Direkt zum Inhalt
Anzeige
Anzeige
Anzeige
haustec.de
Das Fachportal für die Gebäudetechnik
Ad placeholder
Anzeige
haustec.de
Das Fachportal für die Gebäudetechnik
Ad placeholder
Print this page

Trinkwarmwasser effizient und dezentral aufbereiten

Frank Urbanksy
Inhalt

Die Wärmewende umfasst auch die Trinkwarmwasserbereitung. In Mehrfamilienhäusern entscheidet sie maßgeblich über Effizienz, Betriebskosten, Hygiene, Haftungsrisiken und letztlich darüber, ob ein energetisches Gesamtkonzept im Alltag funktioniert. Technologisch stehen mehrere erprobte Varianten zur Verfügung – viele davon setzen auf dezentrale Lösungen.

Wird Trinkwarmwasser zentral, etwa über Fernwärme, oder dezentral in den Wohnungen erzeugt? Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, unterscheiden sich jedoch deutlich in Kosten, Technik und Betrieb. Zentrale Systeme arbeiten mit Speichern und Zirkulation: Warmwasser wird dauerhaft vorgehalten, im Gebäude verteilt und auf Temperatur gehalten – unabhängig davon, ob tatsächlich benötigt wird. Das ist hygienisch zuverlässig, verursacht jedoch Verluste, hohe Vorlauftemperaturen und steigende Betriebskosten. Je heterogener die Nutzung eines Gebäudes ist, desto stärker fallen diese Nachteile ins Gewicht.

Dezentral: Warmwasser nur bei Bedarf

Hier liegen die Vorteile dezentraler Systeme. Sie erzeugen Warmwasser genau dort and dann, wo es gebraucht wird. Speicher und Dauerzirkulation entfallen, ebenso ein großer Teil der Wärmeverluste und hygienischen Risiken. Technisch lassen sich diese Lösungen in drei Gruppen einteilen: 

  • elektrische Durchlauferhitzer, 
  • Frischwasser- beziehungsweise Wohnungsstationen sowie 
  • Trinkwarmwasser-Wärmepumpen. 

Gemeinsam ist ihnen das Durchlaufprinzip: Warmwasser entsteht erst beim Zapfen und wird nicht dauerhaft im Leitungssystem vorgehalten.

Durchlauferhitzer: einfach und konsequent

Der elektrische Durchlauferhitzer setzt dieses Prinzip am direktesten um. Er benötigt keinen Speicher, wenig Platz und liefert sofort Warmwasser. Systembedingte Verluste durch Zirkulation entfallen nahezu vollständig. Auch das Legionellenrisiko ist gering, da kein stehendes Warmwasser vorhanden ist. In Gebäuden mit Leerstand, hoher Fluktuation oder stark schwankender Nutzung kann dies die wirtschaftlichste Lösung sein.

In schrumpfenden Regionen, bei kleinteiligen Wohnungszuschnitten oder instabiler Belegung – etwa in Ferienwohnungen oder temporär genutzten Gebäuden – entstehen keine Kosten für einen permanenten Betrieb. Gleichzeitig erfordern Durchlauferhitzer hohe elektrische Anschlussleistungen und führen zu einer vollständigen Abhängigkeit vom Strompreis. Wo Netzkapazitäten begrenzt sind oder Lastspitzen vermieden werden sollen, stößt dieses System schnell an Grenzen.

Dennoch ist der Einsatz vielfach erprobt. Beim Siedlungswerk Nürnberg nutzen Mieter in Neubauten elektrische Durchlauferhitzer mit Leistungen von bis zu 27 Kilowatt. In größeren Wohnungen kommen mehrere Geräte zum Einsatz, um Leitungsverluste zu minimieren. Auch in Bitterfeld-Wolfen wurde bei der Sanierung von rund 400 Wohnungen auf diese Technik gesetzt.

Kompaktes Bad mit wandhängendem Elektro-Durchlauferhitzer, Waschtisch, Einhebelmischer, barrierefreier Dusche und modernen Spültasten.
Bei Sanierung in Bitterfeld-Wolfen wurden Durchlauferhitzer zur Trinkwarmwasserbereitung für 400 Wohnungen installiert.

Frischwasserstationen: effizient und hygienisch

Frischwasserstationen arbeiten ebenfalls nach dem Durchlaufprinzip, nutzen jedoch Heizwasser aus einem zentralen Wärmeerzeuger oder Pufferspeicher. Über einen Plattenwärmetauscher wird die Wärme auf das Trinkwasser übertragen. Dadurch sinken Verluste und die Legionellenproblematik wird deutlich entschärft. In vielen Fällen gelten diese Anlagen als Kleinanlagen, was Prüf- und Dokumentationspflichten reduziert und das Betreiberrisiko senkt.

Ein Beispiel findet sich in Berlin-Spandau, wo nach einer umfassenden Sanierung eine solche Lösung umgesetzt wurde. Die Wärme stammt aus einer Öl-Brennwertanlage und einem 500-Liter-Pufferspeicher. Entscheidend ist weniger der Energieträger als die Systemlogik: Die Trinkwarmwasserbereitung wird vom Speicher- und Zirkulationszwang entkoppelt, ohne die zentrale Wärmeerzeugung grundlegend zu verändern.

Wohnungsstationen eigenen sich für Mehrfamilienhäuser wie hier In Wetzlar, wo 18 Wohnungen damit ausgerüstet wurden.

Wohnungsstationen: Warmwasser und Heizung kombiniert

Wohnungsstationen gehen einen Schritt weiter und regeln sowohl Warmwasser als auch Raumheizung auf Wohnungsebene. Das ist technisch anspruchsvoller, ermöglicht aber eine horizontale Verteilung, reduziert die Komplexität der Steigleitungen und erlaubt eine verbrauchsgenaue Abrechnung. In vielen Mehrfamilienhäusern hat sich dieses Konzept als besonders praxistauglich erwiesen.

So versorgt eine Seniorenresidenz am Berner Heerweg in Hamburg rund 70 Wohneinheiten über dezentrale Wohnungsstationen. Die Wärme stammt aus einem Blockheizkraftwerk und einen Pufferspeicher. In Wetzlar wurden 18 Wohnungen in zwei Gebäuden auf diese Weise umgestellt. Vorteile sind eine bedarfsgerechte Erzeugung, transparente Verbrauchserfassung und bessere Steuerbarkeit im Betrieb.

Trinkwarmwasser-Wärmepumpen: Effizienz durch Abwärme

Trinkwarmwasser-Wärmepumpen gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie Abwärme nutzen und sich gut mit Photovoltaikanlagen koppeln lassen. Als Wärmequelle dienen etwa Abluft, Kellerluft oder technische Nebenflächen. So kann Warmwasser mit vergleichsweise hoher Effizienz erzeugt werden.

Ein Mehrfamilienhaus in Westerheim setzt beispielsweise auf wohnungsweise Abluft-Warmwasser-Wärmepumpen mit integriertem 265-Liter-Speicher. Für Wohnungsunternehmen bieten solche Lösungen klare Vorteile: geringe Verluste, einfache Hygiene und transparente Abrechnung.

Zentrale Lösungen bleiben relevant

Zentrale Warmwasserlösungen sind damit nicht grundsätzlich nachteilig. In Kombination mit Fernwärme bieten sie Versorgungssicherheit, geringen Platzbedarf und überschaubaren Wartungsaufwand. Auf Erzeugerseite wird Fernwärme zunehmend klimafreundlicher, etwa durch Abwärmenutzung, Großwärmepumpen oder Solarthermie. Für große, dicht bebaute Quartiere mit stabilem Bedarf bleibt sie daher eine Option. 

Allerdings bestehen systembedingte Nachteile: Zirkulationsverluste, große Speicher und hohe Vorlauftemperaturen reduzieren die Effizienz und erhöhen die Kosten. Nicht ohne Grund zählt Fernwärme – nach Stromdirektheizungen – zu den kostenintensivsten Heizformen im Wohnbereich.

Mit der kommunalen Wärmeplanung rückt die Warmwasserbereitung stärker in den Fokus. Häufig konzentrieren sich Strategien auf den Ausbau von Wärmenetzen, doch auch die Art der Warmwasserbereitung beeinflusst Wirtschaftlichkeit, Akzeptanz und Netzstabilität. Gerade in Mehrfamilienhäusern ist sie ein zentraler Baustein.

Dezentrale Konzepte können Fernwärme sogar stärken. Frischwasser- und Wohnungsstationen ermöglichen es, Heizwasser aus dem Netz zu nutzen und Warmwasser dezentral zu erzeugen. Dadurch lassen sich Vorlauftemperaturen senken, Rückläufe verbessern und Netze effizienter betreiben – ein wichtiger Hebel für Stadtwerke.

Eine vereinfachte Betrachtung zeigt die Unterschiede:

  • Zentrale Fernwärmelösungen erfordern geringe Investitionen, verursachen jedoch höhere laufende Kosten durch Verluste und Hygieneanforderungen.
  • Die Kombination aus Fernwärme und Frischwasserstation benötigt mittlere Investitionen, senkt Betriebskosten und verbessert die Netzrückläufe.
  • Wohnungsstationen erfordern mittlere bis hohe Anfangsinvestitionen, ermöglichen jedoch niedrige Betriebskosten und flexible Quartierslösungen.
  • Elektrische Durchlauferhitzer sind günstig in der Anschaffung, jedoch stark strompreisabhängig.
  • Trinkwarmwasser-Wärmepumpen liegen im mittleren Investitionsbereich, ermöglichen niedrige bis mittlere Betriebskosten und eröffnen neue Geschäftsmodelle durch die Kopplung von Photovoltaik und Abwärme.

Relevante Fachmessen zur Warmwasser- und Gebäudetechnik (Frühjahr 2026)

Auf verschiedenen Fachmessen werden im Frühjahr 2026 moderne Trinkwarmwassersysteme präsentiert:

Übersichtliche Tabelle mit aktuellen SHK- und TGA-Fachmessen 2024 in DACH: Termine, Veranstaltungsorte und Branchenschwerpunkte für Entscheider.
Anzeige
haustec.de
Das Fachportal für die Gebäudetechnik
Ad placeholder