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PV auf dem Flachdach: Statik, Abdichtung und Montagesysteme im Überblick

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Flachdächer bieten ideale Voraussetzungen für Photovoltaikanlagen: große zusammenhängende Flächen, flexible Ausrichtung der Module und oft keine Verschattung. Doch die Montage auf dem Flachdach bringt besondere Herausforderungen mit sich. Statik, Dachabdichtung, Windlasten und der Schutz der Dämmung müssen sorgfältig geplant werden, um Schäden am Gebäude zu vermeiden und die Langlebigkeit der Anlage zu sichern.

Dieser Beitrag zeigt, worauf Solarteure und Planer achten müssen – von der Lastberechnung über die Wahl des Montagesystems bis zur Zusammenarbeit mit dem Dachdeckerhandwerk.

Statische Anforderungen: Wie viel trägt das Dach?

Bevor eine PV-Anlage aufs Flachdach kommt, muss die Tragfähigkeit geprüft werden. Entscheidend sind:

  • Eigengewicht der Anlage: Module, Unterkonstruktion, ggf. Ballastierung
  • Windlasten: Sogkräfte können Module anheben – besonders an Dachrändern und Ecken
  • Schneelast: Je nach Region zusätzliche Belastung im Winter – Module können Schnee zudem ungleichmäßig abgleiten lassen
  • Reserven im Bestand: Ältere Dächer haben oft geringere Traglastreserven

Praxistipp: Frühzeitig einen Statiker einbinden – besonders bei Bestandsgebäuden. Die Kosten für ein Gutachten sind gering im Vergleich zu späteren Schäden.

Windlasten richtig einschätzen

Die Windbelastung auf dem Flachdach wird häufig unterschätzt – oder falsch bewertet. Dabei ist sie der entscheidende Faktor für die Ballastierung und damit für die Gesamtlast auf dem Dach.

Wichtige Einflussfaktoren auf die Windlast:

  • Modulwinkel und Modulgröße
  • Anordnung der Module und Reihenabstände
  • Abstände von der Gebäudewand und Dachkante
  • Umgebungsbebauung und Geländekategorie
  • Störflächen auf dem Dach (Lüftungsanlagen, Lichtkuppeln)
  • Höhensprünge in der Dachfläche

Häufige Fehleinschätzungen:

Randabstand: Viele Planer gehen davon aus, dass ein größerer Abstand zur Dachkante die Windbelastung reduziert. Das Gegenteil kann der Fall sein: Die Strömung reißt an der Dachkante ab, der entstehende Unterdruck zieht sie nach unten – und sie trifft die erste Modulreihe mit voller Stärke. Das Zurücksetzen der Module bringt also keinen Vorteil und kann sogar zu höheren Lasten führen.

Attika: Ihr Beitrag zur Windlastminderung ist begrenzt. Unter 30 cm Höhe hat sie praktisch keine Wirkung. Eine höhere Attika schützt zwar die erste Modulreihe, verschiebt aber die Belastung in die dahinterliegenden Reihen. Die Strömung reißt an der Attika-Oberkante ab und legt sich mit voller Kraft auf die zweite bis vierte Modulreihe.

Störflächen: Dachaufbauten wie Klimageräte oder Lüftungsanlagen unterbrechen die Strömung. Die ersten Module nach einer Störfläche oder einem Höhensprung sind ähnlich hohen Belastungen ausgesetzt wie Module direkt an der Dachkante.

Verbundwirkung nutzen: Die Kopplung einzelner Modulreihen zu größeren Verbünden erhöht die Standsicherheit erheblich. Windspitzen wirken lokal begrenzt und nicht gleichzeitig auf die gesamte Fläche. Durch den Gruppeneffekt können Kräfte von einem Feld auf benachbarte übertragen werden. Am Rand der Anlage fehlt allerdings ein Nachbar – dort muss stärker ballastiert werden.

Dämmung schützen: Druckfestigkeit beachten

Ein oft unterschätzter Aspekt: Die PV-Anlage steht nicht auf der Tragkonstruktion, sondern auf der Dämmung. Wird diese zu stark belastet, kann sie sich dauerhaft verformen – mit Folgen für die Abdichtung und den Wärmeschutz.

Die wichtigste Kenngröße: Die Dauerdruckfestigkeit des Dämmmaterials bei maximal 2 % Stauchung. Dieser Wert bestimmt, wie viel Last die Dämmung langfristig aufnehmen kann, ohne sich bleibend zu verformen. Die Flachdachrichtlinie des ZVDH empfiehlt, diesen Grenzwert nicht zu überschreiten.

Wichtig: Die Dauerdruckfestigkeit ist nicht identisch mit der Druckspannung – eine Verwechslung kann zu falscher Auslegung führen.

Konsequenzen für die Montage:

  • Weiche Dämmstoffe (z.B. Mineralwolle): Erfordern größere Auflageflächen, um die Last besser zu verteilen
  • Druckfeste Dämmstoffe (z.B. EPS, PUR, Schaumglas): Erlauben kleinere Auflageflächen und damit leichtere Systeme
  • Beton- oder Kiesdächer: Das Zusatzgewicht muss weniger großflächig verteilt werden

Die Hersteller von Montagesystemen bieten inzwischen variable Auflageflächen an – von schmalen Bodenschuhen für druckfeste Dämmstoffe bis zu breiten Basisplatten für weiche Materialien. Moderne Planungssoftware berücksichtigt die Druckfestigkeit der Dämmung automatisch bei der Auslegung.

Dachabdichtung schützen: Durchdringung vermeiden

Die Dachhaut ist das kritischste Element. Jede Durchdringung birgt das Risiko von Undichtigkeiten. Daher setzen die meisten Montagesysteme auf durchdringungsfreie Lösungen:

Ballastierte Systeme

Die Module werden durch Auflast (Betonplatten, Pflastersteine) gegen Windsog gesichert. Vorteil: Keine Eingriffe in die Abdichtung. Nachteil: Hohe Dachlast, besonders in windexponierten Lagen.

Die Ballastierung ist nicht gleichmäßig über das Dach verteilt. In Eckbereichen und an Dachrändern, wo die Sogkräfte am höchsten sind, wird mehr Gewicht benötigt als im Inneren der Anlage. Moderne Planungstools berechnen die Verteilung automatisch und erstellen einen detaillierten Ballastierungsplan.

Aerodynamisch optimierte Systeme

Windoptimierte Aufständerungen reduzieren die Sogkräfte und damit den nötigen Ballast erheblich. Die Systeme werden in Windkanalversuchen nach den Richtlinien der Windtechnologischen Gesellschaft (WTG) getestet. Aktuelle Systeme sind für Gebäudehöhen von bis zu 50 m und darüber hinaus ausgelegt.

Verklebte Systeme

Die Unterkonstruktion wird direkt auf die Abdichtung geklebt. Das funktioniert bei Kunststoffbahnen aus PVC, TPO oder FPO. Vorteil: Geringes Gewicht, keine Durchdringung. Nachteil: Nur bei geeigneten Abdichtungsmaterialien und sorgfältiger Untergrundvorbereitung möglich.

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