GModG: Wärmepumpenverband warnt vor Einschnitten bei der Förderung

Der aktuelle Gesetzentwurf gefährdet aus Sicht des Verbands den Aufwärtstrend am Heizungsmarkt. Es fehlen ein Enddatum für fossile Energieträger sowie klare Dimensionierungsvorgaben für Hybridlösungen. Die Branche dringt zudem auf eine stabile Fortsetzung der BEG-Förderung.
Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) sieht die Wärmewende durch das im parlamentarischen Verfahren befindliche Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) gefährdet. Die Ausrichtung auf eine Biotreppe lenke den Fokus weg von dringenden Erfordernissen. Investitionen in Wärmepumpen stärkten dagegen die heimische Heizungsindustrie und verringerten Abhängigkeiten von Gas- und Ölimporten.
Verbraucher brauchen klares Enddatum für fossile Energieträger
BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel kritisiert den Gesetzentwurf deutlich: „Die Bundesregierung riskiert mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz große Rückschritte in der Wärmewende. Was sie als neue Freiheit verkauft, führt in Wirklichkeit zu weniger Klarheit und Orientierung und wird im Zweifel viele Menschen verunsichern und davon abhalten, jetzt in eine neue Heizung zu investieren. Das bedauern wir sehr, erwarten aber von den parlamentarischen Beratungen, dass wichtige Aspekte des Gesetzes nachgebessert und verbraucherfreundlicher werden."
Ein eindeutiges Enddatum für fossile Energieträger sei zwingend erforderlich. „Deutschland hat sich zur Klimaneutralität in 2045 verpflichtet. Wenn der Gesetzentwurf diese simple Klarstellung mit den entsprechenden Konsequenzen für den Betrieb von Heizungen nicht vorsieht, grenzt dies an Verbrauchertäuschung. Denn wer heute eine Heizung kauft, wird diese auch in zwanzig Jahren noch betreiben", so Sabel.
Hybridlösungen brauchen klare Dimensionierungsvorgaben
Der Verband bemängelt zudem fehlende Vorgaben zur Auslegung einer Wärmepumpe, wenn diese in einem Ein- oder Zweifamilienhaus zusätzlich zu einer neuen Gas- oder Ölheizung installiert werden soll: „Eine Wärmepumpe darf nicht als Feigenblatt missbraucht werden, um eine fossile Heizung grün zu rechnen." Das Gesetz müsse vorsehen, dass Wärmepumpen in Hybridlösungen mindestens den gleichen erneuerbaren Beitrag leisten wie die Biotreppe zum jeweiligen Zeitpunkt vorgebe. Die Technik sei dazu in allen Fällen in der Lage.
Branche fordert stabile Fortsetzung der Heizungsförderung
Die Regierungsfraktionen hatten sich im Februar darauf verständigt, die BEG-Heizungsförderung bis mindestens 2029 auskömmlich fortzusetzen. Der BWP befürchtet jedoch Eingriffe im Zuge der nächsten Haushaltsberatungen.
Dr. Richard Lucht, Vice President Brand, Communications & Public Affairs beim BWP-Mitglied Thermondo, verweist auf die Praxis: „Wir führen jede Woche rund eintausend Beratungsgespräche mit Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümern am Küchentisch. Entschieden wird vor allem zwischen Daumen und Zeigefinger. Für fast alle gilt: Investitionen in die Wärmepumpe müssen sich in wenigen Jahren rechnen. Ohne Förderung droht schnell der Griff zu fossilen Alternativen und damit die Kostenfalle für hunderttausende Wählerinnen und Wähler. Österreich zeigt, wie schnell der Absatz ohne Förderung einbricht."
Dr. Hendrik Ehrhardt, Leiter Public Affairs beim Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron, ergänzt: „Für die Heizungsindustrie macht es einen erheblichen Unterschied, dass nicht nur die grundsätzliche Zustimmung zur Technologie vorhanden ist, sondern auch tatsächlich investiert wird." Eine höhere Modernisierungsrate werde meist nur erreicht, wenn Wärmeerzeuger vorgezogen ausgetauscht würden. „Eine passgenaue Förderung mit einem Prozentsatz der Investitionssumme ist sinnvoll, weil die Investition für verschiedene Häuser, Gebäudetypen und Baujahre sehr unterschiedlich ausfallen. Pauschalbeträge bergen hingegen das Risiko eines Unterbietungswettlaufs zum billigsten Anbieter, Verlust heimischer Wertschöpfung und Arbeitsplätzen." Ein niedriger Einkommensdeckel von etwa 90.000 Euro Jahreseinkommen würde zu Kaufzurückhaltung führen.
Jeder Fördereuro löst vier Euro Privatkapital aus
Die Evaluationsberichte zum Förderprogramm zeigen laut Sabel den volkswirtschaftlichen Nutzen: „Jeder Fördereuro löst vier Euro an privatem Kapital aus." Die Förderung trage zu Energieunabhängigkeit und Klimaschutz bei. 100.000 Beschäftigte in Heizungsindustrie und Handwerk profitierten von der heimischen Wertschöpfung. Ein Teil der Investition fließe als Umsatzsteuer an Bund und Länder zurück.
Die degressive Ausgestaltung mit dem ab 2029 langsam abschmelzenden Klimabonus hält die Branche für gerechtfertigt. „Entscheidend ist, dass sich der Marktaufwuchs fortsetzt und stabilisiert, damit Skaleneffekte zum Tragen kommen. Außerdem ist die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen immer ein Zusammenspiel aus Förderung und Energiepreisen. Die Bundesregierung hat es selbst in der Hand den Förderbedarf zu reduzieren, indem sie ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einlöst und den Strompreis für alle Verbraucher um fünf Cent pro Kilowattstunde entlastet", so Sabel.
