Infrarotheizungen als Alternative zu Öl und Gas im Bestand

Der Heizspiegel 2026 der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online zeigt für Haushalte mit Öl- und Gasheizungen steigende Kosten in diesem Jahr und in den kommenden Jahren. IG Infrarot Deutschland e.V. empfiehlt deshalb, im Bestand schrittweise auf elektrisches Heizen umzustellen. Christoph Weiland, Vorstand des Branchenverbandes, sagt: „Infrarotheizungen können bestehende Heizsysteme ersetzen oder ergänzen. Auf die Weise helfen sie Eigentümern, ihre Abhängigkeit von Öl und Gas schrittweise zu verringern.“
Weiland rät zur Planung
Für die Umstellung empfiehlt der Verband ein planvolles Vorgehen. Weiland sagt: „Wir empfehlen, zunächst zu überlegen, wie man langfristig heizen möchte. Außerdem gilt es zu entscheiden, wann die Installation der ersten Infrarotheizgeräte sinnvoll ist.“ Stehen Renovierung oder Sanierung an, können Räume bei dieser Gelegenheit mit Infrarotheizungen ausgestattet werden. Eine Photovoltaikanlage kann unabhängig davon angeschafft werden.
IG Infrarot beschreibt für die Kombination mit einer Gas- oder Ölheizung eine Grundtemperatur von 17°C. Infrarotheizungen decken dann die Spitzenlast ab. Für das Badezimmer nennt der Verband 24°C. Im Kinderzimmer steigt die Temperatur, wenn das Kind aus der Schule kommt. Im Schlafzimmer entsteht der Bedarf vor allem am Morgen und am Abend. Die Geräte lassen sich zeitgesteuert und mit Thermostaten regeln. Weiland sagt: „Wir empfehlen Kunden, das Infrarotheizsystem nach der kompletten Heizlast auszulegen, auch wenn anfänglich nur die Spitzenlasten in einzelnen Räumen abgedeckt werden“. In den Übergangszeiten kann die fossile Raumheizung komplett abgeschaltet werden. Fällt sie aus, kann der gesamte Wärmebedarf trotzdem gedeckt werden. In den übrigen Fällen erreicht die höhere Leistung die Komfort-Temperatur in wenigen Minuten.
GModG setzt Vorgaben
IG Infrarot Deutschland verweist weiterhin auf das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Stromdirektheizungen inklusive Infrarotheizungen nennt das GModG als technische Option zum Heizen. In bestehenden Wohngebäuden dürfen Stromdirektheizungen eingebaut werden, wenn der bauliche Wärmeschutz mindestens 30 Prozent besser ist, als es die Anforderungen in §§ 16 und 19 GModG verlangen. Für selbst bewohnte Ein- und Zweifamilienhäuser gilt diese Einschränkung nicht. Sie gilt auch nicht für den Austausch von bestehenden Einzelraum-Stromdirektheizungen.
Der Verband nennt zudem § 102 Abs. 1 Nr. 1 GModG. Auf Antrag ist dort eine Befreiung von einzelnen gesetzlichen Anforderungen möglich. Voraussetzung ist, dass andere Maßnahmen die Ziele des Gesetzes im gleichen Umfang erreichen. Dabei ist der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit zu beachten.
Studien prüfen den Hybridbetrieb
Für ältere Objekte nennt IG Infrarot Deutschland ein Hybridsystem aus Öl- oder Gasheizung und Infrarotheizungen. Der Verband ließ die Betriebsweise in zwei Studien der Technischen Universität Dresden aus den Jahren 2023 und 2024 untersuchen. 2024 verglich das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Zwillingshäusern den Endenergieverbrauch eines Einfamilienhauses mit Gasbrennwertheizung und eines mit Infrarotheizungen. Die Abschlussberichte stehen auf der Website von IG Infrarot.
co2online erwartet höhere Kosten
Für die Entwicklung der Heizkosten verweist IG Infrarot Deutschland auf den Heizspiegel 2026. Auf der Website von co2online heißt es: „Während einzelne Energiepreise von Jahr zu Jahr schwanken, zeigt die langfristige Entwicklung eine klare Richtung: Heizen mit fossilen Energien wird voraussichtlich immer teurer“. Dort heißt es weiter, bis 2045 könnten sich die Heizkosten für Gas- und Ölheizungen mehr als verdoppeln. co2online nennt steigende CO2-Kosten, höhere Netzentgelte und die „Bio-Treppe“ im Gebäudemodernisierungsgesetz als Ursachen.
Weiland sagt: „Aktuell erleben wir einen drastischen Anstieg der Preise für Heizöl, und bei den Vergleichsportalen sind die Preise für die Kilowattstunde Gas aktuell von rund 9 Cent auf 13 Cent und mehr bei Laufzeitverträgen angestiegen“. Eine sichere Prognose für die künftige Strompreisentwicklung sieht IG Infrarot Deutschland wegen der vielen Preisbestandteile nicht. Der Verband geht zugleich davon aus, dass die Erzeugung günstiger wird, weil mehr Wind- und Solarstrom in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. IG Infrarot Deutschland geht deshalb von einer moderateren Preisentwicklung aus als bei fossilen Brennstoffen. Deren Kosten werden nach Einschätzung des Verbands auch wegen geopolitischer Konflikte unberechenbarer. Weiland ergänzt: „Und wer eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach hat, profitiert ohnehin von niedrigen Strompreisen“. Infrarotheizungen können nach Darstellung des Verbands dazu beitragen, mehr Solarstrom selbst zu verbrauchen. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit der Anlage.

