Ausbildung: ZDH lehnt Umlage ab und fordert mehr Mittel

Zur Veröffentlichung des Ausbildungsreports 2026 der DGB-Jugend am 20. August 2026 ordnet der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die Lage der handwerklichen Ausbildung ein. Der Verband verweist auf im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr neu abgeschlossene Verträge im Handwerk im ersten Halbjahr 2026, nennt aber auch Passungsprobleme und fordert mehr Unterstützung für junge Menschen bei Wohnen, Mobilität sowie für die Bildungsstätten des Handwerks.
ZDH hebt Verträge und Zufriedenheit hervor
ZDH- Generalsekretär Holger Schwannecke erklärt: „Die im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegenen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk im ersten Halbjahr 2026 sprechen für die Attraktivität der dualen Ausbildung und die guten beruflichen Perspektiven, die sie jungen Menschen eröffnet.“
Der ZDH verweist zusätzlich auf eine im Juli veröffentlichte Studie: Darin gaben neun von zehn Auszubildenden an, mit ihrer Ausbildung im Betrieb zufrieden zu sein. Die große Mehrheit bescheinigte ihren Ausbilderinnen und Ausbildern umfassende Fachkenntnisse und die Fähigkeit, dieses Wissen gut und verständlich zu vermitteln.
Es bleiben offene Stellen
Doch es gäbe auch Herausforderungen, betont Schwannecke. „Zunehmend kommen Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit erheblichen Lücken bei Grundkompetenzen und Sprachkenntnissen in die Ausbildung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen der Berufsbilder.“ Handwerksbetriebe übernehmen aus Sicht des ZDH bereits viel Verantwortung und unterstützen junge Menschen vielfach weit über die eigentliche Ausbildung hinaus. Zugleich bleiben gerade in kleinen Betrieben zu viele Ausbildungsplätze wegen fehlender Bewerbungen unbesetzt.
Der ZDH fordert deshalb eine gute Berufsorientierung, die Förderung von Grund- und Sprachkompetenzen sowie Instrumente, die Jugendliche und Betriebe zusammenbringen. Dazu zählt das Programm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“, das Betriebe bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen unterstützt und Jugendliche und Betriebe zusammenbringt. Doch dieses soll nicht weitergeführt werden: „Dass ausgerechnet dieses bewährte Angebot Ende 2027 auslaufen soll, obwohl die Passungsprobleme fortbestehen, ist daher der falsche Weg und kontraproduktiv,“ warnt Schwannecke.
Verband verlangt Wohnraum und Mobilität
Der ZDH verknüpft den Ausbildungsstart auch mit den Kosten für Wohnen und Wege. Schwannecke erklärt: „Für viele junge Menschen entscheidet sich schon an der Frage, ob sie eine Wohnung am Ausbildungsort finanzieren und sich den täglichen Weg zum Betrieb oder zur Berufsschule leisten können, ob sie eine Ausbildung antreten können.“ Er betont: „Wer die Fachkräfte von morgen gewinnen will, muss sie daher unterstützen und sicherstellen, dass sie ihre Ausbildung ohne finanzielle Not absolvieren können.“
Der ZDH fordert bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen in der Ausbildung, das bedeutet mehr Azubi-Wohnheime und gezielte Wohnkostenzuschüsse. Ebenso verlangt der Verband eine für Auszubildende bezahlbare Mobilität, etwa durch ein bundesweit verlässliches, vergünstigtes Ticket für Auszubildende.
ZDH lehnt Umlage ab und fordert Übergangshilfen
Die vom DGB geforderte Ausbildungsumlage weist der ZDH zurück: „Eine Ausbildungsumlage, wie sie der DGB fordert, ist abzulehnen. Sie bietet für keine der bestehenden Herausforderungen einen überzeugenden Lösungsansatz und würde die Betriebe in einer ohnehin schwierigen Phase mit an vielen Stellen zunehmenden Belastungen zusätzlich belasten“, erläutert Schwannecke.
Der ZDH verlangt stattdessen gezielte Maßnahmen am Übergang von der Schule in Ausbildung und zur Behebung von Passungsproblemen. Dazu zählen eine Stärkung der Berufsorientierung, insbesondere in der gymnasialen Oberstufe, eine intensive Förderung von Grund- und Sprachkompetenzen sowie ein besseres Matching auf dem Ausbildungsmarkt.
Es braucht Mittel für Bildungsstätten
Zur verlässlichen Unterstützung der Betriebe gehöre auch die Finanzierung der handwerklichen Bildungsstätten. Schwannecke führt aus: „Betriebe müssen bei ihrer Ausbildungsleistung verlässlich unterstützt werden. Dazu gehört auch eine angemessene Finanzierung der handwerklichen Bildungsstätten, den Hochschulen des Handwerks. Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, die in diesen Bildungsstätten stattfindet, ist ein unverzichtbarer Bestandteil des dualen Systems.“
Schwannecke appelliert: „Wer das hohe Ausbildungsengagement des Handwerks erhalten und weiterentwickeln will, muss dafür auch die notwendigen Mittel bereitstellen. Die berufliche Bildung darf bei der Ausstattung ihrer Bildungsstätten nicht dauerhaft in einer so deutlichen Schieflage gegenüber den Ausstattungszuwendungen für die Hochschulen bleiben.“
Er empfiehlt: „Antworten auf die strukturellen Herausforderungen in der beruflichen Bildung müssen jetzt in der Allianz für Aus- und Weiterbildung lösungsorientiert vorangebracht werden.“
