ZVSHK kritisiert Scheinentlastung auf Kosten des Handwerks
Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses zur Entlastung bei den Energie- und Spritpreisen sorgen auch im SHK-Handwerk für erheblichen Unmut – und das zu Recht. Insbesondere die geplante steuer- und abgabenfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro ist kein Instrument echter Entlastung, sondern eine Verlagerung staatlicher Verantwortung in die Betriebe.
Was hier als schnelle Hilfe verkauft wird, bedeutet in der Praxis: Der Staat verteilt Versprechen – und die Unternehmer sollen bezahlen. Gerade in einer Phase, in der viele Handwerksbetriebe selbst mit steigenden Energie-, Material- und Personalkosten kämpfen, ist das ein völlig falsches Signal.
Wer glaubt, Betriebe könnten ihren Beschäftigten kurzfristig zusätzliche Prämien in dieser Größenordnung auszahlen, verkennt die wirtschaftliche Realität im Handwerk. Viele unserer Unternehmen arbeiten am Limit, sichern Arbeitsplätze und Ausbildung – und sollen nun zusätzlich als verlängerter Arm staatlicher Entlastungspolitik fungieren. Das ist weder fair noch verantwortungsvoll.
Hinzu kommt: Solche Maßnahmen lösen kein einziges strukturelles Problem. Was wir brauchen, sind nachhaltige Entlastungen – bei Energiepreisen, bei Abgaben und bei bürokratischen Belastungen. Nur so schaffen wir die notwendige Planungssicherheit für Investitionen und Beschäftigung.
Das SHK-Handwerk war und ist bereit, seinen Beitrag zu leisten – gerade auch im Kontext der Energiewende. Aber dieses Miteinander funktioniert nur, wenn die Politik ihre Aufgaben selbst erfüllt und nicht versucht, Probleme auf die Betriebe abzuwälzen.
So wie es jetzt läuft, entsteht der Eindruck, dass hier ausgetestet wird, wie weit man gehen kann. Das ist gefährlich. Denn wer dauerhaft die Leistungsfähigkeit und Belastungsgrenzen des Mittelstands ignoriert, riskiert nicht nur wirtschaftlichen Schaden, sondern auch weiteren Vertrauensverlust.
Wir brauchen keine Symbolpolitik. Wir brauchen verlässliche, faire und wirtschaftlich tragfähige Lösungen.
Michael Hilpert – Präsident Zentralverband Sanitär Heizung Klima
ZDB: Koalitionsbeschlüsse sind „Entlastung auf dem Rücken der Betriebe“
Zu der in der Koalitionsklausur beschlossenen Entlastungsprämie erklärt Marcus Nachbauer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft:
„Die Ergebnisse der Koalitionsklausur sind für die Bau- und Ausbauwirtschaft schlicht enttäuschend. Statt dringend benötigter Entlastungen für die Betriebe liefert die Bundesregierung das Gegenteil: Sie wälzt die Kosten ihrer Maßnahmen einseitig auf die Unternehmen ab.
Die geplante steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie für Beschäftigte mag politisch gut klingen – wirtschaftlich ist sie für viele Betriebe realitätsfern. Angesichts explodierender Material- und Rohstoffkosten arbeiten zahlreiche Unternehmen längst an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Die steigenden Insolvenzzahlen zeigen unmissverständlich, wie ernst die Lage ist. Für viele Betriebe ist eine solche Prämie schlicht nicht finanzierbar.
Es gilt ein einfacher Grundsatz: Verteilt werden kann nur, was zuvor erwirtschaftet wurde. Wer das ignoriert, gefährdet Arbeitsplätze und unternehmerische Substanz.
Die Senkung der Energiesteuer um 17 Cent pro Liter ist zwar überfällig und ein richtiger Schritt. Doch sie kommt spät und reicht bei weitem nicht aus. Trotz dieser Maßnahme bleibt der wirtschaftliche Druck auf Verbraucher und Betriebe hoch.
Klar ist: Ohne schnelle strukturelle Maßnahmen – von einer Ausweitung des Energieangebots bis hin zu tragfähigen Sozialversicherungen – droht dem Standort ein weiterer Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.“
