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EU-Elektrifizierungsplan: Wärmepumpen, Fernwärme und günstigerer Strom

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Mit dem Aktionsplan will die Europäische Kommission die Elektrifizierung der energieverbrauchenden Sektoren – insbesondere Industrie, Verkehr und Gebäude – deutlich beschleunigen. Ein indikatives Elektrifizierungsziel von 46 % bis 2040 wird von der Kommission im Rahmen des Energieunion-Pakets nach 2030 bewertet. Dies würde den Anteil des Stroms am Endenergieverbrauch über die derzeitigen 23 % anheben, die sich seit zehn Jahren nicht verändert haben. Das Ziel entspricht damit fast einer Verdopplung des heutigen Werts. Das Erreichen dieses Ziels könnte die EU-Einfuhrkosten für fossile Brennstoffe bis 2040 um 260 Mrd. EUR pro Jahr senken.

Warum Gebäude im Zentrum stehen

Der Gebäudesektor ist ein entscheidender Hebel: Gewerbe- und Wohngebäude machen die Hälfte des EU-Gasverbrauchs aus, und die Fortschritte bei Sanierung und Elektrifizierung bleiben langsam. In Wohngebäuden und kollektiven Heizsystemen können Wärmepumpen den gesamten Bedarf an Raumheizung, Kühlung und Warmwasser decken – etwa 80 % des Energieverbrauchs.

Wärmepumpen: Klares Ausbauziel und deutliche Kostensenkung

Die Wärmepumpe ist die Leittechnologie des Plans. Der Aktionsplan will die Wärmepumpen-Installationen bis 2030 auf 4 Millionen pro Jahr steigern, von 2,4 Millionen im Jahr 2025.

Beim Sparpotenzial nennt die Kommission eine breite Spanne: Der Wechsel von Gaskesseln zu Wärmepumpen kann die Heizkosten eines EU-Haushalts um 20 % bis über 60 % senken – bei gleichzeitigen wichtigen Nebeneffekten für die Klimaanpassung durch die Fähigkeit, Gebäude auch zu kühlen, besonders während Hitzewellen.

Wichtig für Planer: Die Elektrifizierung soll nicht isoliert erfolgen. Um sinnvolle Kosteneinsparungen zu erzielen, betont der Plan, dass der Einsatz dieser Technologien mit Gebäudedämmung und -sanierung koordiniert werden sollte, wobei die Gebäude mit der schlechtesten Leistung priorisiert werden.

Für den öffentlichen Sektor deutet sich zudem eine mögliche Verpflichtung an: Die Kommission wird prüfen, die Nutzung von Wärmepumpen in öffentlichen Gebäuden durch eine Überarbeitung der EU-Vergaberegeln vorzuschreiben.

Strom ist zu teuer im Vergleich zu Gas

Der zentrale Hemmschuh bleibt das Preisgefälle. Das durchschnittliche Verhältnis von Strom- zu Gaspreis in Europa ist pro kWh mehr als dreimal höher für Strom. Nur in zwei Mitgliedstaaten ist Strom weniger als doppelt so teuer wie Gas. Um dieses „Spark Gap" zu schließen, setzt sich die Kommission konkrete Zielwerte. Erklärte Ziele für 2030 sind, sicherzustellen, dass die Strompreise weniger als das 2,5-fache der Gaspreise für Haushalte und weniger als das 2-fache für die Industrie betragen.

Die geplanten Maßnahmen umfassen:

  • Netzentgelte & Steuern: Die Mitgliedstaaten sollen Netzentgelte für bestimmte Verbrauchergruppen senken können. Es wird zudem ein schnellerer Einsatz von intelligenten Zählern vorgeschlagen, um Verbrauchern zu helfen, ihren Stromverbrauch besser zu verwalten und Rechnungen zu senken, während sichergestellt wird, dass Strom nicht höher besteuert wird als Gas.
  • Mehrwertsteuer-Senkung: Die Kommission schlägt vor, die Preislücke zwischen Strom und Gas durch eine Reform der Energiebesteuerung zu verringern und einen EU-Rahmen einzuführen, der es den Mitgliedstaaten erlaubt, die Mehrwertsteuer auf Elektrifizierungstechnologien zu senken, einschließlich Wärmepumpen, Elektrofahrzeugen und Haushaltsbatterien.

Anschaffungskosten sollen gesenkt werden

Gegen die hohen Vorabkosten schlägt der Plan mehrere Instrumente vor. Dazu gehören Sozialleasing-Systeme, finanzielle Unterstützung über das EHS, den Klima-Sozialfonds, die Bank für industrielle Dekarbonisierung und einen vorgeschlagenen Mechanismus für einen sauberen Wärmemarkt.

Fernwärme, Abwärme und Geothermie

Neben der dezentralen Wärmepumpe rücken auch netzgebundene Lösungen in den Fokus. Bei einem geschätzten Potenzial von 300 TWh/Jahr an industrieller Abwärmenutzung will die Kommission eine Initiative starten, um bis 2050 11 % des EU-Wärmebedarfs aus Abwärme zu decken. Dazu würde ein Wachstum der Fernwärme- und Kältenetze um 6–7 % pro Jahr gehören, die bis 2030 15 % des gesamten Heiz- und Kühlbedarfs decken sollen.

Auch die Erdwärme wird als Chance benannt: Geothermie wurde als „unterausgeschöpfte Ressource" für hocheffiziente erneuerbare Elektrizität und als Heiz- und Kühllösung mit reduzierten Netzkosten anerkannt. Sie könnte kosteneffizient mindestens 1 % des europäischen Strombedarfs und 25 % des Heiz- und Kühlbedarfs decken, wenn ein förderlicher Rahmen geschaffen würde.

Netzausbau ist die Voraussetzung

Damit die Elektrifizierung von Gebäuden gelingt, muss der Netzausbau beschleunigt werden. Lange Wartelisten für neue Netzanschlüsse – die teils Jahre dauern – bremsen den Umstieg. Das bereits im Vorjahr vorgeschlagene Netzpaket soll diese Herausforderungen angehen; die Kommission dringt auf eine rasche Verabschiedung bis Ende des Jahres.

Einordnung

Für Planer, Installateure und Betreiber gebäudetechnischer Anlagen sind vor allem vier Punkte relevant: das konkrete Wärmepumpen-Ausbauziel (4 Mio./Jahr bis 2030), die Verkleinerung des Strom-Gas-Preisgefälles über Steuern, Netzentgelte und Mehrwertsteuer, die Aufwertung von Fernwärme, Abwärme und Geothermie sowie neue Förder- und Finanzierungsinstrumente. Ob und wie schnell diese Maßnahmen ankommen, hängt maßgeblich vom weiteren Gesetzgebungsverfahren und der nationalen Umsetzung ab. Zu beachten: Das 46-%-Ziel ist nach Darstellung der Kommission ein indikatives Ziel, das im Post-2030-Paket bewertet wird.

Branchenstimmen

BDEW: Verbesserte Rahmenbedingungen statt neuer Quote

Die EU-Kommission hat heute ihren Electrification Action Plan vorgelegt. Dazu erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung:
„Wir halten ein eigenständiges Elektrifizierungsziel nicht für erforderlich. Entscheidend für Europa ist ein ambitioniertes Ziel für Erneuerbare Energien. Zwar ist für die Energiewirtschaft klar, dass Elektrifizierung ein zentraler Baustein ist, um Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz zusammenzubringen. Doch gelingt Elektrifizierung nicht per Quote, sondern durch die richtigen Rahmenbedingungen und Maßnahmen. Mit wieder neuen Zielen gehen auch Zieldiskussionen und Bürokratie einher, die Zeit und Ressourcen kosten, aber keinen einzigen Prozess transformieren.

Europa muss stattdessen dafür sorgen, dass Strom wettbewerbsfähig ist, fossile Fehlanreize abgebaut werden und der Ausbau von Erneuerbaren, Netzen, Speichern, Flexibilität und Systemintegration schneller vorankommt. Eine sinnvolle Maßnahme auf nationaler Ebene wäre die Senkung der Stromsteuer, wie es der ebenfalls heute veröffentlichte EU-Gesetzgebungsvorschlag zu Netzentgelten und Energiebesteuerung vorschlägt. Dadurch werden strombasierte Alternativen wie E-Autos und Wärmepumpen attraktiver.

Die direkte Elektrifizierung wird sich da durchsetzen, wo sie technisch möglich, energieeffizient und wirtschaftlich sinnvoll ist. Ohne Moleküle wird es jedoch nicht gehen. Erneuerbare und kohlenstoffarme Gase bieten essenzielle Systemfunktionen, sie können Energie speichern und transportieren und stellen eine wichtige Flexibilitätsoption dar. Zudem sind sie etwa bei Hochtemperaturprozessen, bei der stofflichen Nutzung und als Backup-Funktion notwendig. Beide Transformationspfade sind daher komplementär und systemisch zu integrieren.“

ZDH: Hohe Stromkosten sind das zentrale Thema

Die EU-Kommission hat am 17. Juli 2026 ihr Energiepaket veröffentlicht. Es besteht aus dem Aktionsplan zur Elektrifizierung und einem Vorschlag zur Senkung der Netzentgelte. Dazu erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): 

„Das von der EU-Kommission vorgelegte Energiepaket ist grundsätzlich positiv und enthält wichtige Ansätze, um die Belastungen durch hohe Energiekosten zu verringern. Für das Handwerk bleiben in diesem Kontext vor allem die weiter hohen Stromkosten das zentrale Thema. Die von der Europäische Kommission angekündigten Anpassungen bei den Regeln für Netzentgelte und der Energiebesteuerung müssen jetzt rasch so umgesetzt werden, dass sie den Betrieben Entlastungen bringen. Hier muss zügig geklärt werden, wann und in welchem Umfang die Betriebe davon profitieren können.

Unabhängig von den weiteren Entscheidungen auf EU-Ebene kann und muss die Bundesregierung bereits jetzt handeln und die Betriebe entlasten, indem sie die Stromsteuer auf den EU-Mindestsatz senkt, wie es bereits im Koalitionsvertrag angekündigt wurde. Diese Möglichkeit steht den Mitgliedstaaten schon heute offen und muss von der Bundesregierung umgehend genutzt werden.

Das Handwerk ist vor Ort der zentrale Akteur der Elektrifizierung, überall dort, wo sie sinnvoll und praktikabel ist. Das reicht vom Einbau von Wärmepumpen über die Installation von Ladeinfrastruktur bis hin zur energetischen Gebäudesanierung. In einzelnen Gewerken stößt die Elektrifizierung jedoch an Grenzen. So ist es beispielsweise für Bäckereien zumindest mittelfristig nicht realistisch, ihre gasbetriebenen Hochleistungsöfen zu elektrifizieren. 

Damit die Transformation hin zu einer wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Wirtschaft gelingt, müssen Energiepreise bezahlbar und die Rahmenbedingungen verlässlich sein. Das Energiepaket muss daher nun schnell umgesetzt werden.“ 

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