Geothermie stärkt Resilienz im Wärmesektor

Mit Blick auf die politischen und geopolitischen Entwicklungen des Jahres 2026 sieht der Bundesverband Geothermie (BVG) die Heizsaison von Unsicherheit geprägt. Gründe sind die Blockade der Straße von Hormus und die in der Folge steigenden Preise für Öl und Gas sowie das durch den Bundestag beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG).
BVG verknüpft Wärmewende mit sozialen Fragen
Für den BVG duldet die Frage, wie Deutschland eine resiliente Wärmeversorgung gestaltet, keinen Aufschub: Im GModG sieht der Verband eine Verlängerung des Einsatzes von fossilem Öl und Gas und eine unterambitionierte Biotreppe.
Besonders Mieterinnen und Mieter fürchten, künftig finanziell für Entscheidungen Verantwortung zu tragen, auf die sie keinen Einfluss haben. Der BVG ordnet die Dekarbonisierung des Gebäudesektors deshalb nicht nur als Frage des Klimaschutzes ein, sondern auch als soziale und politische Frage.
Eine vom BVG bei der Prognos AG in Auftrag gegebene Kurzstudie zeigt, dass Erdwärmepumpen langfristig die günstigste Heizungsoption sind. Die Kurzstudie bewertet ihre Langlebigkeit zudem als Investition in die Zukunft und in den Gebäudewert.
CO₂-Online beziffert steigende Kosten für Erdgas
Auch der kürzlich veröffentlichte Heizspiegel der Beratungsgesellschaft CO₂-Online zeigt, dass der durchschnittliche Preis für das Heizen mit Erdgas im Jahr 2025 um 14 Prozent gestiegen ist. Die Angabe bezieht sich auf eine 70 Quadratmeter große Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. CO₂-Online prognostiziert für 2026 einen Rückgang um 4 Prozent. Langfristig werde das Heizen mit fossilen Energieträgern jedoch deutlich teurer: Bis 2045 könnten sich die Kosten verdoppelt haben.
Vor diesem Hintergrund appelliert der BVG an die Bundesregierung, die Frage einer resilienten Wärmeversorgung zeitnah aufzugreifen. Sie soll Deutschland unabhängiger von Brennstoffimporten machen.
BVG fordert Schritte für regionale Wertschöpfung
Wo erneuerbare Wärme vor Ort gewonnen und genutzt wird, entstehen nach Auffassung des BVG Investitionen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung entlang regionaler Liefer- und Dienstleistungsketten. Mittel für Brennstoffimporte könnten dadurch stärker im Land bleiben und eine heimische Industrie unterstützen. Der BVG beschreibt Geothermie zudem als seit Jahrzehnten erprobte Technologie.
„Die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit sollten uns dazu ermutigen, die Lücke zwischen dem Potenzial der Geothermie und ihrem tatsächlichen Ausbau zu schließen. Deutschland braucht eine resiliente Wärmeversorgung, das ist zunehmend auch politischer Konsens. So forderte die 7. Energieministerkonferenz im Mai 2026 die Bundesregierung explizit dazu auf, zeitnah eine umfassende nationale Resilienzstrategie auszuarbeiten. Insbesondere die Frage, woher die Brennstoffe kommen sollen, ist derzeit unbeantwortet und sollte zügig geklärt werden,“ betont BVG-Geschäftsführer Gregor Dilger.
Aus Sicht der Geothermiebranche ist die Bundesregierung nun am Zug. Sie soll einen Prozess aufsetzen, der die Resilienz der Energieversorgung systematisch stärkt.
