre Bereitschaft, diese Instanz gemeinsam mit einem zu gründenden Trägerverein aufzubauen – vorausgesetzt, der Staat stellt eine Anschubfinanzierung bereit, um die Kaltstartphase des Datenökosystems zu überbrücken.
