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Kommunen lassen Potenzial der Solarthermie ungenutzt

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Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und das Öko-Institut haben in der Studie KOMpare 2026 377 Wärmepläne für insgesamt 938 Kommunen ausgewertet. Die Pläne weisen ein Solarthermie-Potenzial von rund 457 Terawattstunden pro Jahr aus. Das ist das größte der darin erfassten Energiepotenziale. Dennoch berücksichtigen nur knapp 40 Prozent der untersuchten Kommunen Solarthermie in ihren Zielbildern für 2045. 

Bei den Kommunen mit entsprechenden Angaben erreicht sie im geplanten Erzeugungsmix der Wärmenetze lediglich 3,6 Prozent. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) sieht darin ein erhebliches Versäumnis. „Die Sonne steht bei den Potenzialen ganz oben, in den konkreten Wärmeplanungen aber weit unten. Das passt nicht zusammen“, erklärt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. „Wer jetzt neue Wärmenetze plant oder bestehende klimafreundlich umbaut, sollte Solarthermie von Anfang an mitdenken. Sonst drohen Kommunen eine heimische, brennstofffreie und langfristig kostengünstige Wärmequelle auf Jahrzehnte hinaus zu verschenken.“

Kommunen treten in die Umsetzungsphase ein

Das Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) hat 778 Städte, Gemeinden und Landkreise befragt. Bereits 40 Prozent der teilnehmenden Kommunen setzen ihre Wärmeplanung um. Im Vorjahr lag dieser Anteil bei 17 Prozent. Weitere 32 Prozent erarbeiten derzeit ihre Wärmepläne, 18 Prozent bereiten sie vor. Damit stellt sich die Frage, welche erneuerbaren Wärmequellen die Kommunen tatsächlich erschließen, wenn sie aus ihren Zielbildern Investitionsentscheidungen ableiten.

Die KOMpare-Studie bestätigt, dass Wärmenetze für eine klimaneutrale Wärmeversorgung an Bedeutung gewinnen. Gerade in Kombination mit Wärmespeichern bietet Solarthermie dabei Chancen: Große Kollektorfelder erzeugen im Sommer beträchtliche Wärmemengen. Diese Wärme dient direkt der Warmwasserbereitung und der Versorgung der Wärmenetze, oder sie wird für die Heizperiode gespeichert. Zusammen mit Wärmepumpen, Abwärme und anderen erneuerbaren Quellen ersetzt sie fossile Brennstoffe und reduziert den Einsatz begrenzt verfügbarer Biomasse.

Anlagen versorgen Städte und Dörfer mit Sonnenwärme

In Leipzig ging im Juni 2026 Deutschlands bislang größte Solarthermieanlage offiziell in Betrieb. Auf rund 65.000 Quadratmetern Kollektorfläche erzeugt sie künftig jährlich etwa 26 Gigawattstunden Wärme für das städtische Fernwärmenetz. Die Leipziger Stadtwerke berechnen eine Einsparung von rund 7.160 Tonnen CO₂ pro Jahr. An sonnigen Sommertagen deckt die Anlage bis zu 20 Prozent des Leipziger Fernwärmebedarfs.

Höhere solare Deckungsanteile erreichen vor allem ländliche Wärmenetze. Dort sind geeignete Flächen häufig leichter verfügbar, und große Saisonalspeicher lassen sich integrieren. Im hessischen Bracht, einem Ortsteil von Rauschenberg, hat eine Bürgerenergiegenossenschaft ein solches Netz realisiert. Solarthermie soll rund 70 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs der angeschlossenen Gebäude decken. Ein großer Erdbeckenspeicher macht die Sommerwärme in der Heizperiode nutzbar. Im benachbarten Amöneburg-Rüdigheim entsteht ein weiteres genossenschaftliches Solarwärmenetz. Die Betreibergenossenschaft plant eine Versorgung zu rund 87 Prozent aus Solarwärme, den Rest deckt erneuerbarer Strom – vollständig ohne Biomasse.

Heimische Sonnenwärme senkt die Importabhängigkeit

Bundesweit existieren rund 3.800 Wärmenetze, aber erst etwa 75 große Solarthermie-Freiflächenanlagen. Der BSW-Solar sieht neben dem Klimaschutz vor allem Versorgungssicherheit und kalkulierbare Wärmekosten als Gründe für einen Ausbau. Solarthermie benötigt keine fossilen Brennstoffe und verringert so die Abhängigkeit von Energieimporten und schwankenden Preisen. Zudem lässt sich Biomasse für Zeiten hoher Wärmenachfrage im Winter reservieren. „Sonnenwärme braucht weder Pipelines noch Öltanker. Sie wird direkt vor Ort gewonnen und macht Kommunen, Unternehmen und Verbraucher unabhängiger von internationalen Energiemärkten“, betont Körnig.

BSW-Solar fordert Projekte statt Potenzialkarten

Der BSW-Solar fordert, Solarthermie bei der Konkretisierung kommunaler Wärmepläne und in den Transformationsplänen der Wärmenetzbetreiber systematisch zu prüfen. Dazu gehört, geeignete Flächen frühzeitig zu sichern, wirtschaftlich sinnvolle solare Deckungsanteile zu bewerten und Tages- sowie Saisonalspeicher einzubinden. Verlässliche Förderbedingungen und zügige Genehmigungsverfahren hält der Verband für entscheidend. „Die kommunale Wärmeplanung darf nicht bei bunten Potenzialkarten stehen bleiben“, fordert Körnig. „Jetzt kommt es darauf an, aus den Plänen konkrete Projekte zu machen. Solarthermie kann einen wichtigen Beitrag zu bezahlbarer, sicherer und klimafreundlicher Wärme leisten. Dieses Potenzial sollten wir nicht ungenutzt lassen.“

Quelle: BSW-Solar / oja

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