VW will E-Fahrzeugbatterie als Netzspeicher nutzen

„Elektromobilität entfaltet ihr volles Potenzial nur dann, wenn sie für unsere Kundinnen und Kunden auch wirtschaftlich überzeugt. Mit Vehicle-to-Grid schaffen wir genau das: deutlich geringere Ladekosten zu Hause – und perspektivisch ein nahezu kostenfreies Laden“, betont Martin Sander, Vorstand für Vertrieb, Marketing und After Sales bei Volkswagen Pkw.
Gemeinsam mit Konzerntochter Elli bereitet Volkswagen den Marktstart des Vehicle-to-Grid-Angebots für Privatkunden in Deutschland vor. Ab dem vierten Quartal 2026 sollen Kundinnen und Kunden ihre Elektrofahrzeuge laden und in das Energiesystem einbinden.
Das Paket umfasst E-Fahrzeug, App, Stromtarif, Smart Meter, Wallbox und Installation. Volkswagen baut damit sein Heimlade- und Energieökosystem aus. Vehicle-to-Grid ist dabei kein Einzelprodukt, sondern ein weiterer Schritt im Energieangebot rund um das Elektroauto. „Als Pionier im bidirektionalen Laden ist unsere gesamte ID. Familie bereits seit 2023 bidi-ready. So bringen wir V2G aus der Innovation in den Alltag und machen diese Technologie für die breite Masse erlebbar. Das ist der Anspruch der Marke Volkswagen“, führt Sander aus.
Giovanni Palazzo, CEO von Elli, ergänzt: „Vehicle-to-Grid entfaltet seinen Mehrwert erst im Zusammenspiel von Fahrzeug, Infrastruktur und Energiemarkt – genau dafür haben wir Elli als Schnittstelle im Konzern aufgebaut. Heute verfügen wir über die technologischen und operativen Fähigkeiten, um ein integriertes Angebot für Millionen Fahrzeuge und über alle Marken hinweg in die Breite zu bringen. Jetzt machen wir den nächsten Schritt: Wir vernetzen die Batterien, erschließen durch Aggregation neue Wertpotenziale und machen unser Ziel eines ‚Managed Battery Network‘ erstmals konkret erlebbar.“
So soll das Angebot Kosten senken
Elektrofahrzeuge könnten künftig aktiv zur Einnahmequelle werden. Durch die Bereitstellung verfügbarer Batteriekapazität aus dem E-Auto und durch eine Flexibilität im Ladeverhalten sind Einsparungen sowie auch Einnahmen erzielbar. Das Potenzial wird im Markt allgemein auf 700 bis 900 Euro jährlich geschätzt.
Dafür verknüpft Volkswagen einen dynamischen Stromtarif, eine bidirektionale Wallbox, Smart Meter und eine digitale App. Elektrofahrzeuge übernehmen dabei zwei Aufgaben: Sie dienen der Fortbewegung und sie fungieren als flexible Energiespeicher. Überschüssige Energie, vor allem aus erneuerbaren Quellen, kann im Fahrzeug gespeichert und bei Bedarf wieder in das Stromnetz eingespeist werden.
Aber: Vehicle-to-Grid bietet nicht nur individuelle Vorteile, sondern auch erhebliche gesamtwirtschaftliche Potenziale: Studien zufolge können in Europa bis 2040 jährlich rund 22 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden. In Deutschland wurden zuletzt zirka 9.500 Gigawattstunden erneuerbare Energien abgeregelt. Das genügt, um rund drei Millionen Elektrofahrzeuge ein Jahr lang zu betreiben.
In einem ersten Schritt erhalten Kundinnen und Kunden eine Vergütung dafür, dass sie ihre Fahrzeugbatterie für den Energiehandel bereitstellen. Die Vergütung hängt nicht vom Handelserfolg ab. Sie bleibt transparent nachvollziehbar und richtet sich nach der gewählten Flexibilität beim Laden. Ziel ist, die Gesamtkosten der Mobilität schrittweise zu senken, perspektivisch bis hin zu nahezu kostenneutralem Laden.
Neue Software weitet den Kreis aus
Die technische Grundlage bildet die modulare E-Antriebsplattform (MEB). Bereits heute sind rund eine Million Fahrzeuge in Europa technisch für bidirektionales Laden vorbereitet. Mit der kommenden ID. Software 6 wird die Funktionalität auf weitere Batteriegrößen ausgeweitet und damit einem breiteren Kundenkreis, inklusive zukünftiger Volumenmodelle, zugänglich gemacht. Zugleich stellt Volkswagen durch Hochvoltbatterien und Schutzsysteme sicher, dass bidirektionales Laden die Batterielebensdauer nicht nennenswert beeinflusst.
Elli funktioniert als Bindeglied
Die Energiemarke Elli fungiert als Bindeglied zwischen Fahrzeug, Kundinnen und Kunden sowie dem Energiemarkt mit einem eigenen Energiehandels-Team, das 24 Stunden, sieben Tage die Woche an der Börse EPEX Spot Strom handelt.
Für den breiten Einsatz von Vehicle-to-Grid ist die Integration intelligenter Messsysteme entscheidend. Elli leitet Kundinnen und Kunden über die eigene Website an einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber weiter. Dieser übernimmt bundesweit die Installation des Smart Meters und stellt hochauflösende Messdaten bereit. In der Regel sollen Kundinnen und Kunden ihren Smart Meter innerhalb von acht bis zehn Wochen erhalten. Nach der anschließenden Konfiguration können sie den Vehicle-to-Grid-Tarif nutzen.
Die Vorregistrierung für das Angebot beginnt im Juni 2026. Der Marktstart in Deutschland ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Weitere europäische Länder sollen folgen.

