Energieeffizienz abschwächen? Das kostet Deutschland 60 Millionen Euro täglich

Das Bundeskabinett könnte noch diese Woche den Entwurf zur Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) beschließen. Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) schlägt Alarm. Werden Effizienzanforderungen abgeschwächt, erhöht das Deutschlands Importabhängigkeit erheblich. Nach Berechnungen der Organisation entspräche dies bei aktuellen fossilen Marktpreisen zusätzlichen Importkosten von rund 60 Millionen Euro pro Tag.
Was Effizienz bisher geleistet hat
Ohne die seit dem Jahr 2000 erreichten Steigerungen der Energieproduktivität läge Deutschlands Energieverbrauch heute 13 Prozent höher. Die Importabhängigkeit würde über 80 Prozent betragen statt aktuell 65,6 Prozent. Die rechnerische Differenz beläuft sich auf rund 20 Milliarden Euro pro Jahr. Seit Beginn der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus Anfang März summiert sich dieser Sicherheitswert bereits auf rund 5 Milliarden Euro.
„Wer in dieser Lage Energieeffizienzpolitik abschwächt, gefährdet Deutschlands Resilienz", warnt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF. Die aktuelle geopolitische Lage zeige, wie verwundbar importabhängige Volkswirtschaften auf den Weltenergiemärkten sind.
Abwärmeregister nicht entwerten
Besonderes Augenmerk richtet die DENEFF auf das geplante Abwärmeregister. Abwärme ist Energie, die bereits bezahlt wurde, aber bislang ungenutzt als Verlust anfällt. Das Register soll erstmals eine bundesweite Übersicht über gewerbliche Abwärmepotenziale schaffen. Das verfügbare Potenzial beziffert die DENEFF auf 385 Milliarden Kilowattstunden, etwa die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs aller Gebäude in Deutschland. Würde dieses Potenzial genutzt und dadurch Erdgas ersetzt, entspräche das einer rechnerischen Entlastung von rund 19 Milliarden Euro pro Jahr.
Noll kritisiert, dass im Rahmen der Novelle eine freiwillige Eintragung ins Register erwogen wird. „Es ist bürokratischer Wahnsinn, erst mit erheblichem Aufwand ein wertvolles Abwärmeregister aufzubauen und es dann durch eine bloß noch freiwillige Eintragung zu entwerten."
Bürokratieabbau ohne Wirkungsverlust
Die DENEFF lehnt Bürokratieabbau nicht grundsätzlich ab, fordert aber, dass er an den richtigen Stellen ansetzt. Berichtspflichten und Nachweise könnten vereinfacht werden, die wirksamen Hebel zur Steigerung der Energieproduktivität müssen jedoch erhalten bleiben. Konkret schlägt der Verband ein „Energie-ELSTER" vor. Überlappende Berichtspflichten etwa gegenüber BAFA und DEHSt könnten nach dem Once-Only-Prinzip in einem einheitlichen System gebündelt, Kennzahlen harmonisiert und Doppelprüfungen gestrichen werden.
„Unternehmen brauchen weniger Papierkram, aber vor allem mehr Investitionssicherheit", so Noll. Eine schlechte Novelle mache aus Entlastungspolitik eine Einladung zum Weiter-so beim Energieverbrauch.
Auch haushaltspolitisch relevant
Die DENEFF weist zudem auf den haushaltspolitischen Zusammenhang hin. Je niedriger die Energieproduktivität und je stärker die Importabhängigkeit, desto größer werde der politische Druck, Energiepreise mit Milliarden aus dem Staatshaushalt abzufedern. Eine konsequente Steigerung der Energieproduktivität sei daher nicht nur ein Beitrag zur Energiewende, sondern auch eine haushalts- und sicherheitspolitische Notwendigkeit.
