Elektroauto erreicht den Massenmarkt: Chinesische Hersteller und Tesla gewinnen Anteile

Das Center of Automotive Management (CAM) hat die Pkw-Neuzulassungen in Deutschland von Januar bis September 2026 ausgewertet. Die Elektromobilität wechselt von der Nische in den Massenmarkt. Damit verschieben sich die Kräfteverhältnisse zwischen den Automobilherstellern. In den ersten neun Monaten wurden 2.221.798 Pkw neu zugelassen. Das sind 5,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Chinesische Hersteller ziehen mit japanischen gleich
Der Volkswagen-Konzern bleibt mit weitem Abstand Marktführer. Sein Marktanteil sinkt von 41,7 auf 39,5 Prozent, das Absatzvolumen um 0,4 Prozent. Die Kernmarke VW verliert 5,7 Prozent, Skoda legt um 12,8 Prozent zu.
Die chinesischen Hersteller steigern ihren gemeinsamen Marktanteil um 2,4 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent. Mit 148.102 Neuzulassungen liegen sie nahezu gleichauf mit den japanischen Herstellern (148.403). BYD erreicht 42.788 Pkw (+262 Prozent) und überholt damit Volvo mit 38.454 Neuzulassungen. MG, Leapmotor und Xpeng legen ebenfalls deutlich zu. Tesla verdreifacht seine Neuzulassungen auf 44.810 Pkw (+202 Prozent) und liegt damit vor BYD.
Etablierte Hersteller entwickeln sich uneinheitlich
Stellantis bleibt zweitgrößter Anbieter und erhöht seinen Marktanteil leicht auf 11,6 Prozent (+0,2 Prozentpunkte). Dazu tragen vor allem Opel als absatzstärkste Marke (+6,1 Prozent) und Fiat (+22,1 Prozent) bei. BMW gewinnt 0,2 Prozentpunkte hinzu und kommt auf 10,0 Prozent. Mercedes steigert den Absatz um 2 Prozent, verliert aber leicht Marktanteile (8,8 Prozent; -0,3 Prozentpunkte).
Die japanischen Hersteller verlieren deutlich. Ihr Marktanteil sinkt von 7,7 auf 6,7 Prozent, das Absatzvolumen um 8,6 Prozent. Toyota verzeichnet als volumenstärkster Anbieter ein Minus von 19,2 Prozent. Mazda wächst dagegen um 22,8 Prozent. Hyundai und Kia stabilisieren ihren Marktanteil bei 5,6 Prozent. Die Renault-Gruppe steigert ihren Anteil leicht auf 4,7 Prozent (+0,1 Prozentpunkte), getragen von der Kernmarke Renault (+19,5 Prozent). Ford büßt 10,1 Prozent an Absatzvolumen ein.
Batterieelektrische Pkw übertreffen bereits das Vorjahr
Von Januar bis September 2026 wurden 604.144 batterieelektrische Pkw (BEV) neu zugelassen. Das sind 58 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und bereits mehr als im gesamten Jahr 2025 (545.142). Ihr Anteil an den Neuzulassungen stieg von 18,1 auf 27,2 Prozent. Der monatliche BEV-Anteil kletterte von 22,0 Prozent im Januar auf 34,5 Prozent im September. Mit 88.599 Einheiten (+94,7 Prozent) war der September der zweitstärkste BEV-Monat überhaupt. Mehr Neuzulassungen gab es nur im Dezember 2022 (104.325). Damals zogen Käufer ihre Zulassungen vor der Kürzung des Umweltbonus vor.
Prof. Dr. Stefan Bratzel, Studienleiter am CAM, erläutert: „Getragen wird der Hochlauf vor allem vom deutlich breiteren Angebot attraktiver E-Modelle, aber auch von der staatlichen Förderung und den hohen Kraftstoffpreisen.“
Verbrennungsmotoren verlieren an Bedeutung
Der Marktanteil der Plug-in-Hybride (PHEV) stagniert bei rund 11 Prozent (Januar bis September: 11,1 Prozent). Im September wurden 27.861 PHEV neu zugelassen. Das entspricht einem Marktanteil von 10,8 Prozent. Gemeinsam kommen BEV und PHEV auf 45,4 Prozent der Pkw-Neuzulassungen.
Im September sanken die Neuzulassungen von Benzinern gegenüber dem Vorjahresmonat um 29,2 Prozent auf 44.632 Fahrzeuge. Bei Diesel-Pkw betrug der Rückgang 20,1 Prozent auf 23.058 Einheiten. Benzin und Diesel erreichen zusammen nur noch 26,4 Prozent und damit deutlich weniger als die BEV allein.
CAM erwartet bis zu 850.000 neue Elektroautos
Bratzel betont: „Zugleich verschieben sich die Kräfteverhältnisse nachhaltig: Tesla und die chinesischen Hersteller gewinnen mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis Marktanteile, viele etablierte Hersteller verlieren. Der Elektromarkt wächst – aber nicht automatisch für die deutschen Hersteller. Sie müssen den Hochlauf jetzt mit wettbewerbsfähigen Kosten und bezahlbaren Modellen in eigene Marktanteile und Skaleneffekte übersetzen. Wer hier nicht mithalten kann, gehört mittelfristig zu den Verlierern.“
