Hitzewelle treibt Nachfrage nach Split-Klimaanlagen: Verbraucherschützer mahnen zur differenzierten Planung

Die anhaltend hohen Temperaturen im Juni 2026 haben die Nachfrage nach Klimatechnik für Wohngebäude deutlich ansteigen lassen. Laut Daikin Germany liegt der Anstieg bei Anfragen privater Haushalte bei über 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch die branchenweiten Marktzahlen bestätigen den Trend: Nach Erhebungen des Fachverbands Gebäude-Klima e. V. (FGK) wurden 2025 mehr als 300.000 Raumklimageräte mit Wärmepumpenfunktion in Deutschland abgesetzt. Damit nähert sich der Markt dem bisherigen Höchststand von über 330.000 Einheiten aus dem Jahr 2020.
Hintergrund der Entwicklung ist laut dem im April 2026 veröffentlichten Bericht „European State of the Climate 2025" (ESOTC) die überdurchschnittliche Erwärmung Europas: Der Kontinent erwärmt sich demnach mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
Fachbetriebe bereits weitgehend ausgelastet
Die steigende Nachfrage trifft auf begrenzte Installationskapazitäten. Viele zertifizierte Kälte- und Klimafachbetriebe sind für die laufende Saison bereits ausgebucht. Daikin-Geschäftsführer Martin Krutz empfiehlt daher, die Planung in den Herbst oder Winter vorzuziehen, wenn Handwerksbetriebe in der Regel mehr Kapazitäten haben. Von Eigeninstallationen rät der Hersteller ausdrücklich ab: Der Umgang mit Kältemitteln und die Inbetriebnahme sind in Deutschland ausschließlich zertifizierten Fachbetrieben vorbehalten.
Verbraucherzentrale: Nicht jede Wärmepumpe kühlt gleich gut
Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein (VZSH) lenkt den Blick auf die technische Differenzierung. Wer ohnehin in eine neue Heizungsanlage investiere, sollte Heizen und Kühlen zusammen denken, so Carina Vogel, Bereichsleiterin Energie bei der VZSH. Entscheidend sei dabei die Wahl des Systems:
- Luft-Luft-Wärmepumpen (baulich identisch mit Split-/Multisplit-Klimaanlagen) kühlen und heizen ohne wasserführende Leitungen. Sie eignen sich laut VZSH besonders für kleinere oder hochgedämmte Gebäude, bringen jedoch Einschränkungen mit: Luftbewegung, Geräuschentwicklung an Innen- und Außengeräten, regelmäßiger Filterwechsel und keine integrierte Warmwasserbereitung.
- Luft-Wasser-Wärmepumpen können aktiv kühlen, benötigen dafür aber geeignete Flächenheizsysteme (Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung) und verbrauchen im Kühlbetrieb entsprechend mehr Strom.
- Erdreich- und Grundwasser-Wärmepumpen kühlen am effizientesten, da sie die natürliche Kühle des Untergrunds passiv nutzen können, ohne dass der Verdichter dauerhaft laufen muss.
Taupunktüberwachung bei wassergeführten Systemen zwingend
Die VZSH weist darauf hin, dass bei allen wassergeführten Wärmepumpen mit Kühlfunktion eine Taupunktüberwachung erforderlich ist. Ohne diese Regelung besteht das Risiko, dass sich Luftfeuchtigkeit an den kühlen Flächen niederschlägt – insbesondere bei aktiver Kühlung kann dies langfristig zu Schimmelbildung und Bauschäden führen.
Passiver Hitzeschutz bleibt erste Priorität
Unabhängig von der gewählten Technik gilt aus Sicht der Verbraucherschützer: Außenliegende Verschattung, gute Gebäudedämmung und gezieltes Lüften in den kühlen Morgen- und Nachtstunden senken den Kühlbedarf erheblich und sollten jeder aktiven Kühllösung vorausgehen.
Fördermöglichkeiten: BEG-Anpassung ab 21. Juli 2026
Wird eine Klimaanlage explizit als Heizlösung konzipiert, kann sie unter bestimmten Voraussetzungen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gefördert werden. Daikin weist darauf hin, dass dies auch nach den zum 21. Juli 2026 angepassten BEG-Richtlinien gelte. Details zu den neuen Förderbedingungen stehen mit Inkrafttreten der Richtlinie aus.
Gesundheitsschutz: Vulnerable Gruppen im Fokus
Neben der privaten Nachfrage rückt zunehmend der Hitzeschutz für vulnerable Gruppen in den Vordergrund. Daikin-Geschäftsführer Krutz begrüßt, dass der Einsatz fest installierter Klimaanlagen in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Kindergärten und Schulen zunehmend als ernsthafte Option diskutiert werde. Klimatisierung sei in diesen Bereichen „kein Komfortthema, sondern zunehmend eine Frage des Gesundheitsschutzes".

