Trinkgeld im Handwerk: So geht’s richtig

Trinkgeld ist im Restaurant üblich. Und auch bei einer Taxifahrt. Doch wie sieht es im Handwerk aus? Sind die Arbeiten schnell und perfekt erledigt, zeigen sich zufriedene Kunden durchaus mal großzügig.
Anerkennung der Leistung
Die einen sagen, dass ältere Kunden eher Trinkgeld geben als jüngere, andere meinen, dass es nicht mit dem Alter zusammenhängt. Auch die Meinungen über die Höhe der Trinkgelder ist unterschiedlich: Mehr als früher? Oder der gleiche Betrag? Alles wird teurer, dann müsstest du doch auch mehr bekommen, oder?
Die Höhe des Trinkgeldes ist immer auch eine Gratwanderung, Kunden sind sich unsicher, was heute üblich ist und wie der Bonus auf den Empfänger wirkt. Trinkgeldoptionen gibt es laut Prof. Julia Pitters nicht. Verbraucherschützerin Sonjas Guettat erklärt, dass es nicht verboten ist, Optionen vorzuschlagen, aber es ist eben nicht üblich.
Wie soll sich der Kunde also orientieren? Bei mehrtägigen Arbeiten ist ein tägliches Trinkgeld von bis zu 10,00 Euro je Person durchaus üblich. Jedoch handelt es sich nicht um einen vertraglich vereinbarten Betrag. Fehlt das freiwillige Trinkgeld, heißt das aber nicht, dass die Monteure schlecht gearbeitet haben. Kunden fehlt manchmal die Dankbarkeit für zufriedenstellende Leistung, sie geben nichts.
Neu ist der Gedanke, das Geld bereits bei Beginn der Arbeiten zu überreichen, damit alles super wird. Der Vorschuss verpflichtet dann aber auch. Trinkgeld am Ende der Arbeiten führt zu normalem Einsatz, zur „Standard Leistung“, die aber für jeden vernünftigen Handwerker selbstverständlich sein sollte.
Kunden danken es
Trinkgeld hängt auch von der Kultur ab. In Amerika ist es fester Bestandsteil und wird grundsätzlich bezahlt. In Japan gilt es hingegen als Beleidigung. Aus Kundensicht wird in Deutschland nur für besondere Leistungen bezahlt. Terminverzug des Vorlieferanten, den der Monteur nicht verursacht hat, kann schon zur Minderung des Trinkgeldes führen. Hat der Kunde sich geärgert, sinkt seine Großzügigkeit, auch wenn der Monteur dabei nicht in der Verantwortung steht.
Monteure bestätigen, dass wohlhabende Kunden nicht mehr oder weniger geben als Normalbürger. Bei umfangreichen Arbeiten und hoher Handwerksrechnung kann es sein, dass Kunden sparen. Privatkunden geben eher Trinkgeld als Gewerbekunden.
Kommt es zu unerwarteten Mehrkosten bei der Auftragsausführung im Vergleich zum Angebot, gibt es unterschiedliche Meinungen: einerseits kann der Monteur nichts dafür, er erhält trotzdem Trinkgeld. Andererseits knausert der Kunde. Er meint, mit einem einfachen Dankeschön zeigt er Respekt gegenüber der Arbeit und dem Engagement des Monteurs. Kommt dieser zu ungewöhnlichen Zeiten, z.B. am späten Nachmittag oder ausnahmsweise mal am Samstag, gibt es in fast allen Fällen ein Trinkgeld. Meist fällt es sogar höher aus. Übrigens: Das freiwillig bezahlte Trinkgeld ist nach § 3 Nr. 51 EStG steuerfrei.
Trinkgeld wird mit Trinken gleichgesetzt: frischer Kaffee, Saft oder Sprudel, je nach Wunsch der Mitarbeiter. Es gibt viele Möglichkeiten für den kleinen Bonus des Kunden, z.B. einen Snack. Auch das sind Beweise für ein Dankeschön des Kunden und werden gerne angenommen. Bargeld ist natürlich besser - und beides zusammen besonders attraktiv.
Großzügigkeit verpflichtet den Monteur aber auch zu besonderem Einsatz – das erwarten Kunden. Und auch Mitarbeiter wissen das und fühlen sich verpflichtet, manchmal belastet das aber auch. Auch wenn es nicht großzügig ausfällt, ein Danke kostet nichts. Bei einem Totalausfall des Trinkgelds reagiert der Mitarbeiter nicht sichtbar enttäuscht. Trinkgeld-Kunden sind meist beliebt. Aber Trinkgeldverweigerer sollten nicht benachteiligt werden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es Trinkgeld gibt oder es höher ausfällt, hat letztendlich jeder selbst in der Hand: Pünktliches Erscheinen, freundliches Auftreten, rücksichtsvoller Umgang mit Kundeneigentum und ein sauber verlassener Arbeitsplatz haben Einfluss auf die Höhe des Trinkgelds.


