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Bauschrott-Recycling: Ressourceneffizienz wird zum Schlüsselfaktor

Knappe heimische Ressourcen, Probleme bei den Lieferketten, Wettbewerb um kritische Rohstoffe – die Versorgung mit Rohstoffen steht vor einigen aktuellen Problemen. Auch der Bereich Wohnen und Gebäude ist von Rohstoffen abhängig. Aktuelles Beispiel sind Verknappungen beim Rohstoff Holz. Ist Bauschrott-Recycling eine Lösung für das Problem?

Im Interview mit unserer Schwesterzeitschrift GLASWELT spricht der A|U|F-Vorstandsvorsitzende Walter Lonsinger über die aktuellen Probleme der Rohstoffversorgung und eine neue Wertstoff-Studie, die die Mengenströme für Aluminiumschrotte im Baubereich erfasst.

GLASWELT: Herr Lonsinger, hat die Baubranche ein Rohstoffproblem?

Walter Lonsinger: Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass wir in vielen Lebensbereichen von der hinreichenden Versorgung mit Rohstoffen abhängig sind. Deshalb müssen wir uns umfassend und nachhaltig um unsere Rohstoffversorgung in allen Verwendungsbereichen kümmern. Holz, um das aktuelle Beispiel aufzugreifen, ist ein wunderbarer Rohstoff. Holz ist nachhaltig und hat eine ausgezeichnete Klimabilanz. Aber Holz lässt sich nicht in geschlossenen Wertstoffkreisläufen wiederverwerten. Wenn die nachhaltige Forstwirtschaft unverschuldet vor Problemen steht, wie aktuell, gerät der Markt in Schieflage.

Das ist beim Werkstoff Aluminium grundsätzlich anders. Konsequentes Recycling innerhalb geschlossener und zertifizierter Kreisläufe sichert den Markt gegenüber Preis- und Versorgungsrisiken ab, spart Energie und entlastet das Klima.

Gilt das auch in Pandemie-­Zeiten?

Eine seriöse Bilanzierung von Schrotten und Abfällen in der Produktion, bei Abbruch und Sanierung sowie beim Neubau ist ein wichtiges Merkmal im Wettbewerb um Ausschreibungen und Aufträge. Die Mitgliedschaft in einer Organisation, die sich der ­Ressourceneffizienz widmet, wird immer wertvoller für die Unternehmen. Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie hat es sich gezeigt, dass wir uns darum kümmern müssen, dass Schrotte im Kreislauf verbleiben und nicht in ferne Länder exportiert werden sollten. Erfreulicherweise entwickeln sich sowohl unsere Mitgliederzahlen wie auch die Mengen außerordentlich positiv. Im Verlaufe des ersten Quartals 2021 stieg die Zahl der Mitglieder auf rund 220.

Die Mengenentwicklung ist ebenso positiv?

Auch hier gab es einen großen Sprung nach oben. Die über den A|U|F bilanzierte Menge an Aluminiumschrotten aus dem Baubereich wuchs um rund 10.000 Tonnen. Unsere Jahres-Gesamtmenge stieg damit 2020 auf etwas mehr als 45.000 Tonnen. Damit nähert sich der Marktanteil des über den A|U|F organisierten Volumens der Marke von 50 Prozent.

 Die EU verknüpft ihre klimapolitischen Ziele zunehmend mit der Ressourceneffizienz und der Kreislaufwirtschaft. Der Initiative kommt diese Entwicklung sicher zugute?

Der europäische Green Deal musste hinter der Pandemiebekämpfung zunächst zurückstehen. Jetzt nimmt die europäische Klimapolitik wieder Fahrt auf. Klimaneutralität bis 2050 ist kein abstraktes Fernziel mehr, konkrete Zwischenziele müssen erreicht werden.

Ich sehe im Gebäudebereich großes Potenzial. Sowohl bei der Ressourceneffizienz als auch bei der Einhaltung der Kreislaufwirtschaft. Sie zu heben ist eine Aufgabe aller, die an den jeweiligen Wertschöpfungsketten beteiligt sind. Insbesondere die Kreislaufwirtschaft ist ohne das Zusammenspiel vieler Akteure nicht vorstellbar.

 Hier kommt der A|U|F ins Spiel?

Genau. Der A|U|F verknüpft Metall-, Fenster- und Fassadenbauunternehmen, Abbruch- und Demontageunternehmen, Schrotthändler und Entsorger, Verwertungs- und Aufbereitungsbetriebe, Presswerke und Systemhäuser.

Über welchen Markt sprechen wir?

In Deutschland fallen pro Jahr etwa 110.000 Tonnen Aluminiumschrotte im Baubereich an. Davon stammt knapp ein Drittel aus Produktion und Verarbeitung. Der Anteil dieser Pre-Consumer Schrotte nimmt pro Jahr nur um etwa ein Prozent zu, was auf eine hohe Effizienz bei der Herstellung und Verarbeitung von Aluminiumprofilen hinweist. Dennoch ist es wichtig, bereits bei den herstellenden und verarbeitenden Unternehmen mit dem Recycling zu beginnen und die hochwertigen Schrotte nicht im allgemeinen Recycling zu verlieren.

Und der Rest?

Zwei Drittel des Aufkommens von Aluminiumschrotten im Hochbaubereich fallen als Post-Consumer-Bereich oder „End of Life“ an, also im Wesentlichen bei Abbruch, Entkernung und Demontage. Hier steigen die Mengen jahresdurchschnittlich um knapp fünf Prozent an und hier liegt das von mir angesprochene Potenzial der Zukunft. Allein zwischen 2014 und 2019 hat sich die Menge um 29 Prozent erhöht.

Können Sie das in Volumen formulieren bzw. präzisieren?

Die Unternehmen des Metall-, Fenster- und Fassadenbaus liefern insgesamt rund 28.800 Tonnen Schrotte an. Von der Gesamtmenge stammen etwas mehr als 20.000 Tonnen aus dem Pre-Consumer-Bereich. Bei Abbruch, Entkernung und Demontage fallen knapp 64.000 Tonnen an. Diese Menge stammt ausschließlich aus dem Post-Consumer-Bereich. Den Rest, also 16.000 Tonnen, machen Pre-Consumer-Schrotte der Profilhersteller und Systemhäuser aus.

Welche Anwendungsbereiche ­liefern die meisten Schrotte?

Sowohl bei den Pre- als auch bei den Post-Consumer-Schrotten bilden die Fenster mit jeweils etwa der Hälfte des Aufkommens den größten Anteil. Bei den Pre-Consumer-Schrotten folgen Türen und Tore mit etwa einem Viertel sowie Fassaden Dächer und Außenwandverkleidungen mit zehn bis 20 Prozent. Gut 10 Prozent entfallen auf Sonnen- und Regenschutz-Anlagen sowie Inneneinrichtungen. Bei den Post-Consumer-Schrotten folgen auf die Fenster mit einem Anteil von 25 bis 35 Prozent Fassaden, Dächer und Außenverkleidungen. Türe und Tore sowie Innenausstattung kommen jeweils auf etwa zehn Prozent.

AIUIF-Vorstandsvorsitzende Walter Lonsinger.

Offenbar fragt der Markt Sekundärmaterial verstärkt nach?

Wir sollten Primär- und Sekundärmetalle als komplementäre Partner in einem Gesamtsystem sehen. Die Ressourcen des Urban ­Mining können die steigende Nachfrage nicht vollständig decken. Es geht um eine Optimierung: so viel Sekundärmetall aus geschlossenen Wertstoffkreisläufen wie möglich und eine bedarfsgerechte Versorgung mit Primärmetall, das so energieeffizient und klimaschonend wie möglich erzeugt werden sollte.

Was bedeutet das für die politischen Weichenstellungen?

Wir ermuntern den Bund, die Länder und vor allem die Kommunen, die Wiederverwertung von Aluminiumschrotten innerhalb eines geschlossenen Wertstoffkreislaufs zu fördern, anstatt restriktiv mit Anwendungseinschränkungen oder gar Verboten zu agieren.

Zur Person und über den ­A|U|F

Die Initiative Aluminium und Umwelt im Fenster- und Fassadenbau fördert den energiesparenden, ­ressourceneffizienten und umweltgerechten Umgang mit Aluminium. Das Effizienz- und ­Klimapotenzial des Recyclings ist beim Werkstoff Aluminium besonders hoch. Zugleich werden durch das Upcycling der Abfluss von Schrotten aus Deutschland sowie das Downgrading wertvoller Legierungen unterbunden. Walter Lonsinger war früher u. a. Geschäftsführer eines großen Aluminiumsystemanbieters, jetzt ist er der Vorstandsvorsitzende der A|U|F.

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