Wohnatlas zeigt Aufpreise für energieeffiziente Wohnungen
Hohe Energiepreise und die EU-Gebäuderichtlinie erhöhen die Bedeutung energieeffizienter Wohnungen. Die Richtlinie soll den durchschnittlichen Primärenergieverbrauch von Wohngebäuden bis 2030 um 16 Prozent und bis 2035 um 20 bis 22 Prozent senken. Für den „Postbank Wohnatlas 2026“ hat das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) bundesweit Angebote von Eigentumswohnungen im Bestand und Neubau mit ausgewiesener Energieeffizienzklasse ausgewertet.
62 Regionen bieten viele Effizienzwohnungen
Als energieeffizient bewertet die Studie die Klassen A+, A, B, C und D. Über alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte liegt ihr Anteil bei 35 Prozent. Landkreise und die sieben größten Metropolen kommen jeweils auf 35,8 Prozent, kreisfreie Mittelstädte auf 33,5 Prozent. In 62 Regionen beträgt der Anteil mindestens 42,5 Prozent. Potsdam-Mittelmark führt mit 54,7 Prozent vor Plön mit 53,3 Prozent und Börde mit 52,9 Prozent. In 92 Regionen bleibt der Anteil unter 30 Prozent. Görlitz bildet mit 13,3 Prozent das Schlusslicht, Frankfurt (Oder) folgt mit 17,7 Prozent.
„Der Wohnatlas zeigt, wo Kaufinteressierte aus einem breiten Angebot an effizienten Eigentumswohnungen auswählen können. Der Vorteil liegt dabei nicht nur in den geringeren Heizkosten: Energieeffiziente Gebäude sind stabiler im Wert und schützen vor den Folgen künftiger Sanierungspflichten“, erklärt Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien der Privatkundenbank in Deutschland.
Trier führt unter Großstädten
Unter den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt Trier mit 49,1 Prozent auf Platz eins. Dahinter folgen Jena mit 48,9 Prozent, Erlangen mit 47,0 Prozent und Rostock mit 46,2 Prozent. Chemnitz, Erfurt und Bochum verbinden hohe Anteile mit vergleichsweise moderaten Quadratmeterpreisen.
Hamburg verlangt den höchsten Effizienz-Aufpreis
Für 2025 angebotene Eigentumswohnungen in den sieben größten Metropolen weist die Studie für Wohnungen mit Effizienzklasse D oder besser im Durchschnitt 6.711 Euro pro Quadratmeter aus. Angebote der Klassen E bis H sind im Schnitt 1.337 Euro günstiger. Den höchsten Aufschlag verzeichnet Hamburg: Dort kosten Wohnungen mit Effizienzklasse D oder besser im Durchschnitt 7.558 Euro pro Quadratmeter und damit 1.893 Euro mehr als Angebote der Klassen E bis H. München folgt mit 1.720 Euro, Stuttgart weist mit 772 Euro die geringste Differenz aus. In Frankfurt am Main kostet Energieeffizienz 29 Prozent mehr.
„In Regionen, wo die Preiseaufschläge für energieeffiziente Eigentumswohnungen sehr hoch sind, kann sich die Sanierung einer älteren oder weniger effizienten Immobilie lohnen“, sagt Beermann. „Ob der gesparte Aufpreis durch die Sanierungskosten aufgefressen wird, entscheiden im Einzelfall mehrere Faktoren.“ Beermann nennt Rücklagen, Alter der Heizungsanlagen, Sanierungsbedarf und Zahl der Wohneinheiten.
Miesbach markiert den Höchstwert
Außerhalb der Metropolen liegen in 83 Regionen die Preisaufschläge für Wohnungen der Klassen D und besser bei mindestens 1.000 Euro pro Quadratmeter. Den höchsten Wert erreicht der Landkreis Miesbach mit 3.133 Euro. Hohe Aufschläge zeigen auch Garmisch-Partenkirchen mit 2.239 Euro und Schleswig-Flensburg mit 2.130 Euro. In 66 Regionen bleibt der Aufschlag unter 400 Euro, in zwölf Regionen sind effizientere Wohnungen sogar günstiger. Im Landkreis Aurich liegt der Durchschnittspreis um 868 Euro pro Quadratmeter unter dem für Angebote der Klassen E bis H. In Meißen und im Vogtlandkreis liegen beide Segmente im Schnitt etwa gleichauf.
„Energieeffizienz ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen jetzt noch wichtiger bei der Wahl einer Immobilie. Doch sie darf nie das einzige Entscheidungskriterium sein. In einigen Regionen ist schlicht das Angebot solcher Wohnungen sehr gering. Oder die Lage und Ausstattung der energieeffizienten Wohnung hat Nachteile oder passt nicht zu den persönlichen Anforderungen“, resümiert Beermann.
Einteilung der Bauten in Deutschland nach Endenergieverbrauch
Sehr gute bis durchschnittliche Energieeffizienz:
- Energieeffizienzklasse A+ mit weniger als 30 kWh/m² (Passivhaus, KfW-Effizienzhaus 40), sehr energiesparend.
- Energieeffizienzklasse A mit 30 bis 50 kWh/m² (Niedrigenergiehaus, KfW-Effizienzhaus 55), geringe Betriebskosten.
- Energieeffizienzklasse B mit 50 bis 75 kWh/m² (normale Neubauten), gute Effizienz.
- Energieeffizienzklasse C mit 75 bis 100 kWh/m² (Mindestanforderung Neubau), durchschnittliche Betriebskosten.
- Energieeffizienzklasse D mit 100 bis 130 kWh/m² (gut sanierte Bestandsbauten), leicht erhöhter Energieverbrauch.
Unterdurchschnittliche bis sehr schlechte Energieeffizienz:
- Energieeffizienzklasse E mit 130 bis 160 kWh/m² (sanierte Altbauten), geringe Energieeffizienz.
- Energieeffizienzklasse F mit 160 bis 200 kWh/m² (sanierte Altbauten), hoher Energieverbrauch.
- Energieeffizienzklasse G mit 200 bis 250 kWh/m² (teilweise sanierte Altbauten), sehr hoher Energieverbrauch.
- Energieeffizienzklasse H ab 250 kWh/m² (unsanierte oder sehr schlecht gedämmte Bauten), extrem hoher Verbrauch.
