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So werden Gebäude vor Sturm und Hochwasser sicher

Jürgen Benitz-Wildenburg; Robert Krippahl
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Bei der Abwägung zwischen Bautechnik, Klimaresilienz und Denkmalschutz entsteht zwangsläufig ein Interessenkonflikt. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Nordrhein-Westfalen vom 27.11.2024: Demnach überwiegt bei der Errichtung von Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden regelmäßig das öffentliche Interesse am Ausbau der erneuerbaren Energien gegenüber den Belangen des Denkmalschutzes. Diese Überlegungen dürften künftig auch bei der Abwägung von Gesundheits- und Sachrisiken durch Überhitzung und Überschwemmungen Anwendung finden.

Hochwasser an Flüssen und Küsten: Risiken neu bewerten

Siedlungsgebiete werden seit Jahrzehnten durch Dämme, Rückhaltebecken und weitere Maßnahmen geschützt – meist auf Basis historischer Erfahrungen. Die Risikogebiete und Schutzmaßnahmen sind bundesweit in der Hochwassergefahr- und Hochwasserrisikokarte einsehbar (https://geoportal.bafg.de/karten/HWRM_Aktuell/).Als „Messlatte“ für die Dammhöhe dient bislang das „Hundertjährige Hochwasser“ (HQ100). Durch steigende Temperaturen kann die Luft jedoch mehr Wasser aufnehmen, sodass auch mehr Niederschlag fällt. Besonders kritisch ist die sogenannte Vb-Wetterlage (auch Balearen-, Genua- oder Adria-Tief): Diese Tiefdruckgebiete führen sehr viel Wasser mit sich und ziehen aufgrund geringer Windgeschwindigkeit nur langsam weiter. In der Folge können regional enorme Niederschlagsmengen auftreten, die das hundertjährige Hochwasser übertreffen. Nach Prognosen im Weltklimabericht steigt die Wahrscheinlichkeit, dass HQ100-Ereignisse alle fünf bis zehn Jahre auftreten und auch Extremwetterereignisse häufiger werden.

Starkregen: Lokale Sturzfluten als wachsende Gefahr

Im Gegensatz zur klassischen Hochwassergefahr treten Überschwemmungen seit Jahren verstärkt durch lokale Starkregenereignisse (Sturzfluten) auf. Dabei werden Niederschlagsmengen von 60 l/m² und mehr erreicht. Das abfließende Oberflächenwasser sucht sich seinen Weg zur tiefsten Stelle – nahezu jedes Gebäude in Deutschland kann betroffen sein, sobald ein ungünstiges Gefälle Richtung Haus besteht.Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat daher das Naturgefahrenportal eingerichtet, das die amtliche vierstufige Unwetterwarnung mit Hinweisen zu Schutzmaßnahmen ergänzt. Die Warnstufen reichen von:

  • Stufe 1 („keine ungewöhnlichen Wetterentwicklungen“) über 
  • Stufe 2 (15–25 l/m² in 1 h oder 20–35 l/m² in 6 h), 
  • Stufe 3 (>25–40 l/m² in 1 h oder >35–60 l/m² in 6 h) bisStufe 4 („Warnung vor extremem Unwetter“ mit >40 l/m² in 1 h oder >60 l/m² in 6 h).

Lokaler Starkregen kann sehr kurzfristig innerhalb von 15 bis 30 Minuten auftreten – temporäre Schutzmaßnahmen wie Sandsäcke oder Planken helfen daher nur bedingt. Im Geoportal des Bundes wird für jedes Bundesland die Überschwemmungsgefahr durch Starkregen ausgewiesen. Die angesetzten Niederschlagsmengen variieren je nach Bundesland (29–47 l/h für ein außergewöhnliches Ereignis).

Vielfältige Belastungen bei Überschwemmungen

Die Belastungen bei Überschwemmungen sind vielfältig. Moderate mechanische Belastungen entstehen durch Wasserdruck bei langsam steigendem Wasser, etwa in Kellerschächten. Bei fließendem Wasser oder durch angeschwemmtes Treibgut (Baumaterialien, Fahrzeuge, Schwemmgut) sind die Belastungen deutlich höher und erfordern massive Schutzvorrichtungen. „Normale“ Fenster können bei Schlagregen den Wassereintritt verhindern, bei Stauwasser sind jedoch hochwasserbeständige Fenster notwendig. Neben dem unmittelbaren Wassereintritt entstehen weitere Schadensbilder durch eindringende Feuchtigkeit in Hohlräume der Fensterkonstruktionen. Verschmutzungen durch Fäkalien oder Heizöl führen zu Gerüchen, Schimmelpilzen und Emissionen in die Raumluft. Trotz Trocknung, Reinigung und Instandsetzung ist eine ­Sanierung dann oft nicht mehr möglich.

Hochwasserbeständige Bauelemente: Markt im Wandel

Hochwasserbeständige Fenster sind Sonderkonstruktionen mit erweiterten Schutzfunktionen und bislang überwiegend als kleinformatige Kellerfenster verfügbar. Die steigende Nachfrage führt jedoch zu einer dynamischen Entwicklung hochwasserbeständiger Fenster, Fenstertüren und Haustüren, die auch die Funktionen „normaler“ Bauelemente erfüllen.

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