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Droht der "Reiche-Knick"? Unsicherheit und Insolvenzen gefährden die Photovoltaik-Branche

Martin Schachinger
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Fragt man die meisten Photovoltaik-Installateure in Deutschland, sind sie mit dem Geschäftsjahr 2026 im Allgemeinen zufrieden, manche reden sogar vom besten Jahr seit Langem. Auf der anderen Seite liest man immer häufiger von Insolvenzen sehr großer Solarfirmen – Enerparc aus dem Bereich der Projektentwickler, RCT Power aus der Sparte der Hersteller sind nur die prominentesten Beispiele hierzulande. Diese Meldungen schockieren, zumal sie die älteren Hasen in der Branche an die Zeit um 2012 bis 2014 erinnern, als nach drei sehr guten Jahren in Folge durch einen Förderungskahlschlag, verantwortet durch den damaligen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), weit über die Hälfte aller deutschen Firmen in Schwierigkeiten geriet und früher oder später aufgeben musste. Den „Altmaier-Knick“ hat damals jemand die Entwicklung der Installationszahlen genannt. Werden wir es also bald mit dem „Reiche-Knick“ zu tun haben?

Auf der Seite der Modulpreise gibt es momentan keine besonderen Vorkommnisse. Die Kosten für Photovoltaik-Komponenten sinken moderat, auch wenn im Batterie-Bereich bereits die eine oder andere Preiserhöhung angekündigt wurde. Es bleibt abzuwarten, ob diese letztendlich auch durchgesetzt werden kann, beziehungsweise wie lange sie Bestand haben wird. Natürlich muss den hohen Energiekosten im fossilen Bereich und der schwierigen Liefersituation auf manchen Schiffsrouten nach Europa Rechnung getragen werden. Dennoch hängen die durchsetzbaren Preise immer mit Angebot und Nachfrage zusammen. Letztere ist im deutschen Markt zwar aktuell recht hoch – versierte Handwerksbetriebe haben volle Auftragsbücher bis zum Jahresende und nur noch wenige freie Slots für neue Aufträge. Auf der anderen Seite darf man sich durchaus fragen, wie lange diese angenehme Situation noch trägt, Stichwort „Reiche-Knick“.

Tabelle zur Preisentwicklung von vier kristallinen PV-Modultypen im September 2026, einschließlich prozentualer Veränderungen und kurzer Informationen zu den Technologien.

Vorzieh-Effekte verzerren den Markt

Noch sind die Gesetzesentwürfe nicht durch Bundestag und Bundesrat, aber es ist zu befürchten, dass es einige der für die Photovoltaik-Branche sehr ungünstigen Regelungen durch die Gremien schaffen und zu Gesetzen werden. Mit diversen Horror-Szenarien geht zumindest manche deutsche Solarfirma auf Kundenfang, wodurch sich die aktuell recht üppige Nachfrage erklären lässt. Jeder will seine Projekte noch in diesem Jahr und mit aktueller EEG-Unterstützung realisieren, bevor der wirtschaftliche Betrieb der Erzeugungsanlage bei späterer Inbetriebnahme vielleicht nicht mehr möglich ist. Dies muss, je nach gewähltem Geschäftsmodell zwar nicht zwingend der Fall sein, scheint aber die vorherrschende Meinung zu sein. Diese Vorzieh-Effekte dürften aber den Markt so weit verzerren, dass man durchaus schon von einer ungesunden Entwicklung sprechen muss.

EEG-Wegfall: Übergangslösungen müssen gut durchdacht sein

Das bekommen auch die oben angesprochenen Großprojektentwickler und Photovoltaik-Zulieferer zu spüren. Durch den partiellen Boom besteht ein hoher Finanzierungsbedarf, der allerdings dank der politisch tolerierten beziehungsweise provozierten Unsicherheit nicht oder nur unzureichend gedeckt werden kann. Banken agieren bei Neuanfragen mittlerweile beinahe übervorsichtig oder ziehen bei laufenden Finanzierungen die Daumenschrauben an. Die wegfallende Sicherheit durch das EEG als Fallback-Lösung führt ohne gut konstruierte Übergangslösungen zwangsläufig ins Verderben, das kann ich nicht oft genug wiederholen. Und diese intelligenten Lösungen sind in den vorliegenden Gesetzesentwürfen leider nur schwer erkennbar.

Sollte sich an den vorliegenden Gesetzesentwürfen – allen voran an der 50-Prozent-Kappung der Netzeinspeisung – in den kommenden Wochen nichts mehr ändern, werden die bereits kommunizierten Insolvenzfälle nur der Anfang einer erdrutschartigen Entwicklung sein, wie wir sie bisher nur aus der Altmaier-Ära kannten. Da helfen dann auch keine fallenden Komponentenpreise mehr. Sollte es 2027 wirklich zu dem befürchteten Markteinbruch kommen, werden nur diejenigen Unternehmen übrigbleiben, die flexibel genug sind, mit veränderten Geschäftsmodellen zu reüssieren. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und die gesamte CDU-geführte Regierung wird sich dann auf die Fahnen schreiben können, eine ganze Branche ein zweites Mal in die Knie gezwungen und damit der alten Energiewirtschaft die lästige Dezentralisierung vom Hals geschafft zu haben, die ihr ohnehin nur Arbeit macht und Gewinne kostet.

Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit mehr als 30 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die international bekannte Online-Handelsplattform pvXchange.com, über die Großhändler, Installateure und Servicefirmen neben allen Komponenten für Neuinstallationen auch Solarmodule und Wechselrichter beziehen können, welche nicht mehr hergestellt, aber für die Instandsetzung defekter Photovoltaik-Anlagen dringend benötigt werden.

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