Pathé Palace in Paris: Super Spacer übernimmt Randverbund

Das Gebäude des Pathé Palace wurde 1869 als Vaudeville-Theater eröffnet. 1927 baute Paramount es zum Kino um. Renzo Piano Building Workshop restaurierte und modernisierte den Bau im Auftrag der Pathé-Gruppe. Rekonstruiert wurden Kuppel, Rotunde und Natursteinfassade aus der Belle Époque. In die Neugestaltung flossen auch gerillter Marmor, Stuckarbeiten und gusseiserne Treppengeländer ein. Auf Straßenniveau erhielt die Fassade großflächige Verglasungen.
Umbau bringt Licht in fünf Etagen
Hinter dem Eingangsbereich liegt die 300 Quadratmeter große Piazza. Dort steht eine umgekehrte gläserne Pyramide. Am Fuß lediglich 45 Quadratmeter groß, erweitert sich die Glas-Stahlkonstruktion über 29 Meter zu einer lichten Öffnung von 154 Quadratmetern und lässt natürliches Licht fünf Stockwerke tief ins Gebäude strömen. Die 1200 Quadratmeter große und 150 Tonnen schwere Innenfassade ist hängend installiert. Josef Gartner konstruierte dafür eine hellgrau lackierte Stahlstruktur. Sie hält und stabilisiert das Pfosten-Riegel-System der Verglasung.
Abstandhalter folgt komplexen Biegungen
Für die Eckausbildung entwickelten Josef Gartner und Döring Glass eine Isolierglaskonstruktion mit 28 doppelt zylindrisch gebogenen Rechteckgläsern. Die Formate reichen von 1638 x 5546 bis 1663 x 3440 Millimeter. 44- und 46-Grad-Biegungen bilden jeweils eine 90-Grad-Ecke. Dazwischen liegt ein planer Teil. Nach den Biegungen folgt wieder eine kurze Gerade. Die Radien liegen je Biegung zwischen 100 und 150 Millimetern.
Innen- und Außenscheiben bestehen aus 12 Millimeter Verbund-Sicherheitsglas aus extra klarem DIAMANT® Floatglas und PVB-Folie. Im Scheibenzwischenraum sitzt ein 10 Millimeter breiter Super Spacer® TriSeal™ Premium Plus in „light grey“. Das Architektenteam gab für die gesamte Glaspyramide einen grauen Spacer vor.
Der flexible Abstandhalter passt sich komplexen Kurven und Radien an. Bei planen Verglasungen reduziert seine Elastizität Spannungen im Randverbund und verteilt Kräfte gleichmäßig. Das mindert die Bruchgefahr. In der Fertigung ermöglicht der Abstandhalter auch bei engen Radien eine präzise Applikation. Er nimmt kaum Klimalasten auf und entlastet damit den Randverbund.
Bei großformatigen Isolierglaselementen sichert er Genauigkeit, Parallelität der Scheiben und saubere Kanten in automatisierter und manueller Verarbeitung. Die Applikation von der Rolle ermöglicht präzise 45-Grad-Übergänge. Die Elastizität hilft dem Silikon-Strukturschaum, sich an die Glasecken anzupassen und eine gleichmäßige Oberfläche ohne Blasen zu halten.
Rotunde nutzt großformatige Doppelverglasung
Auch die Rotundenfassade erhielt gebogene Doppelverglasungen. Döring Glass fertigte dafür 24 gebogene Isolierverglasungen für die Außenfassade. Das größte Element misst 963 x 4811 Millimeter. Zum Einsatz kam ausschließlich Weißglas, teils mit ECLAZ- und ECLAZ ONE-Beschichtung. Die Verglasung soll Transparenz und Lichttransmission erhöhen und zugleich den Wärmeschutz sichern.
Tests prüfen Alterung und Gasfüllung
Vor der Installation und der Abnahme durch den Auftraggeber durchliefen die gebogenen Gläser über mehr als sechs Monate Langzeitversuche. Geprüft wurden Alterungsverhalten, Taupunkt und Gaskonzentration. Die Versuche sollten die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Spacers nachweisen.
Der Einsatz gebogenen Glases nimmt in der Architektur zu. Das Projekt im Pathé Palace zeigt den Randverbund dabei in einer Kombination aus engen Biegeradien, großformatigen Elementen und farblich vorgegebenem Aufbau.
