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Stabile Modulpreise, BC- und Perowskit-Zellen treiben Marktentwicklung voran

Martin Schachinger
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Der Modulpreisanstieg kommt zum Erliegen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr sind die Preise für Solarmodule der verschiedenen Technologieklassen gegenüber dem Vormonat nicht mehr ausschließlich gestiegen. Bei Full-Black- und Low-Cost-Modulen gab es Schwankungen allenfalls unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, aber auch die Veränderungen bei den anderen Klassen sind kaum der Rede wert. Die Verfügbarkeit der meisten Leistungsklassen ist mittlerweile wieder sehr gut. Einzig die Nachfrage nach Back-Contact-Produkten mit Wirkungsgraden über 24 Prozent übersteigt momentan noch das Angebot, was zu Engpässen bei den höheren Leistungsklassen führt. Da diese Technologie im Gesamtmarkt aber noch eine untergeordnete Rolle spielt, fallen Preisanpassungen dort im Index nicht sonderlich ins Gewicht.

Das Nischendasein der BC-Zellen und -Module dürfte allerdings in naher Zukunft ein Ende haben. Fast alle größeren Produzenten aus Asien beschäftigen sich mit dieser Technologie und werden in den kommenden Monaten entsprechende Produkte in den europäischen Markt einführen. Dies zeigte auch der Messeauftritt der Top-Hersteller auf der diesjährigen intersolar im Juni in München, wo beinahe jeder von ihnen ein Serienmodul mit Rückkontakt-Zellen vorstellte. Das Interesse für diese Produkte ist zumindest im Kleinanlagensegment riesig, da die Module nicht nur hohe Wirkungsgrade aufweisen, sondern auch mit einer nahezu perfekt schwarzen Optik punkten können.

Es gibt zwischen den vornehmlich aus China stammenden Herstellern allerdings noch kleine Patentstreitigkeiten zu den Produktionsverfahren für Module mit BC-Zellen (Back Contact). Auch lohnt sich für viele Firmen die Umstellung ihrer gerade für TOP-Con-Produkte optimierten Produktionslinien nicht, da dies größere Umbauten und damit hohe Investitionen erfordert. 

Mit der Massenproduktion von Modulen mit BC-Technologie beschäftigen sich daher im Wesentlichen nur drei Hersteller in China – Aiko, Longi und die in Europa weniger bekannte TCL. Alle anderen Marken bedienen sich mittels OEM-Fertigung mehr oder weniger bei diesen Kandidaten. TCL ist dabei wohl die einzige Firma, die ihre Patente auch für andere Hersteller öffnet und nicht nur das Fremdlabeln anbietet.

Modulproduzenten setzen auf Perowskite

Unter diesen Umständen setzen vielen Produzenten weltweit schon auf die nächste Evolutionsstufe der Zell- und Modultechnologieentwicklung: die Perowskite. Dieser Baustoff für neue Dünnschichtzellen eignet sich für transparente Module im Gebäudebereich ebenso wie im Tandem mit kristallinen Zellen für Hocheffizienz-Module für Dach- und Freiflächenanwendungen. Die Physik verspricht dabei traumhafte Wirkungsgrade jenseits der 30-Prozent-Marke. Allerdings ist die Produktion sehr aufwendig und die Stabilität der Perowskit-Schicht noch nicht in ausreichendem Maße gewährleistet. Bisher nicht vollständig erforschte Effekte führen zu einer erhöhten Degradation unter bestimmten klimatischen Bedingungen, was die Massenanwendung noch erschwert.

Dennoch waren auch diese Technologien auf der intersolar/ smarter-E bereits vielfach präsent und gaben einen Ausblick auf das, was uns in den kommenden Jahren erwartet. Erste Pilotkunden werden zum Beispiel mit Produkten der Brandenburger Firma Oxford PV beliefert. Unter strengem Monitoring werden deren Tandem-Module mit aktuell knapp über 25, im kommenden Jahr geplanten 27 Prozent Wirkungsgrad auf eine Bewährungsprobe gestellt. Aber es gibt europaweit viele wissenschaftliche Institute und auch Privatfirmen, die an dieser Technologie forschen und auf deren breite Markteinführung hinarbeiten. Spätestens Ende 2027, Anfang 2028 dürften wir die ersten im Markt frei verfügbaren Massenprodukte mit Perowskit-Technik sehen.

Druck auf die Modulhersteller steigt

Bis dahin ist aber noch ein weiter Weg zu gehen, auch wenn sich die Entwicklungsgeschwindigkeit für immer neue Zellvarianten und Modulformate in den letzten Jahren enorm erhöht hat. Dementsprechend sind viele Hersteller auch gezwungen, ihre Investitionen in bestehende Produktionsanlagen schnell zu amortisieren und das Geld für Neuentwicklungen zu verdienen. Das dies aber nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, ist hinlänglich bekannt. 

Durch die große Nachfrage nach immer höheren Leistungsklassen, die durch die oben beschriebenen Technologiesprünge auch zunehmend verfügbar sind, steigt der Druck auf die Hersteller, beispielsweise ihre laufend modernisierten Top-CON-Linien so gut wie möglich auszulasten. Die in der Vergangenheit zur Preisstabilisierung angeordnete Kapazitätseinschränkung durch Produktionsstilllegungen führt wiederum zu Verlusten aufgrund von Verzinsung des quasi-toten Kapitals. Solche Maßnahmen lassen sich demzufolge nicht allzu lange durchhalten.

Die Folge ist, dass die bestehenden Linien gerade bei hohem Entwicklungsdruck wieder hochgefahren und ausgelastet werden müssen. Dies führt bei stagnierendem oder nur leicht wachsendem Markt zu Überproduktion und Preisverfall. Dementsprechend wird es aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem Jahr zu keinem weiteren Preisanstieg mehr kommen, zumindest nicht bei TOP-Con-Modulen. Deren Preise haben sich ja bereits stabilisiert mit einer Tendenz zu leichtem Nachgeben. Die höhere Nachfrage bei gleichzeitig knappem Angebot bei Modulen mit rückseitenkontaktierten Zellen hingegen dürfte dort zu stabilen bis zu leicht steigenden Preisen führen. Die Preis-Schere zwischen Modulen für kleinere private Dachanlagen und gewerbliche Dach- und Freiflächenanlagen wird also wieder auseinander gehen.

Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit mehr als 30 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die international bekannte Online-Handelsplattform pvXchange.com, über die Großhändler, Installateure und Servicefirmen neben allen Komponenten für Neuinstallationen auch Solarmodule und Wechselrichter beziehen können, welche nicht mehr hergestellt, aber für die Instandsetzung defekter Photovoltaik-Anlagen dringend benötigt werden.

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