Diese 5 Planungsfehler machen Solarcarports teuer

Solarcarports erschließen versiegelte Flächen für Photovoltaik, schaffen die Basis für Ladeinfrastruktur und unterstützen Unternehmen sowie Kommunen bei der Eigenversorgung. Dennoch geraten viele Projekte bereits in der Planungsphase unter wirtschaftlichen Druck. Vasyl Betsa, Geschäftsführer und Gründer von Pillar, analysiert auf Basis von mehr als zehn Jahren Projektpraxis, wo die eigentlichen Kostentreiber liegen: „Die eigentlichen Kostentreiber liegen häufig nicht dort, wo Bauherren sie vermuten." Schon kleinere Nachträge können vierstellige Zusatzkosten verursachen. Bei größeren gewerblichen oder kommunalen Parkplatzanlagen summieren sich Verzögerungen und Fundamentanpassungen schnell zu sechsstelligen Beträgen. Werden mehrere Standorte parallel entwickelt, sind auch Millionensummen möglich.
Planungsfehler 1: Baugrund entscheidet über Zeitplan und Budget
„Die größte Unsicherheit liegt häufig nicht auf dem Parkplatz, sondern darunter", erläutert Betsa. Bodenkennwerte und Grundwasserstand lassen sich über ein Baugrundgutachten ermitteln. Werden diese Untersuchungen zu spät beauftragt oder ausgewertet, fließen die Erkenntnisse nicht mehr rechtzeitig in die Planung ein. Unerwartete Hindernisse wie bestehende Leitungen, Kabeltrassen oder alte Fundamente zeigen sich dann erst während der Bauarbeiten. Müssen daraufhin Fundamentpositionen angepasst oder Bauabläufe unterbrochen werden, entstehen Verzögerungen und Zusatzkosten – obwohl die Photovoltaikanlage selbst davon oft nicht betroffen ist.
Planungsfehler 2: Statik geht über den formalen Nachweis hinaus
Viele Projektverantwortliche betrachten die Statik vor allem als Genehmigungsvoraussetzung. Betsa bewertet das als zu kurz gedacht: „Die Statik basiert immer auf konkreten Annahmen zu Baugrund, Wind-, Schnee- und Verkehrslasten." Stimmen diese Annahmen nicht mit den tatsächlichen Standortbedingungen überein, muss unter Umständen nicht nur die Fundamentierung, sondern auch das Tragwerk angepasst werden. Die entscheidenden Mehrkosten entstehen dabei nicht an den Solarmodulen, sondern an Fundamentierung und konstruktiver Ausführung.
Planungsfehler 3: Späte Genehmigungen erzwingen Umplanungen
Blendgutachten, Brandschutzanforderungen, Prüfstatik oder umweltrechtliche Vorgaben werden vielerorts erst vertieft betrachtet, wenn die technische Planung bereits weit fortgeschritten ist. „Werden wesentliche Anforderungen erst im Genehmigungsverfahren sichtbar, entstehen häufig neue Prüfschleifen oder Planänderungen", so Betsa. Müssen anschließend Stellplatzaufteilungen, Feuerwehrzufahrten oder Tragwerksdetails angepasst werden, wirkt sich das unmittelbar auf Terminplan und Kosten aus.
Planungsfehler 4: Netzanschluss und Ladeinfrastruktur brauchen frühe Planung
Mit dem Ausbau der Elektromobilität wächst die Bedeutung der Energieinfrastruktur auf Parkflächen. Dennoch wird sie häufig erst nach Abschluss der eigentlichen Bauplanung berücksichtigt. Netzanschlussbegehren und Netzverträglichkeitsprüfungen durch den Netzbetreiber nehmen häufig mehrere Wochen oder Monate in Anspruch. Kommen diese Erkenntnisse erst spät, können zusätzliche Tiefbauarbeiten oder nachträgliche Anpassungen erforderlich werden. „Ein Solarcarport ist heute kein einzelnes Bauwerk mehr, sondern Teil einer gesamten Energieinfrastruktur", betont Betsa. Photovoltaik und Netzanschluss sollten deshalb bereits in der frühen Projektentwicklung gemeinsam geplant werden.
Planungsfehler 5: Standardlösungen stoßen an standortspezifische Grenzen
Viele Solarcarports basieren auf standardisierten Konstruktionen. Dabei unterschätzen Projektverantwortliche oft, wie stark sich einzelne Standorte unterscheiden – von den Bodenverhältnissen über die Bestandsinfrastruktur bis zu den behördlichen Anforderungen. „Am Ende ist nahezu jedes Projekt ein Einzelfall", analysiert Betsa. Pillar prüft deshalb bereits in frühen Projektphasen alle relevanten Randbedingungen anhand eines strukturierten Systems, das laufend aus realisierten Projekten weiterentwickelt wird. Ziel ist, projektspezifische Anforderungen möglichst früh sichtbar zu machen.
Wirtschaftlichkeit entscheidet sich vor dem ersten Fundament
Parkplatzflächen gelten als eines der größten ungenutzten Potenziale für den Ausbau der Photovoltaik. Die Projektpraxis zeigt jedoch: Viele Solarcarports scheitern nicht an der Solartechnik, sondern an vermeidbaren Planungsfehlern. „Je größer eine Parkplatzanlage ist, desto stärker wirken sich Planungsfehler wirtschaftlich aus", resümiert Betsa. Werden projektspezifische Randbedingungen frühzeitig berücksichtigt, lassen sich Nachträge, Verzögerungen und zusätzliche Bauleistungen deutlich reduzieren. Angesichts wachsender Ladeinfrastruktur und zunehmender Nutzung versiegelter Flächen gewinnt eine sorgfältige technische Planung weiter an Bedeutung.
