Solarstrom: EEG-Reform verschiebt Wirtschaftlichkeit auf den Eigenverbrauch

Die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sieht vor, die Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen bis 25 Kilowatt Peak abzuschaffen – genau jene Anlagengröße, die im deutschen Eigenheimbereich üblich ist. Ob die Reform bereits in der kommenden Woche im Kabinett behandelt wird, ist derzeit offen. Ein Factsheet der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) und Zukunft KlimaSozial zeigt, welche Konsequenzen das für verschiedene Eigentümergruppen hat.
Photovoltaik wirkt als Einstieg in weitere Investitionen
Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der IKND haben bereits 36 Prozent der Eigenheimbesitzenden eine Photovoltaikanlage installiert, weitere 26 Prozent planen eine Anschaffung bis 2030. Wer eine Anlage betreibt, investiert der Umfrage zufolge wahrscheinlicher auch in Wärmepumpen, Batteriespeicher oder Elektromobilität.
37 Prozent der Eigenheimbesitzenden haben hingegen keine Anlage und planen auch keine. Für diese Gruppe wird der Eigenverbrauch durch die Reform zum zentralen Wirtschaftlichkeitsfaktor. Knapp die Hälfte dieser Gruppe ist älter als 60 Jahre. Die Gründe für den Verzicht auf eine Anlage sind dabei nicht einheitlich.
Junge Haushalte scheitern an Kosten und fehlender Infrastruktur
Für Eigenheimbesitzende unter 45 Jahren – im Schnitt beim Immobilienkauf 38 Jahre alt und häufig mit laufendem Kredit – sind hohe Anschaffungskosten das Haupthindernis: 71 Prozent dieser Altersgruppe nennen sie als Grund, über alle Altersgruppen liegt der Wert bei 56 Prozent. Fast jeder zweite Jüngere gibt an, ein günstiges Darlehen wäre der entscheidende Anreiz.
Clara Mewes, Geschäftsleitung und Lead Analyst der IKND, ordnet ein: „PV ist der Türöffner der privaten Energiewende. Wer eine Anlage hat, investiert wahrscheinlicher in Wärmepumpe, Speicher und E-Auto. Die EEG-Reform verschiebt die Wirtschaftlichkeit vollständig auf den Eigenverbrauch. Das kann funktionieren, aber nur wenn die nötige Infrastruktur mitgedacht wird. Unsere Daten zeigen: Gerade für junge Haushalte mit knappem Budget ist das noch keine Selbstverständlichkeit."
Eigenverbrauch kann den Wegfall der Einspeisevergütung für diese Gruppe kompensieren – jedoch nur, wenn Smart Meter, dynamische Tarife und ausreichend Netzkapazität verfügbar sind. An allen drei Punkten bestehen dem Factsheet zufolge noch Lücken.
Ältere Eigentümer reagieren auf andere Argumente
Bei Eigenheimbesitzenden über 60 Jahren treten neben finanziellen Aspekten zwei weitere Barrieren in den Vordergrund: das eigene Alter, das 41 Prozentpunkte häufiger als Hindernis genannt wird als bei unter 45-Jährigen, sowie Zweifel an der Wirtschaftlichkeit, die 24 Prozentpunkte häufiger genannt werden. Eigenverbrauch-Argumente erreichen diese Gruppe kaum.
Persönliche Beratung durch Handwerksbetriebe oder Energieberaterinnen, die den Immobilienwert und die langfristige Unabhängigkeit von Energiepreisen betonen, wirkt laut Factsheet nachweislich besser als digitale Informationsangebote.
Infrastruktur entscheidet über den Erfolg der Reform
Die Analyse macht deutlich, dass die EEG-Reform die Wirtschaftlichkeit kleiner Photovoltaikanlagen grundlegend verändert. Ob der Eigenverbrauch die Einspeisevergütung ersetzen kann, hängt nicht allein vom Verhalten der Eigentümerinnen und Eigentümer ab, sondern maßgeblich davon, ob die technische und regulatorische Infrastruktur dafür bereitsteht.
