Flusswasser heizt Gießen: Großwärmepumpen machen Lahn zur Wärmequelle

Die Stadtwerke Gießen realisieren eines der ambitioniertesten kommunalen Wärmeprojekte Deutschlands. Im Pilotprojekt „PowerLahn" werden drei Sabroe DualPAC-Großwärmepumpen von Johnson Controls Wärmeenergie aus der Lahn gewinnen und in das lokale Fernwärmenetz einspeisen. Mitte 2026 soll die Anlage den Betrieb aufnehmen.
Lahn als Wärmequelle für tausende Haushalte
Das Funktionsprinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Flusswasser aus der Lahn wird über den Verdampfer der Wärmepumpen geleitet und mit leicht verringerter Temperatur wieder zurückgeführt. Die dabei gewonnene Wärme speist das bestehende Fernwärmenetz. Pro Jahr sollen die drei Anlagen rund 29.000 MWh Wärme erzeugen – genug für die emissionsfreie Versorgung von rund 3.900 Haushalten.
Frank Elstermann, Leiter Energiewirtschaft bei Johnson Controls Deutschland, betont: „Das Projekt PowerLahn beweist, dass sich lokal verfügbare Umweltwärme mithilfe von industrieller Wärmepumpentechnologie effizient und praxisnah in bestehende Wärmenetze integrieren lässt."
Integriertes System aus Wärmepumpe, KWK und Power-to-Heat
PowerLahn ist mehr als ein Wärmepumpenprojekt. Das staatlich geförderte innovative Kraft-Wärme-Kopplungssystem (iKWK) verbindet die drei Großwärmepumpen mit zwei KWK-Anlagen und einem Power-to-Heat-Modul. In den wärmeren Monaten decken die Wärmepumpen den Grundlastbedarf, bei sinkenden Flusstemperaturen springen die KWK-Anlagen ein. Das Power-to-Heat-Modul wandelt überschüssigen Strom aus Wind- und Solarenergie in Wärme um und stabilisiert damit gleichzeitig das Stromnetz.
Das Gesamtsystem soll jährlich rund 50.000 MWh Wärme und 47.000 MWh Strom erzeugen und einen Gesamtwirkungsgrad von 95 Prozent erreichen. Matthias Funk, Technischer Vorstand der Stadtwerke Gießen, fasst zusammen: „Bei PowerLahn greifen wir auf lokale, regenerative Energiequellen zurück und kombinieren innovative Wärmepumpentechnologie, Kraft-Wärme-Kopplung und Power-to-Heat auf sehr wirtschaftliche und nachhaltige Weise."
Ammoniak statt F-Gase
Die eingesetzten Sabroe DualPAC-Maschinen wurden speziell für Fernwärmeanwendungen mit hohem Leistungsbedarf entwickelt. Besonderheit: Als Kältemittel kommt Ammoniak (R717) zum Einsatz – ein natürliches Kältemittel, das nicht unter die F-Gas-Verordnung fällt und langfristige Nachhaltigkeitsziele unterstützt. Ein zweistufiges Kompressionssystem ohne leistungsmindernden Zwischenwärmetauscher sowie ein integrierter Mitteldruckbehälter sorgen für hohe Effizienz und reduzierten Kältemittelbedarf.
