Hauser-Studie: Klimaanpassung beginnt am Fenster
Die Untersuchung zum sommerlichen Wärmeverhalten von Gebäuden durch die Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser liegt bereits seit 2023 vor. Angesichts der ausgeprägten Hitzeperioden dieses Sommers sieht die IVRSA ihre Aussagen jedoch aktueller denn je: Wirksamer Sonnenschutz, Nachtlüftung und Automation sind zentrale Bausteine für thermischen Komfort und einen möglichst geringen Kühlenergiebedarf.
Das Ingenieurbüro Prof. Dr. Hauser GmbH hat 2023 im Auftrag der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle die umfassende „Studie zur integralen Bewertung des sommerlichen Wärmeverhaltens – Thermischer Komfort und energetische Performance“ vorgelegt. Sie untersucht, wie sich Klimawandel, Fensterflächen, Verglasung, Sonnenschutz, Lüftung und Automation auf die Überhitzung von Räumen und auf den Energiebedarf von Gebäuden auswirken.
Für die Industrievereinigung Rollladen-Sonnenschutz-Automation (IVRSA) ist es angesichts der wiederkehrenden und in diesem Sommer besonders spürbaren Hitzeperioden wichtig, erneut auf die Aussagen dieser Studie hinzuweisen. Denn viele der darin beschriebenen Entwicklungen sind heute unmittelbar im Gebäudebestand und im Alltag der Nutzer zu erleben: Räume heizen sich stark auf, der Bedarf an aktiver Kühlung nimmt zu und die Frage, wie Gebäude langfristig an höhere Sommertemperaturen angepasst werden können, gewinnt weiter an Bedeutung.
„Die Hauser-Studie liegt bereits seit einigen Jahren vor. Aber gerade der aktuelle Sommer zeigt, wie vorausschauend und relevant ihre Aussagen sind. Wir erleben heute sehr konkret, dass sommerlicher Wärmeschutz kein Randthema mehr ist. Es geht um Aufenthaltsqualität, Gesundheit, Energieverbrauch und um die Frage, ob unsere Gebäude für das Klima der kommenden Jahrzehnte gerüstet sind“, sagt Sandra Musculus, Vorsitzende der IVRSA und Präsidentin des ITRS.
Was heute noch funktioniert, kann morgen überhitzen
Die Studie macht deutlich, dass Gebäude, die unter heutigen beziehungsweise bisherigen klimatischen Bedingungen noch die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz erfüllen, unter zukünftigen Klimabedingungen erheblich stärker belastet sein können. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass eine Anpassung der Anforderungssystematik unter Einbeziehung künftiger Klimabedingungen dringend erforderlich ist. Gleichzeitig zeigen die Simulationen, dass sich auch bei hohen Fensterflächenanteilen ein guter thermischer Komfort erreichen lässt – wenn wirksamer Sonnenschutz und geeignete Möglichkeiten zur Wärmeabfuhr zusammenwirken.
„Wir möchten die Studie deshalb ganz bewusst noch einmal in Erinnerung rufen. Nicht, weil sich ihre Ergebnisse geändert hätten, sondern weil sich die Realität immer deutlicher auf sie zubewegt. Was vor wenigen Jahren noch als Zukunftsszenario diskutiert wurde, ist für viele Menschen inzwischen Teil des sommerlichen Alltags“, so Sandra Musculus.
Für die IVRSA folgt daraus eine klare Botschaft: Die Antwort auf steigende Sommertemperaturen kann nicht allein darin bestehen, immer mehr Gebäude technisch zu kühlen. Vielmehr müssen bauliche und passive Maßnahmen zur Vermeidung von Überhitzung frühzeitig und systematisch eingesetzt werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei beweglicher und automatisierter Sonnenschutz.
Die Studie basiert auf umfangreichen thermischen Simulationsrechnungen. Untersucht wurden unter anderem unterschiedliche Fensterflächenanteile, Orientierungen, Verglasungen, Sonnenschutzwirkungen, Steuerungsstrategien, Lüftungskonzepte sowie heutige und zukünftige Klimadatensätze. Neben Einzelräumen wurden auch ein Einfamilien- und ein Mehrfamilienhaus simuliert. Ziel war ausdrücklich eine integrale Betrachtung: Eine Maßnahme, die im Sommer Vorteile bringt, darf nicht isoliert betrachtet werden, wenn sie im Winter den Heizenergiebedarf erhöht.
Die Ergebnisse zeigen zunächst die Dimension des Klimawandels. Werden die für die Zukunft prognostizierten Klimabedingungen zugrunde gelegt, verschiebt sich die thermische Belastung Deutschlands deutlich. Große Gebiete, die bislang vergleichsweise sommerkühlen beziehungsweise gemäßigten Klimaregionen zugeordnet werden, würden unter den bisherigen Bewertungskriterien künftig in wärmere Kategorien fallen.
Gerade vor dem Hintergrund aktueller sommerlicher Hitzeperioden bekommt dieser Befund zusätzliche Aktualität. Die Studie beschreibt damit keine abstrakte Langfristproblematik, sondern eine Entwicklung, die Planer, Eigentümer und Nutzer bereits heute beschäftigt. Sandra Musculus: „Hitzeschutz ist längst zu einer realen Planungsaufgabe im Gebäudesektor geworden. Außenliegender Sonnenschutz reduziert den Kühlbedarf und wir sollten zuerst die Möglichkeiten der Gebäudehülle konsequent nutzen. Energiewende bedeutet nicht nur, Energie klimafreundlich zu erzeugen. Es bedeutet auch, unnötigen Energieverbrauch von vornherein zu vermeiden. Und genau dabei kann intelligenter Sonnenschutz einen wichtigen Beitrag leisten.“
Link zur Studie: https://rtg-politik.de/sites/default/files/2023-08/RTG%20Studie%20Hitzeschutz.pdf
