Abstandhalter sichert Randverbund in Pariser Innenhof

Mit der Modernisierung der Chambre des Notaires an der Avenue Victoria 12 arbeitet Paris an einem Gebäude der Haussmannschen Architektur, das auch als Hôtel du Châtelet bekannt ist. Die historische Struktur genügte funktionalen und technischen Anforderungen nicht mehr. Die Notarkammer schrieb deshalb 2019 einen Architektenwettbewerb aus.
Das Gewinnerkonsortium Atelier Senzu + Lagneau Architectes entfernte Einbauten, die Licht und Raumtiefe blockierten, und öffnete das Erdgeschoss. Im Innenhof entstand eine halbmondförmige Glasfassade, die der Geometrie des Bestands folgt und den Übergang zu den modernen Arbeitsbereichen im hinteren Gebäudeteil markiert.
77 Gläser formen 305 Quadratmeter Fassade
Die Firma Eiffage Métal setzte die Fassadenkonstruktion um. Doering Berlin fertigte die gebogenen Isoliergläser. Die Vorhangfassade umfasst 305 Quadratmeter. Sie besteht aus 77 zylindrisch gebogenen, konkaven Isolierglaselementen mit einer Stärke von jeweils 35,52 Millimetern und vollständig feingeschliffenen Kanten. Außen liegt ein Verbundglas aus 6 Millimeter Floatglas und 6 Millimeter SG CoolLite SKN 176 II mit einer 1,52 Millimeter starken PVB Folie. PVB-Folie (Polyvinylbutyral) ist eine elastische und hochtransparente Kunststofffolie, die als Zwischenschicht bei der Herstellung von Verbundsicherheitsglas (VSG) dient. Sie verbindet Glasscheiben fest miteinander, bindet Splitter bei Bruch, erhöht die Sicherheit durch Splitterschutz und bietet oft UV-Schutz.
Innen folgt 6 Millimeter Floatglas. Dazwischen sitzt ein 16 Millimeter breiter Abstandhalter Super Spacer® TriSeal™ Premium Plus. Die Bogenlänge beträgt 1305 Millimeter, der Innenradius 1000 Millimeter, die Elementhöhe rund 1287 Millimeter. Umlaufend ist eine 12,5 Millimeter hohe Stufe ausgebildet. Auf jeder Etage halten Querstreben aus lackiertem, geschweißtem Stahl mit T-Profil die Verglasung. Ihr Biegeradius entspricht dem der Gläser. Auf diesen Querstreben sitzt ein Vorhangfassadensystem auf Basis von RAICO THERM+ 56.
Die Verglasung liegt auf einem EPDM-Profil auf, das zugleich Kondensat ableitet, und ein Pressprofil mit äußerer Abdeckschale fixiert die Elemente. Punktuelle Silikon-Distanzstücke gleichen Toleranzen aus. Eine Silikonfuge ergänzt die Abdichtung. Die Stoßfugen zwischen den Gläsern werden mit einem Dichtprofil Typ B ausgeführt. Die Verglasung ist oben und unten fixiert, die vertikalen Kanten bleiben frei. Jeweils drei Tragklötze tragen die Lasten ab. Die Statik behandelt die Fassade wie ein Geländer, weil sie auch den Personenschutz gewährleisten muss. Ein Weichkörper Aufpralltest mit 50 kg bestätigte die Widerstandsfähigkeit der Konstruktion.
Toleranzen erzwingen Präzision über alle Ebenen
Die halbkreisförmige Geometrie der Innenhoffassade über sieben Geschosse erhöhte die Abhängigkeit aller Bauteile voneinander. Für die gebogenen Isoliergläser lagen die zulässigen Toleranzabweichungen beim Radius bei bis zu fünf Millimetern, die zulässigen Höhendifferenzen bei bis zu sieben Millimetern. Benjamin Jourdanne, Stellvertretender Betriebsleiter bei DO Bâtiment / Eiffage Métal, beschreibt die Folgen so: „Ein Millimeter pro Ebene hätte über sieben Geschosse bereits eine spürbare Verschiebung erzeugt und zu Passungsproblemen, ungleichmäßigen Klemmkräften und variierenden Silikonfugen führen können“.
Auch die Montage verlangte eine exakt abgestimmte Reihenfolge. Jede Traverse und jedes Glas war ein Unikat. Bereits geringe Abweichungen in Position oder Winkel einer Traverse wirkten sich auf die Passung des nachfolgenden Elements aus. Fehler in der Reihenfolge, in der Höhenlage oder in der Ausrichtung konnten zu Kollisionen, variierenden Fugenbreiten oder unzureichender Klemmung führen.
Abstandhalter nimmt Bewegungen im Randverbund auf
Mit einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 1,0 W/m²K sorgen die gebogenen Glaselemente im Winter für effizienten Wärmeschutz. Die Sonnenschutzbeschichtung begrenzt den solaren Energiedurchlassgrad auf maximal 38 Prozent. Die Lichttransmission liegt bei mindestens 45 Prozent. Zugleich stellen gebogene Isolierglaseinheiten hohe Anforderungen an den Randverbund. Aufgrund ihrer erhöhten Biegesteifigkeit reagieren sie sensibler auf klimatische Druckschwankungen und temperaturbedingte Längenänderungen. Die daraus entstehenden Pumpbewegungen wirken unmittelbar auf die Dichtungsebene.
Carsten Kunert, Standortleitung Doering Berlin GmbH, beschreibt die Aufgabe des Abstandhalters so: „Ein flexibler Abstandhalter wie Super Spacer trägt dazu bei, die zulässigen Radien- und Höhentoleranzen sicher aufzunehmen. Durch seine Anpassungsfähigkeit an die individuelle Glasgeometrie werden lokale Abweichungen im Randbereich ausgeglichen und zusätzliche Spannungsüberhöhungen vermieden. Dies sichert die Funktionsfähigkeit des Randverbunds über die gesamte Fassadenhöhe“.
Der silikonbasierte Strukturschaum-Abstandhalter Super Spacer hat eine niedrige thermische Leitfähigkeit. Er gleicht Schubspannungen durch einseitige Erwärmung und klimabedingte Volumenänderungen aus, entlastet die PIB-Primärdichtung und verteilt die Kräfte über Haftflächen und seitlichen Acrylkleber. In Klimazonen mit extremen oder stark schwankenden Temperaturen trägt das zur langfristigen Stabilität und Funktionsfähigkeit der Isolierglaseinheiten bei und reduziert Gasverlust sowie Kondensatbildung im Scheibenzwischenraum.
