Vakuumisolierglas: Denkmalschutz trifft Dämmung in Amsterdamer Luxuskaufhaus
Das 1915 errichtete Amsterdamer Luxuskaufhaus „De Bijenkorf“ ist seit 1968 als „rijksmonument“, ein nationales Denkmal, eingestuft. Die Architektur ist neoklassizistisch und neobarock geprägt und nimmt Bezug auf die barocke Gestaltung des gegenüberliegenden Königlichen Palais am Dam-Platz mitten in der Amsterdamer Altstadt.
Bei der thermischen Sanierung des Gebäudes standen die Verantwortlichen vor der Herausforderung, die historischen Fenster in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten und gleichzeitig die Anforderungen an Wärmeschutz und Nutzerkomfort zu erfüllen. Konventionelles Isolierglas war aufgrund seiner Dicke keine Option, da Eingriffe in die denkmalgeschützten Fensterrahmen nicht zulässig waren.
Vakuumisolierglas als Lösung für historische Fenster
Die Lösung fand sich im Fineo-by-AGC-Vakuumisolierglas mit Sonnenschutzbeschichtung. Insgesamt wurden rund 200 großflächige Einfachverglasungen sowie zahlreiche kleinere Scheiben durch das Wärmedämmglas ersetzt. Dabei kamen fünf unterschiedliche Fenstertypen, überwiegend Holz-, aber auch Stahlfenster, zum Einsatz. Die Vakuumisolierverglasung konnte in die vorhandenen Fensterrahmen integriert werden, ohne diese zu verändern oder die Glasdicke zu erhöhen.
Möglich wird dies durch die Besonderheit des Fineo-Glases: Zwei Glasscheiben sind durch einen hermetisch versiegelten Vakuumzwischenraum von lediglich 0,1 mm getrennt. Dieser Aufbau reduziert den Wärmeübergang durch Wärmeleitung und Konvektion deutlich. In seiner schlanksten Ausführung erreicht Fineo bei einer Gesamtstärke von nur 6,7 mm einen Ug-Wert von 0,7 W/(m2K). Zum Vergleich: Eine konventionelle Dreifachverglasung mit demselben Ug-Wert ist etwa 36 mm dick. Die optische Wirkung bleibt neutral, der umlaufende Randverbund ist im eingebauten Zustand kaum sichtbar, und es gibt keine Evakuierungsöffnung. Die Variante Fineo Solar Control vereint gute Lichttransmission mit geringerer Sonnenenergiedurchlässigkeit und wirksamer Wärmedämmung.
Abstimmung und Umsetzung der Sanierung
Die Sanierung erforderte eine enge Zusammenarbeit eines spezialisierten Teams. Der Immobilieneigentümer CBRE koordinierte unter der Leitung von Projektmanager Jochem Postulart die Umsetzung sowie die Abstimmungen zu Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Architekt Bastiaan van de Kraats von 1m98 Architecten und Oda van den Ende vom Beratungsunternehmen De Groene Grachten steuerten die architektonische Planung und Nachhaltigkeitsstrategie bei.
Ein zentraler Erfolgsfaktor war die detaillierte Planung und Abstimmung mit der Denkmalpflege. Alle bestehenden Anschlüsse und Glaselemente wurden präzise vermessen und das gesamte Gebäude dreidimensional gescannt. Eine Probeinstallation an der Fassade zeigte frühzeitig Farbwirkung, Reflexion und optisches Erscheinungsbild der neuen Verglasung, was die Genehmigung durch die Stadt Amsterdam erleichterte und eine zügige Umsetzung ermöglichte.
Vorteile und Nachhaltigkeitsaspekte
Der Einsatz von Vakuumisolierglas im „De Bijenkorf“ bewahrt das historische Erscheinungsbild des Gebäudes und verbessert gleichzeitig dessen Energieeffizienz. Die Verglasung trägt zu einem stabileren und komfortableren Raumklima bei und senkt den Energiebedarf für Heizung und Kühlung. Zudem bietet Fineo eine wirksame Schalldämmung mit Werten von 35 bis 45 dB (Rw), was insbesondere bei Denkmälern von Vorteil ist, da umfangreichere Fassadeneingriffe vermieden werden.
Fineo by AGC war der erste Hersteller, der für Vakuumisolierglas sowohl die CE-Kennzeichnung als auch die aBG Z-70.4-304 des DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik) für linienförmig gelagerte Vertikalverglasungen erhielt. Damit wurde der Einsatz in Glasfassaden ohne Einzelfallgenehmigungen möglich.
Hinweis
Für den Artikel wurde auch der folgende Beitrag in De Architect herangezogen: https://www.dearchitect.nl/309407/erfgoed-in-balans-dun-glas-maakt-de-bijenkorf-toekomstbestendig
