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Negativpreis Plagiarius: Dreiste Hansgrohe-Fälschung auf Platz 2

Produkt- und Markenpiraterie ist ein lukratives Milliardengeschäft mit unterschiedlichsten Profiteuren: Vom einfallslosen Mitbewerber, über Billiganbieter und Plattformbetreiber aus Drittstaaten bis hin zu globalen kriminellen Netzwerken. Sie untergraben den legalen Handel und überfluten den europäischen Markt mit oftmals ungeprüften, falsch deklarierten und nicht EU-konformen Billigartikeln und Fälschungen.

Zum Schutz der Industrie und der Verbraucher fordern europäische Wirtschafts- und Handelsverbände von der Politik die unverzügliche, konsequente Durchsetzung geltenden Rechts. Mehr Haftung und Prävention seitens der Plattformbetreiber, höhere Sanktionierung bei Verstößen, ein gesetzlich verankertes Stay-Down-Gebot für entfernte Fälschungen. Zoll und Marktüberwachungsbehörden brauchen für effektivere Kontrollen mehr Personal und modernste IT. Da der Erfolg von Billigprodukten auch auf Akzeptanz und hoher Nachfrage basiert, bleibt Aufklärung essentiell. Ohne Nachfrage kein Geschäft.

Plagiarius: Preis für besonders dreisten Innovationsklau

Die Aktion Plagiarius hat am 6. Februar 2026 zum 50. Mal ihren Negativpreis Plagiarius an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen verliehen. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente statt. Bevor die jährlich wechselnde Jury die Preisträger auswählt, erhalten alle Nominierten die Gelegenheit zur Stellungnahme.

Die Auszeichnung mit dem Plagiarius sagt nichts darüber aus, ob ein nachgeahmtes Produkt im rechtlichen Sinne zulässig oder rechtswidrig ist. Die Aktion Plagiarius kann kein Recht sprechen. Sie darf aber die Meinung äußern, dass plumpe 1:1 Nachahmungen, die einem Originalprodukt bewusst täuschend ähnlich sehen, rücksichtslos und moralisch verwerflich sind.

Die Preisträger 2026 des Negativpreises „Plagiarius“

Die Jury traf sich am 12. und 13. Dezember 2025 und vergab drei Hauptpreise, 2 neu ins Leben gerufene Sonderpreise, und 5 gleichrangige Auszeichnungen.

1. Preis Flaschen- Set für Neugeborene „Philips Avent Natural Response“

Links Originale: Koninklijke Philips N.V., Eindhoven, Niederlande, Rechts Fälschungen: Dongyang Onibebi Plastic Products Factory, Zhejiang, VR China, Beschlagnahmt: u.a. bei Razzien in Lateinamerika, Nigeria, Südostasien

AVENT (Original) vs. AVEAT (Fälschung). Insbesondere bei Produkten für Neugeborene steht Sicherheit an erster Stelle. So bestehen die Philips AVENT Flaschen aus BPA-freiem Kunststoff und sind geruchs- und geschmacksneutral. Das Set ist ideal für einen reibungslosen Übergang zwischen Stillen und Flaschenfütterung. Die irreführenden AVEAT-Fälschungen wurden in China hergestellt und online, über Social Media sowie vor Ort in Lateinamerika, Nigeria und Südostasien vertrieben.

Laut Verpackung sind auch sie BPA-frei. Der extrem niedrige Preis - ein Fünftel des Originals - sowie Fotos aus den „Fabriken“ der Fälscher lassen an der Qualität und Eignung des Kunststoffs, insbesondere für Babyprodukte, zweifeln. Hygienische Zustände? Mehr als bedenklich! Qualitäts- und Sicherheitskontrollen? Fehlanzeige! Nach einer Razzia und Beschlagnahme bei Onibebi hat ein Gericht die Firma zu Unterlassung und Schadenersatz verurteilt. Philips zieht Fälscher konsequent zur Rechenschaft – auch zum Schutz der (jüngsten) Verbraucher*innen.

2. Preis: Waschtischmischer „AXOR MyEdition“ 

Links Original: Hansgrohe SE, Schiltach, Deutschland, Rechts Fälschung: Chinesisches Fälscher-Netzwerk - 3 Personen in Haft, Kaiping / Guangdong, VR China

Fälscher agieren heutzutage professionell. Produziert wird arbeitsteilig. Ihr Geschäft: illegal. Solch komplexe kriminelle Netzwerke aufzuspüren, kostet Markenhersteller viel Geld. Hansgrohe konnte, nach monatelanger Recherche und in Zusammenarbeit mit dem lokalen Kaiping PSB Public Security Bureau, in einer Razzia ein großes chinesisches Fälscher-Netzwerk zerschlagen.

Kopiert wurden neben den von Hansgrohe geschützten Designs vor allem die international renommierten, auch in China eingetragenen Marken „hansgrohe“ und „AXOR“. Die Fälschungen wurden online, u.a. auf taobao.com, mit Originalfotos beworben und zu Spottpreisen angeboten. Entsprechend minderwertig sind Materialien und Verarbeitung der Fälschungen.

Großer Erfolg: Drei Hauptverantwortliche des Netzwerks wurden inhaftiert und werden aktuell strafrechtlich verfolgt. Das Traditionsunternehmen Hansgrohe SE steht für zeitloses, langlebiges Design sowie für wegweisende, innovative und nachhaltige Technologien. Mit seiner Designmarke AXOR inspiriert es Architekten und Bad-Designer gleichermaßen.

3. Preis: Stapelliege Klassik (Design: Rolf Heide, 1966)

Oben Original: Müller Möbelwerkstätten GmbH, Bockhorn, Deutschland (Exklusives weltweites Recht für Herstellung, Vertrieb und Vermarktung der Stapelliege) Unten Plagiat: Vertrieb: La Redoute S.A.S., Roubaix, Frankreich

Die STAPELLIEGE - ein Designklassiker von Rolf Heide aus dem Jahr 1966 - besticht nicht nur durch ihr zeitloses Design und ihre hohe Flexibilität, sie punktet auch durch ihre intelligente Konstruktion und den einfachen Auf- und Abbau. Ob als Sofa, als gestapeltes Kinderbett, als Doppelbett oder flexibles Gästebett: Sie ist ein platzsparendes Multitalent. Müller Möbelwerkstätten hat das exklusive weltweite Recht für deren Herstellung und Vertrieb.

Das Billigplagiat von La Redoute kostet, inklusive „Lattenrost“, der aus einfachen, zu weit auseinanderstehenden Brettern besteht, ein Fünftel des Original-Gestells. Kunden strafen das Plagiat als „billig gemacht, schlecht verarbeitet und unstabil“ ab. Der ästhetische Gesamteindruck beider Stapelbetten ist identisch: So wurden beim Plagiat alle prägenden formalen und funktionalen Gestaltungsmerkmale des Originals übernommen, insbesondere die schwungvollen Abrundungen der seitlichen Wangen, die die Stapelfähigkeit ermöglichen. Umso erschreckender ist die mangelhafte Passgenauigkeit beim Plagiat.

Auszeichnung: (Licht-) Schalterprogramm „Busch-balance SI“

Oben Originale: ABB AG - Busch-Jaeger, Lüdenscheid, Deutschland, Unten Plagiate: Handelshaus Klein GmbH, Trostberg, Deutschland

Die „Anlehnung“ an das Busch-Jaeger Original ist eindeutig gewollt. Nicht nur Design und technische Details der „Busch-balance SI“ Serie sind fast identisch übernommen. Beworben wird die Nachahmung zudem mit „Das Schalterprogramm BBwhite, passend zu Busch-Jäger Balance Si [sic] in Alpinweiß RAL9010, bietet eine kostengünstige Option“. Busch-Jaeger geht gerichtlich dagegen vor.

Darüber hinaus hebt Handelshaus Klein in der Beschreibung seiner Nachahmung hervor, dass „die ballige Oberfläche einzigartige Designakzente ermöglicht“. Tatsächlich haben zumindest die namhaften Originalhersteller alle ihr eigenes, einzigartiges Design. Und wer ein passendes Schalterprogramm sucht, wird schnell feststellen, wie vielfältig die Auswahl ist und wie unterschiedlich das Ambiente, das Schalter einem Raum verleihen können.

Was ist der Plagiarius?

Mit dem Plagiarius hat Professor Rido Busse (†2021) eine Initiative ins Leben gerufen, die in Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung, Social Media und KI aktueller denn je ist. Als Industriedesigner hatte Busse früh erkannt, dass es für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft unabdingbar ist, kreative Ideen und Know-how zu fördern, und zu schützen.

Mit Weitsicht und Nachdruck hat er Designer, Erfinder und Unternehmer stets ermutigt, ihr geistiges Eigentum mittels Eintragung gewerblicher Schutzrechte (Marke, Patent, Design) abzusichern und Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Erfreulicher Rekord: 2025 gingen beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) 327.735 neue Anmeldungen für EU-Marken und EU-Designs ein - die höchste jährliche Anzahl an Anmeldungen seit Beginn im Jahr 1996. Großen Zuwachs haben Anmeldungen aus der VR China.

Ziel der Aktion Plagiarius war und ist es, Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums zu schaffen und die Innovationskraft von Unternehmen und Kreativen zu stärken. Dafür rückt sie die skrupellosen Geschäftsmethoden von Fälschern ins öffentliche Bewusstsein und sensibilisiert Industrie, Politik und Verbraucher praxisnah für die Problematik.

Anhand der Plagiatsfälle betroffener Firmen beleuchtet der Verein Schäden, Risiken und Hintergründe sowie unterschiedliche Facetten von Produkt- und Markenpiraterie. Trophäe des Schmähpreises ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase. Letztere symbolisiert die immensen Profite, die ideenlose Nachahmer auf Kosten von Kreativwirtschaft und Industrie erzielen.

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