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Gebäudebegrünung trotzt Extremwetter

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In immer kürzeren zeitlichen Abständen werden neue Hitzerekorde gemessen. Unwetterereignisse mit Starkregen und Hagelschlag nehmen zu. Für Städte wächst damit der Druck, auf Hitze und Überflutungen zu reagieren. Dach- und Fassadenbegrünungen bieten dafür eine wirksame Maßnahme. Sie nehmen Regenwasser auf, halten es zurück, schirmen Gebäude vor direkter Sonneneinstrahlung ab und sorgen durch Verdunstung für Kühlung.

Studien zeigen die Folgen von Hitze auf

Bereits 2018 untersuchten die Gesundheitsökonomen Karlsson und Ziebarth die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen extremer Temperaturen über einen Zeitraum von 10 Jahren in Deutschland. Bundesweite deutsche Gesundheits- und Wetterdaten dienten als Grundlage. Die Ergebnisse beziffern die Belastung deutlich.

Während Hitzeereignissen stieg die Sterblichkeit um etwa 12 Prozent und die Krankenhauseinweisungen um etwa 6 Prozent an. Die geschätzten gesundheitsbezogenen Kosten betragen bis zu 5 Millionen Euro pro 10 Millionen Einwohner und heißem Tag mit mehr als 30 Grad Celsius.

Der Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) sieht darin ein Signal für die Stadtentwicklung. Hitzestress und Überflutung vorzubeugen, gehört aus Sicht des Verbands zur Stadtentwicklung der Zukunft. Im Fokus steht eine wassersensible Planung mit Gründächern, um Überschwemmungen vorzubeugen. Gleichzeitig tragen Pflanzen auf Dächern und an Fassaden durch Verschattung und Verdunstung zur Kühlung von Gebäuden und ihrer Umgebung bei.

Studien zeigen: Begrünung senkt die Wärmebelastung

Mehrere Untersuchungen beziffern die Kühleffekte: Eine Modellanalyse des Deutschen Wetterdienstes und des BuGG für die Stadt Essen zeigt, dass Orte mit einem sehr hohen Flächenanteil an Dachbegrünung von einer Abkühlung um 0,7 Kelvin profitieren.

Eine Studie von BOKU und der Technischen Universität Wien kommt zu einem weiteren Ergebnis: 850 Quadratmeter Fassadenbegrünung erbringen die Transpirationsleistung und Sauerstoffproduktion von 45 Klimakühlgeräten mit 8 Stunden Betriebsdauer und einer Leistung von 3.000 Watt.

Auch für dicht bebaute Stadträume liegen konkrete Werte vor: Nach einer Studie der Technischen Universität Berlin kann eine flächendeckende Begrünung an der Fassade die sommerliche Wärmebelastung um bis zu 52 Prozent senken, besonders in Bereichen mit hohem Versiegelungsgrad und geringer Luftzirkulation. 

Eine internationale Analyse zur Wirkung von Fassadenbegrünungen in mehreren europäischen Städten beziffert die Senkung der lokalen Lufttemperatur im Umgebungsbereich auf bis zu 5 Grad Celsius. Maßgeblich sind Exposition, Begrünungsdichte und Bewässerung.

Gründächer halten Regenwasser zurück

Bei Starkregen greifen vor allem Retentionsgründächer. Sie speichern Niederschlagswasser in einer speziellen Dränschicht und geben es zeitverzögert über eine Drossel wieder ab. So halten sie besonders bei Starkregenereignissen große Wassermengen zurück und entlasten die Kanalisation.

Damit sinkt auch der Bedarf an großen Rohrdimensionierungen und zusätzlichen Regenwasserrückhaltebecken. Zugleich steht ein Teil des gespeicherten Wassers den Pflanzen zur Verfügung. Der Spitzenabflussbeiwert Cs bei einer höheren extensiven Dachbegrünung mit 16 Zentimetern liegt bei 0,3. Das bedeutet: 70 Prozent eines Starkregens werden nicht abgeleitet und entlasten die Kanalisation.

Begrünung verlängert die Dachabdichtung

Gebäudegrün wirkt sich auch auf die Dachabdichtung aus. Eine BuGG-Umfrage gemeinsam mit dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) unter Dachdeckerbetrieben zeigt Unterschiede bei der Lebensdauer bis zur ersten größeren Reparatur.

Unter einem Gründach beträgt die Lebensdauer der Dachabdichtung in rund 55 Prozent der Fälle mehr als 20 Jahre. Unter einem Solargründach liegt dieser Anteil bei rund 45 Prozent. Bei einer ungeschützten Dachabdichtung liegt die Lebensdauer in etwa 35 Prozent der Fälle zwischen 16 und 20 Jahren und nur in rund 25 Prozent der Fälle darüber. Bei nicht begrünten Dachabdichtungen mit Photovoltaikanlage erreichen etwa 25 Prozent 16 bis 20 Jahre und rund 15 Prozent mehr als 20 Jahre.

Die vorliegenden Studien und Umfragewerte zeigen damit mehrere Funktionen von Dach- und Fassadenbegrünungen zugleich: Sie kühlen Städte, halten Wasser bei Starkregen zurück und schützen Bauteile. Für die Anpassung an Hitze und Überflutungen gewinnt Gebäudegrün damit an Bedeutung.

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