76 Southbank: Denkmalgeschützter Gebäudekomplex energetisch saniert
An der Southbank am Südufer der Themse steht ein Gebäudekomplex, der auf Entwürfe des englischen Architekten Denys Lasdun zurückgeht. 1976 entstand dort das Royal National Theatre. 1983 folgte auf dem Nachbargrundstück das IBM-Marketing Center. Beide Bauten bilden ein spätbrutalistisches Ensemble mit horizontaler Linienführung, Sichtbetonoberflächen und markanten Betonkörpern.
Denkmalschutz sichert den Bestand
Nach dem Auszug von IBM drohte ein Teilabriss. Die Stadt London stellte das ehemalige IBM-Gebäude deshalb 2020 unter Denkmalschutz. Das Londoner Architekturbüro AHMM überarbeitete daraufhin sein Umbaukonzept. Ziel war eine Sanierung mit dem Erhalt von 80 Prozent der ursprünglichen Bausubstanz.
Die asymmetrische Struktur des Gebäudekomplexes wies im Norden und Süden versetzte Geschossebenen auf. So entstanden weite Terrassen. Zwei Innenhöfe sorgten für natürliche Belichtung der Büroetagen. Der Sockelbereich war mit braunen Ziegeln verkleidet. In den Obergeschossen prägten umlaufende Fensterbänder und Waschbetonbrüstungen das Bild. Auf dem Dach standen plastisch gestaltete Technikaufbauten in Betonoptik.
Planung vergrößert die Nutzfläche
Das Projekt 76 Southbank bündelte mehrere Ziele: Substanzerhalt, Wertsteigerung durch Sanierung und die denkmalschutzkonforme Wiederbelebung des Gebäudes. AHMM plante dafür eine behutsame Modernisierung. Nach einer CO2 armen Kernsanierung und einer energetischen Optimierung sollte die Nutzfläche durch ein Staffelgeschoss sowie Erweiterungen im Süden und Osten um 11.000 Quadratmeter wachsen.
Die neuen Büroflächen wurden hocheffizient ausgerüstet und flexibel gestaltet. Zugleich sollten die in der Bausubstanz gebundenen CO2 Emissionen und das Abfallaufkommen bei der Entkernung so weit wie möglich sinken. Dafür wurden alle Baumaterialien aus dem Bestand und für den Neubau auf ihren ökologischen Fußabdruck geprüft. Wo keine EPDs vorlagen, wurden Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgenommen.
Sanierung reduziert gebundenes CO2
Trotz Entkernung sowie Rückbau von Keller und Erdgeschoss blieben 80 Prozent der Betonstruktur erhalten. So wurden CO2 Emissionen durch Abriss vermieden. Mehr als 200 Fassadenteile aus Beton oder Granit mit bis zu 10 Tonnen Gewicht wurden zurückgebaut und zum Teil im Projekt, zum Teil an anderer Stelle wiederverwendet. Hinzu kamen 27.360 Bodenfliesen, 95 Tonnen Pflastersteine und 71 Tonnen Ziegelsteine.
Für die neue Konstruktion wurden Fundamente eingebracht und Betonstützen gesetzt. Dabei ersetzte Hüttensand 50 Prozent des Zements. Recycelte Stahlträger und Stahlstützen mit einem Gesamtgewicht von 42 Tonnen kamen ebenfalls zum Einsatz. Auch für den Hohlraumboden in den Büros wurde recycelter Stahl verwendet.
Das Ultra Low Carbon-Aluminium von Schüco hat im Vergleich zu Standardaluminium über 100 Tonnen CO2 Emissionen eingespart. Diese Einsparung entspricht der jährlichen CO2 Bindung von 425.000 Quadratmetern heimischem Wald.
Fassade verwendet Paneele erneut
Die Fassade macht einen beträchtlichen Teil des im Projekt gebundenen CO2 aus. 62 der denkmalgeschützten Fassadenpaneele und 20 Kernfassadenpaneele blieben erhalten und wurden beim Wiederaufbau wiederverwendet. Alle weiteren Fassadenelemente aus Beton wurden neu erstellt. Für die neuen Waschbetonplatten wurde Kies aus dem originären Steinbruch verwendet und in Handarbeit aufgebracht.
Schon während der Bestandsanalyse unterstützte Schüco das Fassadenbauunternehmen Dane Architectural durch projektspezifische EPDs über die Kalkulationssoftware SchüCal. Das diente der Analyse und Bewertung der Umweltauswirkungen der Fensterprofile.
Stephen Newell, National Specification Manager bei Schüco UK and Ireland, erklärt: „Wir haben die hohen Nachhaltigkeitsanforderungen durch die Bestellung unserer ULC-Aluminiumprofile mit extrem niedriger CO2 Bilanz umgesetzt. Diese Profile weisen ein Treibhauspotenzial von weniger als 1,99 kg CO2 e/kg Aluminium auf und bestehen zu mindestens 75 Prozent aus recyceltem Post-Consumer-Material.“
An der Fassade von 76 Southbank wurde das Pfosten-Riegel-Fassadensystem Schüco FWS 60.SI in der Variante mit aufgesetzter Abdeckleiste installiert. Das dafür bestellte Ultra Low Carbon/ULC-Aluminium trug zu einer Ersparnis von 100 Tonnen CO2 in der Ökobilanz bei.
Das Projekt wurde bereits zweifach ausgezeichnet. Begrünte Fassaden, Außenterrassen und ein neuer Eingangsbereich ergänzen den umgebauten Gebäudekomplex.
Bautafel
Objekt: 76 Southbank
Standort: 76 Southbank Upper Ground, London GB
Bauherr/Entwickler: Wolfe Commercial Properties Southbank Ltd., London/GB
Lieferant UK: Stanhope PLC, London/GB
Architekten: AHMM Allford Hall Monaghan Morris, London/GB
Bauunternehmen: Multiplex, London/GB
Fassadenbau: Dane Architectural Systems Holdings LTD, Newcastle upon Tyne/GB
Zertifizierungen: BREEAM Outstanding for Office and Excellent for Retail Space, Nabers Design for Performance Standard 5* Rating, EPC A, Well v2 Rating
Auszeichnungen: 2024 WAFX Award – Reuse, 2022 New London Award for Conservation
Fertigstellung: 2025
Verbaute Schüco Systeme:
Pfosten-Riegel-Fassade: Schüco FWS 50, FW 50+ SG, FWS 50.SI, FWS 60.SI
Fenster: Schüco AWS 70.HI
Türen: Schüco ADS 90.SI/PL.SI, AD UP 75
Elementfassade: Schüco USC 65
Sonnenschutz: Schüco ALB Großlamelle
Brandschutz: Schüco ADS 80 FR30
Gebäudeautomation: Zutrittsmanagement, Öffnungs- und Verschlussüberwachung (Magnetschalter)

