Baunachfrage zieht an, Mineralölpreise belasten Umsätze

Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im Februar 2026 gegenüber Januar 2026 kalender- und saisonbereinigt um 7,6 % gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, nahm der Auftragseingang im Februar 2026 im Vormonatsvergleich im Hochbau um 8,6 % und im Tiefbau um 6,7 % zu.
Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich lag der kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang von Dezember 2025 bis Februar 2026 um 4,6 % niedriger als in den drei Monaten zuvor (Hochbau: -9,2 %; Tiefbau: -0,4 %).
Im Vergleich zum Vorjahresmonat Februar 2025 stieg der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im Februar 2026 um 9,8 %. Im Hochbau nahm der Auftragseingang um 0,4 % und im Tiefbau um 19,2 % zu. Der nominale (nicht preisbereinigte) Auftragseingang lag 12,0 % über dem Vorjahresniveau.
Umsatz real 13,2 % niedriger als im Vorjahresmonat
Der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe war im Februar 2026 um 13,2 % niedriger als im Vorjahresmonat. Der nominale Umsatz fiel im gleichen Zeitraum um 10,8 % auf 6,3 Milliarden Euro.
Die Zahl der im Bauhauptgewerbe tätigen Personen nahm im Februar 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,9 % auf rund 537 000 Personen zu. Alle Angaben beziehen sich auf Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen.
HDB: "Seriöse Kalkulation der Bau-Preise derzeit nicht möglich"
„Der Rückgang im Januar war demnach nur ein kleiner Rückschlag, die vorsichtigen Wachstumssignale des vergangenen Jahres haben sich im Februar fortgesetzt. Wenn auch nicht in allen Sparten und Regionen, so hat der Wohnungsbau von den gestiegenen Baugenehmigungen noch nicht profitiert. Auch der Straßenbau ist trotz mehrmaliger Beteuerung der Politik, dass Projekte angestoßen wurden, nicht aus dem Tritt gekommen.“ Mit diesen Worten kommentiert der Hauptgeschäftsführer der BAUINDUSTRIE, Tim-Oliver Müller, die veröffentlichten Konjunkturindikatoren für den Bau.
Müller: „Hierbei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Auftragseingänge den Trend aus der Zeit vor Beginn des Irankriegs widerspiegeln. Die gestiegenen Öl- und Gaspreise, deren Konsequenzen auf die Baumaterialkosten, die leicht gestiegenen Zinsen sowie die Verunsicherung bei den Unternehmen haben sich noch nicht ausgewirkt. Dies kann aber noch kommen.“
So hätten 86 Prozent der im Rahmen der aktuellen DIHK-Blitzumfrage zu den „wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts“ befragten Bauunternehmen über gestiegene Energiekosten geklagt, drei Viertel über gestiegene Rohstoff- und Materialkosten. Damit sei der Bau stärker betroffen als andere Wirtschaftszweige (gesamtwirtschaftlicher Durchschnitt: 71 bzw. 58 Prozent). 57 Prozent der Befragten hätten sogar angegeben, dass sie schon ihre Preise anpassen mussten. „Dies ist auch kein Wunder, schließlich hat die Ölpreissteigerung schon auf die Preise für Dieselkraftstoff und Bitumen durchgeschlagen.“
Die Unternehmen meldeten im März binnen Monatsfrist Preissteigerungen von 25,3 bzw. sogar von 36,4 Prozent. Damit wurden die starken Preissteigerungen in Folge des Angriffskriegs auf die Ukraine im März 2022 fast erreicht, bzw. sogar deutlich überschritten. In den März-Daten sind die starken Preissprünge bei Öl Ende März noch gar nicht enthalten, da der Erzeugerpreisindex zur Monatsmitte ermittelt wird. Weitere Preissprünge sind somit vorprogrammiert. So gaben in der aktuellen Mittelstands-Umfrage der Creditreform 56 Prozent der befragten Bauunternehmen an, dass sie planen, ihre Angebotspreise in naher Zukunft weiter zu erhöhen, lediglich drei Prozent gehen von sinkenden Preisen aus.
Preisrisiken internationaler Krisen: Bauunternehmen nicht allein lassen
Müller: „Derzeit ist eine seriöse Kalkulation von Bauleistungen kaum möglich. Aufgrund der volatilen Situation und der weiterhin hohen Unsicherheit sind die Unternehmen gezwungen, sofern keine Preisgleitungen vereinbart wurden, Risikoaufschläge in ihre Angebote einzupreisen, was zu deutlich höheren Angebotspreisen sowie Verzögerungen bei den dringend notwendigen Investitionen in den Wohnungsbau und unsere Infrastruktur führen kann. Dass dies schon Realität ist, belegen die Umfrageergebnisse. Dies kann nicht im Interesse der Politik sein. Wir appellieren deshalb an die öffentlichen Auftraggeber, rückwirkende Preisgleitungen einzuführen. Die Bauunternehmen können nicht allein die Preisrisiken internationaler Krisen tragen, die Risiken müssen fair verteilt werden. Schließlich muss die Branche auch morgen noch in der Lage sein, Deutschlands Wohnungen und Infrastruktur bauen zu können.“
ZDB: "Auftragseingang zieht an – Umsatz witterungsbedingt gedämpft"
„Der Umsatzrückgang im Februar ist im Wesentlichen witterungsbedingt. Anders als im überdurchschnittlich milden Februar 2025 haben Frost und Niederschläge in diesem Jahr an vielen Standorten die Bautätigkeit gebremst. Ein solcher Rückgang zum Jahresauftakt ist daher kein Konjunktursignal, sondern ein Saisoneffekt.
Dass es sich nicht um einen echten Konjunkturdämpfer handelt, sehen wir auch beim Blick auf die Auftragseingänge. Mit einem realen Plus von 9,8 Prozent im Februar und einem kumulierten Zuwachs im Tiefbau von rund 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zieht die Nachfrage im Tiefbau weiter an. Treiber sind der Bau von Rechenzentren, der Ausbau der Schieneninfrastruktur sowie Investitionen in Energie- und Wärmenetze.
Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ist in den Auftragsbüchern der Betriebe dagegen bislang nicht angekommen. Die jüngste ifo-Analyse hat bereits gezeigt, dass 2025 rund 95 Prozent der Mittel nicht für zusätzliche Investitionen verwendet wurden. Wenn das so bleibt, verpufft eines der wichtigsten Instrumente dieser Legislaturperiode.
Der Iran-Krieg hat die zum Jahreswechsel noch erfreuliche Aussicht für 2026 spürbar eingetrübt. Steigende Öl- und Gaspreise treiben die Baustoffpreise, die Zinsen geraten erneut unter Druck. Wir halten unsere Jahresprognose von 2,5 Prozent realem Wachstum vorerst aufrecht, müssen sie aber unter Vorbehalt der weiteren geopolitischen Entwicklung stellen.
Aufträge im Wohnungs- und Straßenbau schwach
Der Wohnungsbau bleibt unser Sorgenkind. Beim Auftragseingang liegen wir bis Februar 9,0 Prozent unter dem Vorjahr. Die 22.200 Baugenehmigungen im Februar sind ein Hoffnungssignal, aber noch keine Trendwende. Für den eigentlichen Bedarf im Land müssten es rund 30.000 monatliche Baugenehmigungen sein.
Der Straßenbau bleibt auch zum Jahresstart 2026 enttäuschend. Kumuliert liegt der Auftragseingang 5,8 Prozent unter Vorjahr. Hauptgrund ist die zögerliche Freigabe der Haushaltsmittel.
Die Politik muss jetzt handeln. Die Sonder-AfA im Mietwohnungsbau muss so schnell wie möglich an den EH-55-Standard gekoppelt werden, der Gebäudetyp E bis zum Sommer zur Verfügung stehen. Und die Mittel aus dem Sondervermögen müssen endlich zusätzlich und in der Fläche investiert werden, nicht zur Schließung bestehender Haushaltslücken.“
