Schaugewächshaus mit Rohrheizung für 3.000 seltene Pflanzen

Im Loki-Schmidt-Garten in Klein Flottbek entsteht derzeit ein außergewöhnliches Bauprojekt: ein hochmodernes, dreigeteiltes Schaugewächshaus, das zunächst als Interimsquartier für rund 3.000 teils extrem seltene tropische, subtropische und sukkulente Pflanzen dient – und später der Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Der Neubau bildet eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die denkmalgeschützten Tropengewächshäuser in „Planten un Blomen“ erstmals seit Jahrzehnten umfassend saniert werden können.
Der Neubau wird vom GMH | Gebäudemanagement Hamburg im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg realisiert. Die Planung des Gebäudes stammt von Haas Architekten BDA. Für die hochkomplexe technische Gebäudeausrüstung zeichnet die Ingenieurbüro Heimsch GmbH verantwortlich.
Drei Klimazonen – ein Gebäude: Tropen, Páramo und Sukkulenten
Der Neubau umfasst insgesamt 2.295 m² BGF und gliedert sich in drei exakt abgestimmte Klimabereiche:
- Tropenhaus (ca. 966 m², 16 °C, 70–90 % r. F.)
- Páramo-Haus (ca. 592 m², 8 °C, 70–90 % r. F.)
- Sukkulentenhaus (ca. 372 m², 8 °C, 50–60 % r. F.)
Alle drei Bereiche unterscheiden sich in Temperatur, Luftfeuchte, Bodenart (offen/geschottert/versiegelt), Gebäudehöhe und technischer Ausstattung – und bilden exakt die Bedingungen nach, die in den historischen Häusern am Dammtor vorhanden waren.
Anspruchsvolle TGA – für sensible Pflanzen weltweit einzigartiger Herkunft
Die technischen Anforderungen an ein solches Gebäude liegen weit über dem klassischen Gewächshausbau. Die Pflanzen – teilweise über 100 Jahre alt und von unschätzbarem wissenschaftlichem Wert – reagieren hochsensibel auf Klimaänderungen.
Rohrheizung mit Speziallamellen
Um die großen Höhen von bis zu 15 m sowie die erforderlichen Temperaturniveaus stabil zu halten, setzt das TGA-Team auf eine Rohrheizung mit eigens verbauten Wärmeleitlamellen – montiert an Stahlstützen und im Sockelbereich. Diese Lösung erfordert eine extrem präzise Berechnung und ist hochspezialisiert:
- Tropenhaus: 618 m Rohrheizung
- Páramo-Haus: 170 m Rohrheizung
- Sukkulentenhaus: 70 m Rohrheizung
Der Erläuterungsbericht betont den außergewöhnlichen technischen Aufwand sowie die Besonderheiten der Anlagen – bis hin zur Wasseraufbereitung, Warmwasserbereitung, Lüftung, Entwässerung, Brandschutzführung und dem detaillierten hydraulischen Konzept.
Zisterne & Regenwasserrückhaltung
Zum Gebäude gehören eine 80 m³ Zisterne sowie eine Rückhalterigole als Auflage der Bukea, ausgelegt nach Kostra-DWD 2020. Das System sorgt nicht nur für Regenwassermanagement, sondern erfüllt strenge Hamburger Klimaschutz- und Entwässerungsvorschriften.
Gießwassertechnik auf wissenschaftlichem Niveau
- Zapfstellen mit VE-Wasser (20 °C)
- Systemtrenner zur hygienischen Trennung
- Hochdrucknebelanlage mit Vorlagebehälter (2.000 l) – bereits eingeplant für die spätere Dauernutzung .
Interimsnutzung ab 2026 – später öffentliches Schaugewächshaus
Nach Fertigstellung sollen die Pflanzen im Sommer 2026 in das neue Gebäude umziehen. Zwischen Herbst 2026 und Ende 2029 werden die denkmalgeschützten Schaugewächshäuser in „Planten un Blomen“ saniert. Danach kehren die Pflanzen zurück – und das neue Gebäude wird selbst zur öffentlichen Schaufläche, in der Teile der wissenschaftlichen Sammlung dauerhaft ausgestellt werden.
Das Projektteam beschreibt das Vorhaben als einmalige Chance für Hamburg: „Wir planen kein klassisches Gewächshaus – wir entwickeln ein hochpräzises Klimaökosystem für einige der wertvollsten Pflanzen Hamburgs. Die technische Komplexität ist enorm, aber das Ergebnis wird für Jahrzehnte Bestand haben“, sagt Ralph Genkel, Geschäftsführer ibh.
