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Türplanung im Hochbau: Wie Fachplaner Schnittstellen beherrschen und Haftungsrisiken vermeiden

Der Moment der Wahrheit findet oft kurz vor der Abnahme statt. Ein moderner Bürokomplex steht vor der Fertigstellung, doch bei der Abnahme der Feststellanlage an einer Brandschutztür kommt es zum Stillstand. Man hat die Funktionsweise einer reinen Feststellung mit der eines Freilauftürschließers verwechselt, was zu Schwierigkeiten in der täglichen Nutzung führen würde. Das Ergebnis: Die Tür muss unter hohem Zeit- und Kostendruck umgebaut werden. Ein klassischer Fall von Planungsversäumnis.

Komplexität als Planungsrisiko

Türen in gewerblichen Objekten sind heute teilweise hochkomplexe Kombinationen von verschiedenen Anforderungen, die ganzheitlich betrachtet werden müssen. Das Ziel ist ein Gesamtpaket, das sowohl unter Normalbedingungen wie auch im Gefahrenfall sicher funktionieren muss. Im Normalbetrieb sollen sie komfortabel sein, im Notfall jedoch sicher schließen oder als Fluchtweg sofort freigeben. Diese funktionale Dichte führt zu einer enormen Fehlerquote. „Ich schätze, dass circa 50 Prozent der Türanlagen nicht ausreichend geplant sind“, erklärt Josef Faßbender, Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk und Gründer der Deutschen Fachakademie für Türtechnik. Die Auswirkungen solcher Lücken fallen meist erst auf, wenn der Sachverständige zur Abnahme kommt. Dann zeigt sich, dass Theorie und Praxis weit auseinanderklaffen. Oft resultiert daraus eine gefährliche Improvisation auf der Baustelle, die im schlimmsten Fall zum Verlust der Zulassung von Feuerschutzabschlüssen führen kann.

Dabei geht es nicht nur um die Technik an sich, sondern um die rechtliche Einordnung. Sobald eine Tür automatisiert wird, muss sie unter nutzungsabhängigen Risikoanalysen im Vorfeld betrachtet werden. Damit trägt der Planer eine besondere Verantwortung für die Sicherheit der Nutzer. Wird hier in der Konzeption nachlässig agiert, drohen bei Unfällen zivil- und strafrechtliche Konsequenzen, die weit über eine einfache Mängelrüge hinausgehen.

Die Krux der Schnittstellen

Ein Hauptgrund für das Scheitern von Türkonzepten ist das Fehlen einer klaren Schnittstellenkoordination. An einer einzigen Türanlage treffen heute diverse Fachdisziplinen aufeinander: Einbruchmeldeanlagen, Brandmeldetechnik, Zutrittskontrolle sowie die klassischen Gewerke Metallbau und Elektrotechnik.

Das Problem beginnt oft schon bei der Ausschreibung. Wenn der Elektriker seine Kabel nur bis zur Tür legt, sich aber nicht für den Anschluss der Türkomponenten zuständig fühlt, bleibt das System unfertig. Es fehlt die „Klammer“, die alle Gewerke verbindet. Oliver Roth, Fachplaner für Türlösungen bei GEZE, sieht hier das größte Risiko: „Wenn die Funktionalität nicht von Anfang an als Gesamtsystem beschrieben ist, fangen die Gewerke auf der Baustelle an zu diskutieren.“ Ohne eine ganzheitliche Beschreibung der Funktionen entstehen „verwaiste“ Schnittstellen. Die Folge sind Kommunikationsbruchstellen, durch die wichtige Informationen zwischen Planer, Fachplaner und ausführendem Gewerk verlorengehen.

Komplexität frühzeitig planerisch angehen


Um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen, fordern die Experten ein radikales Umdenken im zeitlichen Ablauf. Eine rechtssichere Türplanung darf nicht erst in der Ausführungsplanung (LPH 5) beginnen. „Ich glaube, eines der wichtigsten Kriterien ist tatsächlich, frühzeitiger mit der Planung der Türen zu beginnen“, betont Oliver Roth. Er empfiehlt den Einstieg bereits in den Leistungsphasen 2 und 3.

In dieser frühen Phase ist der Entwurf noch flexibel genug, um die spätere Nutzung mit den technischen Zwängen zu harmonisieren. Ein kritischer Punkt ist hierbei die Betrachtung aller relevanten Nutzergruppen. Eine Tür für ein Seniorenheim muss völlig andere Anforderungen erfüllen als eine Tür in einem Kindergarten oder einer Schule. In einem Seniorenheim ist die Barrierefreiheit und langsame Schließgeschwindigkeit essenziell, während in einer Schule die Robustheit und der Schutz vor Vandalismus im Vordergrund stehen. Werden diese Parameter erst in LPH 5 berücksichtigt, ist das gestalterische und budgetäre Korsett oft schon so eng, dass nur noch weniger geeignete Kompromisse möglich sind.

Wenn die Umnutzung zur Herausforderung wird

Wie entscheidend die frühe Koordination ist, zeigt die Umnutzung eines historischen Malzturms zu Wohneigentum. Auf 18 Stockwerken mussten barrierefreie Fluchtwege in einem extrem engen Grundriss realisiert werden. „Da half uns der frühe Einstieg eben auch mit dem Brandschutzplaner entsprechende Konzepte auszuarbeiten“, berichtet Oliver Roth.

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