Mehr als jeder Zweite isst während des Ladevorgangs
Eine Befragung von Civey im Auftrag des Direktversicherers DA Direkt zeigt: Ladepausen verlängern den Aufenthalt an Rasthöfen und führen häufig zum Snacken. Während der Akku geladen wird, greifen viele Befragte zu einer Zwischenmahlzeit, um die Wartezeit zu überbrücken. Die Studie vergleicht zudem Annahmen von Verbrenner-Fahrern mit den Alltagserfahrungen von E-Auto-Besitzern.
Snacken, Einkaufen, Ausruhen: Wie E-Auto-Fahrer Ladezeit nutzen
Mehr als jeder zweite E-Auto-Fahrer gibt an, während des Ladevorgangs zu essen oder zu snacken. 31 Prozent erledigen Einkäufe oder Besorgungen, ein Viertel ruht sich aus oder hält ein Nickerchen. Nur 6 Prozent nutzen die Zeit für Bewegung. Ein möglicher Grund: An vielen Ladestationen fehlen Sanitäranlagen und Überdachungen zum Schutz vor Sonne und Regen.
Als Störfaktoren an öffentlichen Ladestationen nennen die Befragten vor allem unübersichtliche Preisstrukturen und Bezahlmöglichkeiten, zu wenige Schnellladesäulen (DC-Lader) sowie die geringe Aufenthaltsqualität vor Ort.
„Langeweile beim Laden macht offenbar hungrig. Und wenn das Umfeld ungemütlich und die Aufenthaltsqualität gering sind, wird im Auto gerne gesnackt – nicht selten zu viel, zu fett und zu süß. Das kann langfristig zu Übergewicht führen – und kurzfristig kann zu schwere Kost die Konzentrationsfähigkeit auf der Weiterfahrt negativ beeinflussen", sagt Silvia Künnemann, Leiterin Product & Customer Experience bei DA Direkt.
Reichweitenangst: Erwartung und Realität klaffen auseinander
Die praktische Erfahrung mit Elektroautos auf Langstrecken relativiert verbreitete Vorurteile. 86 Prozent der E-Auto-Fahrer empfinden einen Stopp von bis zu 20 Minuten als angenehm, sofern sie in dieser Zeit mindestens 200 Kilometer Reichweite nachladen. 35 Prozent bleiben auch bei bis zu 30 Minuten entspannt. Bei Verbrenner-Fahrern – für die die Frage hypothetisch ist – nennen 43 Prozent bereits 10 Minuten als Toleranzgrenze.
„Zwischen Erwartung und Wirklichkeit liegt Erfahrung und die alltägliche Praxis relativiert viele Vorurteile. E‑Fahrer akzeptieren längere Ladefenster, solange Ladetempo und Reichweitengewinn stimmen. Dann wird der Ladestopp zum planbaren Teil der Gesamtreisezeit, der mitunter als willkommene Pause akzeptiert wird", sagt Künnemann.
Ladeinfrastruktur: Bewertung fällt gemischt aus
Auch die Ladeinfrastruktur wird unterschiedlich bewertet. 38 Prozent der E-Auto-Fahrer halten sie für gut. Unter den Verbrenner-Fahrern gehen lediglich 10 Prozent davon aus, im Falle eines Umstiegs auf ein ausreichendes Angebot zu treffen.
„Selbst unter den elektrisch reisenden Autofahrern ist die Mehrheit von der Ladeinfrastruktur in Deutschland nicht vollends überzeugt. Ein Viertel beklagt aktuell eine zu geringe Zahl an Schnellademöglichkeiten – während gleichzeitig immer mehr Fahrzeuge auf den Markt kommen, die bis zu 400 kW Spitzenleistung und damit mit hohem Tempo geladen werden können. Hier zeigen die Ergebnisse klaren Handlungsbedarf für Investitionen in die Infrastruktur auf. Der Ausbau der Infrastruktur muss mindestens mit dem technischen Fortschritt bei den Ladegeschwindigkeiten mithalten", sagt Künnemann.
Kritisch bewerten die Befragten auch die Bezahlsysteme an deutschen Ladesäulen: Für jeden Zweiten sind intransparente Preisstrukturen und unübersichtliche Bezahlmöglichkeiten der größte Kritikpunkt. Häufig werden anbieter-spezifische Apps verlangt, während eine EC-Kartenzahlung selten angeboten wird.
„Für Verbraucherinnen und Verbraucher zählt am Ende vor allem Verlässlichkeit – beim Laden, beim Fahren und bei den Kosten. Genau deshalb brauchen wir eine Infrastruktur, die mit dem tatsächlichen Nutzungsverhalten Schritt hält und Planungssicherheit schafft", sagt Künnemann.
