Infrarotheizung als Schlüssel zum bezahlbaren Bauen

Infrarotheizungen können einen wichtigen Beitrag zum bezahlbaren Bauen und Wohnen leisten. Das war das eindeutige Signal der vierten Konferenz der IG Infrarot Deutschland, die am 16. April 2026 in Würzburg stattfand. Referenten aus Politik, Wohnungswirtschaft, Forschung und Praxis plädierten übereinstimmend für einfachere und günstigere technische Gebäudeausrüstung – und sahen die Infrarotheiztechnik als eine der tragfähigen Lösungen.
Politik fordert Technologieoffenheit
Den Auftakt machte Ina Scharrenbach, Bauministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, mit einem klaren Bekenntnis zur Technologieoffenheit: „Die Infrarotheiztechnik ist da eine durchaus relevante." Bauunternehmer Thomas Gerl, Vorstand des BFW Landesverbandes Bayern, brachte die Kostenfrage auf den Punkt: Während der Rohbau früher rund 40 Prozent der Gesamtkosten ausmachte, seien es heute nur noch 25 Prozent – die technische Gebäudeausrüstung (TGA) dagegen deutlich teurer geworden. „Wir müssen mit den Kosten runter", so sein Fazit.
Einfache Technik, niedrige Gesamtkosten
Einigkeit herrschte auf der Podiumsdiskussion darüber, dass komplexe TGA ein Kostentreiber ist. René Ebert von der VdZ betonte: „Die knappste Ressource ist oft nicht das Material, sondern qualifizierte Zeit." Prof. Dr. Bert Oschatz vom ITG Dresden appellierte, auf robustere, wartungsarme Lösungen mit geringen Gesamtkosten zu setzen. Lars Keussen, erster Vorsitzender der IG Infrarot Deutschland, fasste die Konferenz-Philosophie zusammen: „Die einfachste Lösung ist häufig die wirtschaftlichste."
Praxisprojekte belegen Kostenvorteil
Konkrete Bauprojekte unterstrichen die Wirtschaftlichkeit:
Wuppertal: Ein Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen in modularer Bauweise (KfW 40 Plus) wurde mit 208 Infrarotheizgeräten, 110 kW PV und einem 50-kWh-Batteriespeicher ausgestattet. Eine vergleichbare Wärmepumpen-TGA hätte rund 350.000 Euro netto mehr gekostet. Die monatlichen Energiekosten für eine 49-m²-Wohnung lagen bei nur 46,50 Euro für Heizen, Warmwasser und Hausstrom.
Karlstadt: 14 Gebäude mit 40 Wohneinheiten für Geflüchtete wurden mit 206 Infrarotheizgeräten für rund 120.500 Euro ausgestattet – ein vergleichbares Quartiers-Wärmepumpensystem hätte zwischen 676.000 und 852.000 Euro gekostet.
Vallendar: Ein saniertes Einfamilienhaus aus dem Jahr 1920 erhielt statt einer kalkulierten Wärmepumpen-TGA für 78.000 Euro ein Infrarot-PV-Paket für 40.250 Euro.
PV plus Infrarot als solarelektrischer Königsweg
Ideal sei die Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher, um Gebäude so weit wie möglich solarelektrisch zu versorgen, so der Konsens der Konferenz. Chefredakteur Heiko Schwarzburger (photovoltaik) plädierte für das Konzept der solarelektrischen Vollversorgung und hob die Vorteile der Infrarotheizung hervor: einfache Installation, lange Lebensdauer, kein aufwändiges Hydrauliksystem und gute Automatisierbarkeit der Fertigung.
Neues Konzept: Pauschalmiete inklusive Energie
Ein innovatives Modell präsentierte Lars Keussen mit „Energy Flat Living": Bezahlbarer Wohnraum in Großstädten zu einer Pauschalmiete von 12,50 Euro je Quadratmeter inklusive aller Energie- und Nebenkosten – finanziert über ESG Bonds, ohne Fördermittel. Große PV-Anlagen sollen mehr als 50 Prozent des Energiebedarfs decken, Infrarotheizungen aufwändige Verrohrung ersetzen.
Konferenz-Fazit von Uwe Lucht, Vorstand der IG Infrarot Deutschland: „Die Konferenz hat gezeigt, dass die Infrarotheiztechnik durch einfache, platzsparende Technik, Bezahlbarkeit und sinnvolle Einsatzmöglichkeiten punktet. Das ist nun auch in anderen Branchen angekommen."
Die nächste Konferenz der IG Infrarot Deutschland findet am 15. April 2027 im Hotel Rebstock in Würzburg statt.
