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Legionellen bei hohen Temperaturen: Sind die geltenden Grenzwerte sicher?

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Um das Wachstum von Legionellen in Trinkwasser-Installationen einzudämmen, fordern Normen ausreichend hohe Temperaturen für Warmwasser und genügend tiefe Temperaturen für Kaltwasser. Eine Studie aus einem spezialisierten Forschungslabor der Universität Zürich hat nun systematisch untersucht, wie sich Legionellen unter Wärmeeinwirkung verhalten. 

Was ist der VBNC-Zustand?

Bereits seit den späten 1990er-Jahren ist bekannt: Hohe Temperaturen können Legionellen in einen Zustand versetzen, in dem sie lebend, aber nicht mehr kultivierbar (Viable But Non-Culturable) sind. Die Bakterien zeigen weiterhin Stoffwechsel und besitzen eine intakte Zellhülle, lassen sich aber mit den in der Sanitärbranche üblichen Kultivierungsmethoden nicht mehr nachweisen. Bisher gab es Sorgen, dass diese Bakterien:

  • bei sinkenden Temperaturen wieder vermehrungsfähig werden könnten
  • weiterhin krankmachendes Potenzial besitzen
  • das Kontaminationsrisiko verschleiern, da sie im Labor nicht erfasst werden

Die wichtigsten Studienergebnisse

Zeit bis zum Erreichen des VBNC-Zustands (auch bei extrem hoher Legionellen-Konzentration):

  • bei 50 °C: ca. 30 Stunden
  • bei 55 °C: ca. 5 Stunden
  • bei 60 °C: ca. 30 Minuten 

Bei 50 °C dauert es also rund 60-mal länger als bei 60 °C. In realen Trinkwasser-Installationen mit deutlich geringeren Konzentrationen geht es in der Regel schneller.

Zentrale neue Erkenntnisse:

  • Unter realistischen Bedingungen kehrten Legionellen aus dem VBNC-Zustand nicht in einen vermehrungsfähigen Zustand zurück – auch nicht bei Absenkung auf 30 °C.
  • Im VBNC-Zustand werden Legionellen nicht mehr effizient von Amöben oder Makrophagen aufgenommen. Damit fehlt der entscheidende Mechanismus, um Lungenzellen zu infizieren und die Legionärskrankheit auszulösen.
Das Diagramm veranschaulicht den Unterschied im Verhalten von Legionellen mit und ohne Vorbehandlung anhand ihrer Interaktion mit Amöben im zeitlichen Verlauf.
Geberit: Werden Legionellen während 30 Minuten einer Temperatur von 60 °C ausgesetzt, nehmen sie den VBNC-Zustand ein. Danach sind sie nicht mehr in der Lage, Amöben zu infizieren. Auch eine Ansteckung des Menschen erscheint deshalb unwahrscheinlich.

Bedeutung für die Praxis


Für Sanitärplaner, Installateure und Betreiber von Trinkwasser-Installationen lassen sich drei zentrale Punkte ableiten:

  1. Geltende Temperaturrichtlinien sind bestätigt: Mindestens 55 bzw. 60 °C für Warmwasser reichen aus, um das Legionellenrisiko wesentlich zu reduzieren.
  2. Vom VBNC-Zustand geht wahrscheinlich keine Gefahr aus: Eine Rückkehr in vermehrungsfähige Bakterien ist unter realitätsnahen Bedingungen sehr unwahrscheinlich, der Infektionsmechanismus ist ausgeschaltet.
  3. Herkömmliche Nachweismethoden bleiben praxistauglich: Auch wenn VBNC-Legionellen kulturell nicht erfasst werden, stellen sie offenbar kein relevantes Restrisiko dar.
     

Einordnung: Labor versus Gebäudepraxis

Wichtig bei der Bewertung: Die Studie basiert auf vielfach wiederholten Messungen unter kontrollierten Laborbedingungen. Die Übertragung auf reale Trinkwasser-Installationen sollte mit Bedacht erfolgen – Stagnationsvermeidung und sorgfältige Temperaturkontrolle bleiben unverzichtbare Pflichtaufgaben in Planung und Betrieb.

Fazit: Die Studie liefert ein starkes Argument für die konsequente Einhaltung der Temperaturvorgaben – und entkräftet zugleich verbreitete Sorgen rund um den VBNC-Zustand. Wer die Hintergründe, die verwendeten Analysemethoden und die zitierten Vorgängerstudien vertiefen möchte, findet im vollständigen Fachbeitrag der SBZ weitere Details.

👉 Zum vollständigen Beitrag in SBZ Ausgabe 05-2026

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