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Drei typische Fehler bei der Revitalisierung von Bestandsgebäuden

Oliver Kind
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Die Revitalisierung von Bestandsgebäuden wird zu einer zentralen Aufgabe für die kommenden Jahre. Tatsache ist: Wer vorhandene Bausubstanz weiterentwickelt, kann Ressourcen schonen, graue Energie erhalten und Gebäude energetisch sowie funktional in die Zukunft führen. Zu bedenken ist aber, dass Revitalisierungen in der Praxis oft anspruchsvoller sind als Neubauprojekte. Verantwortliche stehen vor der Herausforderung, mit bestehenden Tragstrukturen zu planen, mit baulichen Zwängen wie zum Beispiel unveränderbaren Schachtgrößen oder Installationsräumen, unbekannten Leitungsführungen und Unterlagen, die nicht vollständig oder nicht mehr aktuell sind.

Insbesondere hinsichtlich der Gebäudetechnik stellt dies eine besonders anspruchsvolle Aufgabe dar. Moderne Anlagen für Heizung, Lüftung, Kühlung, Sanitär, Elektro oder Gebäudeautomation benötigen Platz, klare Schnittstellen und belastbare technische Grundlagen. Im Bestand ist all das oft nur eingeschränkt vorhanden. Drei Fehler treten bei der Revitalisierung besonders häufig auf.

1. Die Bestandsanalyse wird nur unzureichend durchgeführt

Die Grundlage jeder Revitalisierung ist eine belastbare Bestandsaufnahme. Trotzdem wird genau hier oft zu wenig investiert – aus Zeitdruck, Kostendruck oder weil vorhandene Pläne zunächst als ausreichend eingeschätzt werden. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder: Historische Unterlagen stimmen nicht immer mit dem tatsächlich gebauten Zustand überein. Leitungen verlaufen zum Beispiel anders als dokumentiert, tragende Bauteile werden falsch eingeschätzt, schadstoffbelastete Baumaterialien werden erst sichtbar, wenn die Rückbauarbeiten bereits begonnen haben.

Auch für die technische Gebäudeausrüstung kann das gravierende Folgen haben. Sind Schächte oder Bestandsdurchbrüche nicht ausreichend dimensioniert, Installationsräume in Decken nicht frei oder geringer bemessen als angenommen, müssen die Verantwortlichen umplanen – das Gleiche gilt, wenn bestehende Tragstrukturen zusäzliche Lasten nicht aufnehmen können oder Brandschutzanforderungen eine geplante Leitungs- oder Kanalführung verhindern.

Eine gründliche Bestandsanalyse sollte deshalb mehr umfassen als einen Blick in alte Pläne. Bauteilöffnungen, zerstörungsarme Prüfverfahren, die Untersuchung der bestehenden Anlagentechnik auf Sanierungs- und Erweiterungspotenziale, Schadstoffuntersuchungen, eine realistische Bewertung der Tragstruktur und digitale Verfahren wie 3D-Laserscanning schaffen eine bessere Grundlage für TGA-Planung, Ausschreibung und Ausführung.

2. Termin- und Budgetplanung erfolgt ohne ausreichende Risikopuffer

Ein weiterer, häufig auftretender Fehler liegt in der Budgetplanung. Revitalisierungen werden oft zu optimistisch budgetiert, weil sie weniger planbar sind als Neubauprojekte. Die Gründe dafür sind verdeckte Bausubstanz, geringe Risikozuschläge, unvollständige Planung, unterschätzte Schnittstellen oder schlicht der Wunsch, Projekte wirtschaftlich möglichst attraktiv darzustellen. Gerade im Bestand ist diese Herangehensweise riskant. Denn selbst bei sorgfältiger Vorbereitung bleiben Unsicherheiten bestehen.

Verdeckte Schäden, zusätzliche Schadstofffunde, statische Verstärkungen, Anpassungen im Brandschutz oder Konflikte zwischen TGA und vorhandener Bausubstanz können sich auf Kosten und Termine auswirken. Werden diese Risiken nicht von Beginn an berücksichtigt, führt dies in der späteren Ausführung zu Nachträgen, Bauunterbrechungen und Diskussionen über Zuständigkeiten.
Realistische Budgetierung bedeutet deshalb, Unsicherheit grundsätzlich einzuplanen. Je nach Projektumfang können Risikopuffer von 10 bis 30 Prozent sinnvoll sein. Ergänzend sollten rechtzeitig und vorab verschiedene Szenarien betrachtet und in einer Risikomatrix verfolgt und bewertet werden: Was passiert, wenn zusätzliche Schadstoffe gefunden werden? Welche Folgen hat es, wenn geplante Technikflächen nicht ausreichen? Welche Alternativen gibt es, wenn ein Energiekonzept im Bestand nicht wie vorgesehen umsetzbar ist?

Wichtig ist außerdem ein enges Projektcontrolling. Kosten und Termine müssen regelmäßig überprüft und an neue Erkenntnisse angepasst werden. Über allem muss der Gedanke „Revitalisierung ist kein linearer Prozess“ stehen. Erkenntnisse aus Untersuchungen, Rückbau und Baufortschritt müssen laufend in die Planung zurückgespielt und verprüft werden.

3. Es fehlt eine klare Projektvision

Der dritte Fehler wird oft unterschätzt: Viele Revitalisierungen starten, ohne dass klar definiert wurde, welches Ziel das Gebäude am Ende erfüllen soll. 

  • Soll es vor allem energetisch verbessert werden? 
  • Geht es um eine neue Nutzung? 
  • Um mehr Flächeneffizienz? 
  • Um ESG-Anforderungen, Nutzerkomfort, technische Zukunftsfähigkeit – oder um eine Kombination aus allem? 

Wenn diese Fragen zu spät beantwortet werden, lassen sich Zielkonflikte kaum vermeiden.

Gerade in der Gebäudetechnik ist eine klare Projektvision entscheidend. Denn die technische Ausstattung folgt immer dem Nutzungskonzept. Ein Bürogebäude mit hoher Belegungsdichte stellt andere Anforderungen an Lüftung, Kühlung und Gebäudeautomation als ein Gebäude mit flexiblen Arbeitswelten oder gemischten Nutzungen. Auch Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Wartungsfreundlichkeit und spätere Anpassbarkeit müssen früh berücksichtigt werden.

Fehlt diese übergeordnete Richtung, planen einzelne Beteiligte oft aus ihrer jeweiligen Fachperspektive heraus. Der Tragwerksplaner betrachtet die Statik, die TGA-Planung die Technik, der Brandschutz die Genehmigungsfähigkeit, die Bauphysik den Wärme-, Feuchte- und Schallschutz. All das ist notwendig – aber erst durch eine gemeinsame Zieldefinition wird daraus ein tragfähiges Gesamtkonzept.

Fazit: Technik früh mitdenken

Bestandsgebäude bieten ein großes Potenzial, das sich aber nur heben lässt, wenn Revitalisierungen nicht wie Neubauten behandelt werden. Der Bestand muss gründlich untersucht, Risiken müssen realistisch eingeschätzt und Projektziele früh definiert werden.
Für die Gebäudetechnik bedeutet das: Sie sollte nicht erst am Ende in vorhandene Strukturen eingepasst werden, sondern von Beginn an Teil der Gesamtstrategie sein. Wer Bestand, Technik, Energieeffizienz und Nutzung früh in Einklang bringt, schafft die Grundlage für wirtschaftlichere, sicherere und langfristig bessere Revitalisierungsprojekte.

Oliver Kind ist Geschäftsführer der GKK Ingenieurgesellschaft für Hochbau mbH.

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