Brandschutz auf dem Flachdach: Die wichtigsten Regeln im Überblick

Je größer die Flachdachfläche, desto höher das Risiko bei einem Brand. Durchdringungen für Entwässerung, Lüftung, Kabel oder Photovoltaik können Schwachstellen sein, wenn sie nicht brandschutztechnisch korrekt ausgeführt werden. Gleichzeitig stehen auf modernen Flachdächern immer mehr technische Anlagen – von RLT-Geräten über Wärmepumpen bis zu PV-Anlagen. Das macht den Brandschutz zur gewerkeübergreifenden Aufgabe.
Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Regeln zusammen, zeigt typische Fehler und gibt Planern wie Handwerkern konkrete Orientierung.
Die Rechtsgrundlagen kennen
Der bauliche Brandschutz auf Flachdächern wird durch mehrere Regelwerke bestimmt. Planer und Ausführende sollten die für ihr Projekt relevanten Vorgaben kennen:
Bauordnungsrecht:
- Musterbauordnung (MBO) / Landesbauordnungen (LBO): Grundlegende Anforderungen an Baustoffe und Bauteile – die LBO des jeweiligen Bundeslandes ist maßgeblich
- Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR 2020): Regelt Anforderungen an Leitungsdurchführungen durch brandschutztechnisch relevante Bauteile
Normen:
- DIN 4102: Nationale Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen und Bauteilen (Klassen A1 bis B3)
- DIN EN 13501: Europäische Klassifizierung des Brandverhaltens – wird zunehmend in Ausschreibungen und Zulassungen verwendet (Klassen A1 bis F)
- DIN 18234, Teil 1–4: Brandschutz bei großflächigen Dächern – besonders relevant im Industrie- und Gewerbebau. Neue Entwürfe liegen seit 2022 vor.
Anforderungen der Sachversicherer:
- VdS Schadenverhütung GmbH: Unabhängiges Prüfinstitut und Dienstleister der Versicherungswirtschaft mit eigenen Richtlinien (z.B. VdS 2216, VdS 2234), die teils strengere Anforderungen stellen als die Bauordnung
- FM Global: Internationale Standards, relevant bei global versicherten Gebäuden
Wichtig: Die Anforderungen der Sachversicherer können deutlich über das Bauordnungsrecht hinausgehen. Frühzeitige Abstimmung mit dem Versicherer spart spätere Umplanungen.
Baustoffklassen beachten
Für den vorbeugenden Brandschutz sind die Baustoffklassen entscheidend. In der Praxis begegnen Planern und Handwerkern zwei Klassifizierungssysteme:
Nationale Klassifizierung nach DIN 4102-1:

