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Ist die Installation von Wärmepumpen zu aufwendig?

Dr. Nicholas Matten ist Geschäftsführer der Stiebel Eltron GmbH & Co. KG. Er verantwortet die Bereiche Vertrieb und Marketing.

Wärmepumpen haben einen festen Platz im Energiemix auf dem Weg zur Energiewende in Deutschland. Das sagt nicht zuletzt die sogenannte Agora-Studie. Bis zum Jahr 2030 sollen Millionen weiterer Anlagen installiert sein. Brechen jetzt goldene Zeiten an?

Dr. Nicholas Matten: Leider kommt das nicht ganz hin. Eine Aussage der Agora-Studie ist, dass bis zum Jahr 2030 in Deutschland fünf Millionen Wärmepumpen installiert sein müssten, damit das Klimaschutzziel erreicht werden kann. Es würde uns natürlich freuen, wenn da ein paar von Stiebel Eltron dabei sind, kein Thema. Die Zahl ist aber – und das ist Branchenkonsens im Bundesverband Wärmepumpe BWP und im Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie BDH – nicht realisierbar. Das ist bei der aktuellen Sanierungsquote definitiv nicht machbar.

Nehmen wir mal alle Euphorie heraus: Was ist denn real möglich?

BDH und BWP haben ein Szenario aufgestellt, nach dem im Jahr 2030 von einem installierten Bestand von ungefähr 2,4 Millionen Wärmepumpen in Deutschland ausgegangen wird. Aktuell sind rund 800.000 Heizungswärmepumpen in Betrieb. Etwa 1,6 Millionen Anlagen müssten also in den nächsten zwölf Jahren ins Feld gebracht werden. Einfach gemittelt bedeutet das 133.000 pro Jahr. Aktuell haben wir rund 66.000. Da wäre eine Verdoppelung erforderlich, das halten wir für machbar. Besonders, wenn die Rahmenbedingungen durch die Politik sinnvoll gesetzt werden.

Auf diesen „Durchbruch“ wartet die Branche doch schon seit Jahren. Was macht Sie denn so optimistisch, warum sollte der Absatz sich verdoppeln?

Die Wärmepumpe als Wärmeerzeuger im Neubau hat sich als führendes Medium durchgesetzt. Sie hat es aber noch nicht in die Sanierung geschafft. Um die allgemeinen Klimaschutzziele zu erreichen, ist es ganz entscheidend, dass man in das Geschäftsfeld besser reinkommt. Deswegen kann man jetzt das rechnerische Szenario vom BDH und BWP mit den 2,4 Millionen installierten Geräten bis 2030 noch nicht in einen Kontext bringen mit der Verdopplung. Dazu müssten zudem bessere ordnungspolitische Voraussetzungen gegeben sein, staatliche Anreize zum Beispiel.

Wie werden die aussehen?

Im Großen und Ganzen läuft es vermutlich darauf hinaus, dass steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für die energetische Gebäudesanierung geschaffen werden. Ob das jetzt allein die Hülle betrifft oder die Heizung oder eben Hülle plus Austausch der Heizung durch eine umweltfreundlichere Technik, da gibt es in Deutschland sehr unterschiedliche Auffassungen, wie die steuerlichen Anreize ausgestaltet sein sollten. Darüber hinaus ist eine faire Energiepreisgestaltung eminent wichtig: Es kann nicht sein, dass der Strom alleine die Kosten der Energiewende tragen muss. Ganz im Gegenteil müssen fossile Brennstoffe einbezogen werden – beispielsweise über eine CO2-Steuer. Gleichzeitig muss der Strompreis merklich gesenkt werden.

Was müsste sich anlagentechnisch verbessern?

Zum einen hat die Entwicklung in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass die Geräte robuster, leistungsfähiger und leiser geworden sind. Die Wärmepumpe, die vor 40 Jahren noch ein Manufakturprodukt war, ist heute ein industrialisiertes Serienprodukt.

Der weitere Weg ist jetzt, die Geräte einfacher zu machen. Wir als Industrie müssen daran arbeiten, dass die Geräte mit weniger Aufwand installiert werden können. Das bedeutet, dass das Produkt weiter standardisiert werden muss. Der Umgang damit muss ein Stück weit so alltäglich werden wie mit einer Gastherme. Wenn also ein Bestandsbau umgerüstet wird auf eine Wärmepumpe, dann sollte dieser Schritt einfach weniger Aufwand, weniger Arbeitsstunden bedeuten. Die Modernisierung darf nicht zu viel „Manpower“ binden. Dann hätten wir auch gleichzeitig das Thema Kapazitätsengpass ein Stück weit wieder kompensiert.

Trotzdem, eine Wärmepumpe ist in der Regel aufwendiger zu planen, zu berechnen und zu installieren. Das lässt sich doch nicht mal eben so vereinfachen.

Nehmen Sie zum Beispiel die Geräte der neuen Generation, die mit Inverter-Technologie ausgestattet sind. Die können problemlos einen großen Leistungsbereich abdecken. Sie müssen bei der Auslegung nicht mehr spitz rechnen und die Maschine auf genau den einen Leistungspunkt hin ausrichten. Die Maschinen werden dadurch vielseitiger einsetzbar.

Aber reicht das aus?

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Vereinfachung sind integrierte Systeme. Wir haben dann zum Beispiel integrierte Speichersysteme, bei denen Warmwasserspeicher, Heizungspufferspeicher und Umwälzpumpe in einem Gerät verbaut sind. Damit fällt viel individuelle Verrohrungsarbeit im Keller weg, die Installationszeit für den Handwerker wird kürzer.

Das mag bei Standardanwendungen funktionieren. Aber darüber hinaus bleibt die Wärmepumpe doch ein „Zeitfresser“, oder?

Nein, das ist sie nicht. Aber es wäre schon erforderlich, dass das Wissen um die Systematik und Anlagentechnik im Handwerk auf eine breitere Basis gestellt wird. Natürlich haben wir bereits ein hohes Ausbildungsniveau im Handwerk – aber der Ausbildungsschwerpunkt sollte sich ändern: mehr erneuerbare Energien schulen, weniger Gas und Öl. Außerdem müsste das Thema Steuerung in der Zukunft stärker Berücksichtigung finden. Wer als Handwerksunternehmer gut geschultes Personal hat und regelmäßig mit Wärmepumpensystemen arbeitet, spricht nicht von einem „Zeitfresser“.

Wie stehen Sie bzw. Stiebel Eltron eigentlich zum Thema Hybridlösungen im Bestand? Also, dass zum Beispiel eine alte Gas- oder Ölanlage mit einer neuen Wärmepumpe kombiniert und verschaltet wird, um je nach Bedarfsfall die Wärmeenergie zu erzeugen?

Das halten wir durchaus für sinnvoll. Weil es auch hilft, die Klimaschutzziele zu erreichen. Ich glaube, dass die Industrie verstärkt in die Richtung gehen muss und wird. Wie wir übrigens auch glauben, dass das Thema dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung an Bedeutung zunimmt. Da entsteht für Handwerker bei der energetischen Modernisierung ein lohnenswertes neues Geschäftsfeld. Das lässt sich gut beim Kunden positionieren.

Inwiefern?

Das Thema dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung ist mit relativ wenig Aufwand, aber hohem Nutzen für den Endkunden umsetzbar. Die Argumentation fällt da leicht, Stichworte: Energieeinsparung und Rückhalten von Feinstaub- und anderen Kleinpartikeln.

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