Sonnenschutz, Glas, Fenster und Fassaden: Was die Branche jetzt zur neuen BauPVO wissen muss

Am 30. Oktober 2025 fand das 17. Symposium zur EU-Bauproduktenverordnung des BMWSB statt, erstmals wieder im Presse- und Besucherzentrum des BPA mit erweiterten Präsenzkapazitäten. Die Hybrid-Veranstaltung bot umfassende Einblicke in die Neuerungen der BauPVO. Für die Sonnenschutz-, Glas-, Fenster-/Fassadenbranche standen der Digitale Produktpass, neue Bewertungsverfahren und wachsende Dokumentationspflichten besonders im Mittelpunkt.
Die Novelle der EU-Bauproduktenverordnung verändert den Rechtsrahmen für Sonnenschutz, Fenster, Türen, Fassaden und Glasprodukte grundlegend. Zwei Vorträge des Symposiums von Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler (ift Rosenheim) und Dipl.-Ing. Martin Rücker (Ministerium Schleswig-Holstein) zeigen deutlich: Die neuen Anforderungen bringen Chancen, aber auch massive operative Herausforderungen für die Branche.
Digitaler Produktpass: Datenmengen und neue Anforderungen für Hersteller
Herzstück der Reform ist der Digitale Produktpass (DPP). Er soll künftig technische Leistungsmerkmale, Umweltwirkungen und relevante Stoffe jedes Bauprodukts digital abbilden. Bei einer starken Variantenvielfalt – etwa 712 Fenstertypen für ein Büroprojekt mit 6.606 Fenstern, wie Heusler anhand des Projekts QH Track Berlin zeigt – führt dies zu enormen Datenmengen und steigendem Aufwand für Hersteller.
Erweiterte Dokumentationspflichten: AVS 3+ und Nachhaltigkeitsprüfung
Parallel dazu wird die Leistungs- und Konformitätserklärung (DoPC) stark erweitert. Neu eingeführt wird das Bewertungs- und Überprüfungssystem AVS 3+, das ökologische Nachhaltigkeit prüft. Die Berechnung der Umweltwirkung jedes einzelnen Produkts, die Validierung der Inputdaten durch notifizierte Stellen sowie der Wegfall eigenverantwortlicher Leistungsdeklarationen erhöhen Komplexität und Kosten. Laut Heusler wären europaweit rund 700 zusätzliche Vollzeit-Validierer nötig. Eine Größenordnung, die KMUs kaum bewältigen können.
Das Positionspapier der deutschen Fenster- und Türenbranche macht den Handlungsbedarf klar: Die Anforderungen sind ohne digitale Unterstützung kaum zu erfüllen. Die Branche fordert daher praxistaugliche Vorgaben, die Nutzung zertifizierter Software und eine Reduktion der zur Zeit ausufernden Anforderungen der Bürokratie.

