Gerechter Lohn? Arbeitgeber und Beschäftigte liegen weit auseinander

Faire Bezahlung liegt im Auge des Betrachters – und die Betrachter sind sich in Deutschland selten einig. Während fast zwei Drittel der Unternehmen angeben, ihre Mitarbeitenden gerecht zu vergüten, empfindet nur knapp die Hälfte der Beschäftigten die eigene Bezahlung als fair. Das zeigt die Studie „HR Payroll and Pulse 2026" des europäischen HR-Dienstleisters SD Worx, für die in Deutschland 460 Arbeitgeber und 1.500 Arbeitnehmende befragt wurden.
Wahrnehmungslücke auf beiden Seiten
Lediglich 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland halten ihre Bezahlung grundsätzlich für fair. Ein weiteres knappes Drittel ist sich unsicher, 26 Prozent empfinden ihre Vergütung schlicht als nicht ihrem Beitrag entsprechend. Auf Arbeitgeberseite sieht die Welt anders aus: 63 Prozent der Unternehmen befinden, gerecht zu bezahlen, und die Mehrheit gibt an, aktiv Entgeltlücken zu analysieren und zu schließen.
Bei den Beschäftigten kommt dieses Engagement jedoch kaum an. Nur 36 Prozent nehmen das Vorgehen ihres Unternehmens als echtes Bekenntnis zur Lohngerechtigkeit wahr. Ohne kommunizierte Kriterien bleibt für Mitarbeitende häufig unklar, wie Gehälter festgelegt werden – und welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.
Besondere Risikogruppe: die Unentschlossenen
Für Arbeitgeber besonders brisant ist die große Gruppe der Unentschlossenen. Sie zeigen sich zwar nicht offen unzufrieden, sind aber potenziell wechselbereit – vor allem wenn externe Angebote transparenter wirken oder die interne Kommunikation Lücken lässt. Im direkten Kollegenvergleich fällt die Bewertung etwas besser aus: 52 Prozent empfinden ihre Bezahlung als fair, wenn sie sie mit ähnlichen Rollen im eigenen Unternehmen vergleichen. Lohngerechtigkeit wird also vor allem im unmittelbaren Arbeitsumfeld bewertet.
Frauen skeptischer als Männer
Die Wahrnehmungslücke hat auch eine Geschlechterdimension. Nur 33 Prozent der Frauen in Deutschland nehmen das Engagement ihres Unternehmens als echtes Bekenntnis zur Entgeltgerechtigkeit wahr, bei Männern sind es 39 Prozent. Die Pay Gap existiert damit gleich doppelt: als tatsächliche Lohnlücke und als Vertrauenslücke.
Transparenz als Wettbewerbsvorteil
Bruce Fecheyr-Lippens, Chief HR Officer bei SD Worx, sieht Handlungsbedarf: „Entgelttransparenz und erlebte Fairness werden zunehmend zu einem entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. Entscheidend ist, dass Unternehmen nicht nur Daten analysieren, sondern nachvollziehbar erklären, wie Vergütung entsteht und welche Schritte auf erkannte Lücken folgen." Die deutliche Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland hält Entgelttransparenz für wichtig oder sehr wichtig bei der Arbeitgeberwahl – ein Argument, das langfristig auch dem Recruiting zugutekommt.
Über die Studie
SD Worx, ein führender Anbieter für HR Services in Europa, unterstützt Unternehmen aller Größen in Fragen rund um Personal und Gehalt. Grundlage dieser Meldung ist die Studie „HR Payroll and Pulse 2026“. Die Befragung fand vom 27. Januar bis 15. Februar 2026 in 16 europäischen Ländern statt. Insgesamt wurden 5.936 Arbeitgeber beziehungsweise HR Verantwortliche und 16.500 Arbeitnehmer:innen befragt. In Deutschland nahmen 460 Arbeitgeber und 1.500 Arbeitnehmer:innen teil.
