Flusswärme: KEA-BW gibt Kommunen Orientierung bei Genehmigungen

Flüsse, Seen und Abwasserkanäle bieten ein erhebliches Potenzial für die Wärmeversorgung. Großwärmepumpen gewinnen die Umweltwärme aus dem Wasser und speisen sie in Wärmenetze für Haushalte und Gewerbe ein. Durch die kommunale Wärmeplanung rücken diese oft ungenutzten Quellen in den Fokus von Kommunen, Energieversorgern und Projektentwicklern. Unsicherheiten bei Planung, Genehmigung und Finanzierung erschweren jedoch viele Projekte. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) stellt dazu in ihrem Wissensportal Erklärungen und Tipps bereit.
Fließgewässer könnten fast den gesamten Niedertemperaturbedarf decken
Eine Untersuchung der Technischen Universität Braunschweig von Ende 2024 beziffert das ökologisch nutzbare Wärmepotenzial deutscher Fließgewässer auf rund 860 bis 900 Terawattstunden pro Jahr. Das entspricht bis zu 94 Prozent des deutschen Wärmebedarfs im Niedertemperaturbereich, zu dem vor allem die Raumheizung gehört. In Baden-Württemberg könnten Großwärmepumpen bis 2030 jährlich mindestens 2,5 Terawattstunden aus Flüssen und Seen gewinnen. Das zeigt ein Gutachten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) vom September 2026. Bis 2040 könnte sich dieser Wert mehr als verdoppeln.
Deutschland steht erst am Anfang
Hierzulande sind nur wenige Anlagen in Betrieb. In Mannheim nahm der Energieversorger MVV im Oktober 2023 eine Flusswärmepumpe mit 20 Megawatt Leistung in Betrieb. Sie kann rechnerisch rund 3.500 Haushalte versorgen. Für 2028 plant MVV eine zweite Anlage mit 165 Megawatt für rund 40.000 Haushalte. Dänemark, Schweden und die Schweiz nutzen die Aquathermie seit Jahrzehnten. In Zürich heizt eine Anlage am Fluss Limmat bereits seit 1938 Gebäude.
Wasser liefert ganzjährig stabile Temperaturen
Matthias Neumeier, der den Bereich Wärmewende der KEA-BW leitet, erläutert: „Wasser ist ein hervorragender Speicher und Träger von Umweltwärme. Gewässer und Abwasser weisen ganzjährig relativ hohe und stabile Temperaturen auf.“ Nähert sich die Lufttemperatur im Winter der Null-Grad-Grenze, haben Flüsse und Seen noch vier bis sechs Grad Celsius. Abwasser ist sogar wärmer. Gewässerwärmepumpen benötigen deshalb für die gleiche Wärmemenge weniger Strom als Luft-Wasser-Wärmepumpen. Im Winter führen Flüsse zudem meist viel Wasser.
Genehmigung erfordert ein ganzes Paket
In Baden-Württemberg sollen Anlagen an Rhein, Neckar und weiteren Flüssen die Nah- und Fernwärme unabhängiger von Öl und Gas machen. „Die Nutzung von Gewässern für die Wärmeversorgung erfordert jedoch eine sorgfältige Abwägung unterschiedlicher Belange“, betont Neumeier. „Ökologische Anforderungen an den Schutz von Flüssen und Seen, Naturschutz, Fischschutz sowie wirtschaftliche Belange müssen gleichberechtigt abgewogen werden und das, ohne den Klimaschutz hintenanzustellen.“
Das Wissensportal erklärt Technik, Potenzial und Rolle in der Wärmeplanung sowie rechtliche Fragen. Eine Flusswärmepumpe braucht in der Regel mehrere Genehmigungen: eine wasserrechtliche Erlaubnis für Entnahme und Wiedereinleitung, Genehmigungen für Anlagen am oder im Gewässer, gegebenenfalls baurechtliche Genehmigungen sowie naturschutzrechtliche Prüfungen. An Kläranlagenabläufen sind abwasserspezifische Regeln und mögliche Folgen für die Einleitungserlaubnis zu prüfen.
Kommunen und Stadtwerke können bei der KEA-BW eine Initialberatung nutzen, um ihr Vorhaben fachlich einzuordnen. Das landesweite „Netzwerk Großwärmepumpen“ verbindet zudem Kommunen, Energieversorger und Projektentwickler mit Energieagenturen, Unternehmen, Behörden und Wissenschaft.
Landesenergieagenturen fordern praxistaugliche Vorgaben
Im Juli 2026 schlugen sieben Landesenergieagenturen vor, ein Papier der Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) zur Wärmegewinnung aus Gewässern weiterzuentwickeln. Aus ihrer Sicht schafft das Papier erstmals eine fachliche Grundlage für Bewertung und Genehmigung. Die Auflagen sollten aber nicht höher ausfallen, als es aus ökologischer Sicht notwendig ist. Denn auch die Energiewende schütze Natur, Gewässer und Bausubstanz.
Quelle: KEA-BW / oja
