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GModG verabschiedet: Branche zwischen Erleichterung, Kritik und Klimasorge

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Am 10. Juli 2026 haben Bundestag und Bundesrat das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) verabschiedet. Der Bundesrat entschied, den Vermittlungsausschuss nicht anzurufen. Parallel treten ab dem 21. Juli 2026 reduzierte Fördersätze bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) in Kraft. Eine Evaluation des Gesetzes ist für 2030 vorgesehen. Nach dem Beschluss fallen die Kommentare unterschiedlich aus. Die Branchenstimmen im Überblick:

Bundesverband Geothermie: „Einer Selbstsabotage gleich"

Der Bundesverband Geothermie e.V. übt scharfe Kritik. Geschäftsführer Gregor Dilger verweist auf die dramatische Ausgangslage: Mehr als 60 Milliarden Euro gibt Deutschland jährlich für den Import fossiler Energien aus, der Anteil erneuerbarer Energien liegt aktuell bei nur 19 Prozent – und bis 2045 soll das Land klimaneutral sein. Vor diesem Hintergrund sei das GModG ein fatales Signal. Die Streichung der 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Regelung, die Verlängerung des Einsatzes von fossilem Öl und Gas sowie eine „unterambitionierte Biotreppe und Grüngasquote" kämen „einer Selbstsabotage gleich". Auch die gleichzeitig angekündigten Kürzungen der BEG-Förderung ab dem 21. Juli treffen den Verband hart. Dilger fordert stattdessen eine nationale Resilienzstrategie für die Energieversorgung – und sieht die Geothermie als Schlüsseltechnologie: Perspektivisch könne sie mehr als die Hälfte des nationalen Wärme- und Kältebedarfs decken.

BDEW: „Der Gesetzesbeschluss kann nur ein Anfang sein"

Differenzierter fällt das Urteil des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) aus. Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae begrüßt das zügige parlamentarische Verfahren, mahnt aber deutlichen Nachbesserungsbedarf an – etwa beim Thema Nachhaltigkeitszertifizierung und bei der bürokratiearmen Umsetzung der Biotreppe. Entscheidend sei jetzt, die gesetzlichen Grundlagen für die Wärmewende zügig zu vervollständigen und einen „konsistenten, investitionssicheren Transformationsrahmen" zu schaffen. Andreae betont zudem: Technologieoffenheit bei Heizungslösungen dürfe nicht dazu führen, dass zentrale Infrastrukturentscheidungen unterlaufen werden – lokal konkurrierende, ineffiziente Mehrfach-Infrastrukturen müssten vermieden werden. Für Bio-Treppe und Grüngasquote brauche es eine verlässliche nationale Biomassestrategie sowie ein europäisches Zertifizierungs- und Handelssystem.

HDH: Lebenszyklus-Ökobilanz als struktureller Schritt – aber Fenster nicht vergessen

Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie und Kunststoffe verarbeitenden Industrie (HDH) begrüßt grundsätzlich die Richtung des Gesetzes. Die im GModG verankerte verpflichtende Bilanzierung der Lebenszyklus-Treibhausgasemissionen ab 2030 für alle Neubauten sei „ein wichtiger struktureller Schritt für den Klimaschutz im Gebäudesektor", so Hauptgeschäftsführer Dr. Denny Ohnesorge. Auch der geplante Bonus für serielle Sanierungen von Nichtwohngebäuden in der BEG-Reform und der Worst-Performing-Buildings-Bonus setzen nach HDH-Ansicht am richtigen Punkt an. Kritik übt der Verband jedoch am Ausschluss reiner Fenstermaßnahmen vom WPB-Bonus: „Der Fenstertausch ist oft der erste Einstieg in einen umfassenden Modernisierungsfahrplan. Bleibt dieser aus, stockt oft die gesamte Sanierung." Angesichts einer historisch niedrigen Sanierungsquote von 0,7 Prozent sei dieser Ausschluss nicht nachvollziehbar.

TGA-Repräsentanz Berlin: Planungssicherheit – aber Sorge um den Klimaschutz

Frank Ernst, Geschäftsführer der TGA-Repräsentanz Berlin, begrüßt die Entscheidung des Bundesrates, den Vermittlungsausschuss nicht anzurufen: Sie schaffe „endlich die dringend benötigte Planungssicherheit" für die Unternehmen der Technischen Gebäudeausrüstung. Positiv bewertet die TGA-Repräsentanz die stärkere Technologieoffenheit sowie die Aufnahme raumlufttechnischer Anlagen mit Wärmerückgewinnung als Erfüllungsoption – eine zentrale Forderung der Branche. Mit Sorge sieht Ernst jedoch die Abkehr von der 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien beim Heizungstausch. Die vorgesehene Biotreppe werde „voraussichtlich keinen vergleichbaren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten". Sein Appell: „Verbraucherinnen und Verbraucher, Unternehmen und der Klimaschutz brauchen jetzt vor allem eines: dauerhafte Rechtssicherheit."

Zentralverband Deutsches Baugewerbe: Gebäudehülle nicht vergessen

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, begrüßt zunächst, dass nach langem Hin und Her Klarheit herrsche. Inhaltlich aber vermisst er den integrierten Ansatz: Wer einen klimaneutralen Gebäudebestand erreichen wolle, müsse auch die Gebäudehülle in den Blick nehmen. Bedauert wird zudem, dass der Quartiersansatz als kosteneffiziente Erfüllungsoption nicht ins Gesetz aufgenommen wurde. Die kurzfristig angekündigte BEG-Reform sende „das falsche Signal": Statt Investitionen anzuschieben, würden Eigentümer und Unternehmen verunsichert. Für die Biotreppe mahnt Pakleppa eine belastbare Strategie zur Bereitstellung klimafreundlicher Gase an. Etwaige Nachsteuerungen im Rahmen der Evaluation 2030 müssten über Förderanreize erfolgen – „und dürfen nicht zu neuen ordnungsrechtlichen Einbau- oder Austauschpflichten führen."

ZVEI: Wichtige Impulse, aber Effizienzpotenziale liegen brach

Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, erkennt wichtige Impulse: Insbesondere bei Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Beleuchtungssteuerung, Stromdirektheizungen und Wärmepumpen-Hybridheizungen sende der Gesetzgeber ein „wichtiges Signal für Investitionen in moderne Gebäudetechnik". Kritisch bewertet der ZVEI jedoch, dass das Gesetz hinter der angekündigten 1:1-Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie zurückbleibe – Fähigkeiten zur Steuerung und Vernetzung von Wohngebäuden blieben ungenutzt. Die Beimischung klimaneutraler Brennstoffe zu fossilen Heizsystemen sei „aus unserer Sicht problematisch": Erhebliche Potenziale von Elektrifizierung, Digitalisierung und Energieeffizienz blieben so ungenutzt. Für eine erfolgreiche Gebäudewende brauche es nun die richtigen wirtschaftlichen Leitplanken – darunter die Senkung der Stromsteuer und einen verlässlichen Start des ETS2 als CO₂-Preisinstrument.

Agora Energiewende: „Klima- und energiepolitisches Eigentor"

Besonders scharf fällt die Kritik von Agora Energiewende aus. Julia Bläsius, Direktorin Deutschland, bezeichnet das GModG als „klima- und energiepolitisches Eigentor der Bundesregierung": Es erschwere die Planbarkeit für Haushalte, Kommunen und Betriebe und bremse die Wärmewende erheblich. Dass der Einbau fossil befeuerter Heizungen weiterhin erlaubt bleibe, gefährde die deutschen Klimaziele, verlängere fossile Importabhängigkeiten und untergrabe die kommunale Wärmeplanung. Die vorgesehene Biotreppe und Grüngasquote hält Bläsius für unzureichend: Im Gegensatz zu erneuerbaren Heizungsformen blieben Gas- und Ölkessel noch lange auf fossile Brennstoffe angewiesen – und ob grüne Gase in ausreichender Menge verfügbar und bezahlbar sein werden, sei „hochgradig unsicher". Auch die Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie erfülle das Gesetz nicht vollständig: So fehlten weiterhin die von der Kommission vorgesehenen One-Stop-Shops zur Beratung von Hauseigentümern bei Sanierung und Heizungstausch. Bläsius fordert stattdessen attraktive Strompreise, einen konsequenten Ausbau der Strom- und Wärmenetze sowie eine langfristig gesicherte Förderung.

Bauherren-Schutzbund: Kurzfristiger Handlungsdruck statt Planungssicherheit

Mit „Ernüchterung" kommentiert der Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) die Verabschiedung. Geschäftsführer Henrik Fork-Weigel kritisiert, dass die Regierungsfraktionen im parlamentarischen Verfahren „verlässliche Rahmenbedingungen für die Transformation im Gebäudesektor" verpasst hätten. Zentrale Forderungen von Verbraucherschützern – eine gestärkte unabhängige Energieberatung und ein verbindlicher Sanierungsfahrplan – fehlen im beschlossenen Gesetz. Besonders kritisch sieht der BSB die zeitgleich angekündigten BEG-Kürzungen: „Das erzeugt kurzfristigen Handlungsdruck statt langfristiger Planungssicherheit." Der Verband fordert die Bundesregierung auf, die Förderinstrumente zu stabilisieren, Übergangsfristen zu verlängern und die unabhängige Energieberatung als verbindlichen Bestandteil nachzuliefern.

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