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AccelerateEU: Was steht in Europas Maßnahmenpaket?

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Die Europäische Kommission hat am 22. April 2026 das Maßnahmenpaket AccelerateEU vorgestellt, um auf steigende Energiepreise und die hohe Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reagieren. Aktuell stammen rund 57 % des Energieverbrauchs in der EU aus importierten fossilen Energieträgern – allein 2025 beliefen sich die Kosten dafür auf etwa 340 Milliarden Euro. Durch die jüngste Eskalation im Nahen Osten sind seit März 2026 zusätzliche Importkosten von rund 24 Milliarden Euro entstanden.

Vor diesem Hintergrund zielt AccelerateEU auf den Aufbau einer resilienten Energieunion mit sicherer, bezahlbarer und sauberer Energie aus heimischer Produktion. Das Paket umfasst fünf zentrale Handlungsfelder

  • eine engere Koordination zwischen den Mitgliedstaaten, 
  • den Schutz von Verbrauchern und Unternehmen vor Preisspitzen, 
  • den beschleunigten Ausbau heimischer sauberer Energie, 
  • die Modernisierung der Energieinfrastruktur sowie die 
  • Mobilisierung zusätzlicher Investitionen.

Kurzfristig sollen gezielte Maßnahmen wie Energiezuschüsse, Steuererleichterungen oder soziale Tarife insbesondere vulnerable Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen entlasten. Gleichzeitig setzt die EU auf eine strukturelle Beschleunigung der Energiewende. Dazu gehören der Ausbau erneuerbarer Energien, die stärkere Elektrifizierung von Gebäuden, Industrie und Verkehr sowie Investitionen in Netze, Speicher und flexible Energiesysteme. Bereits heute stammen rund 71 % der Stromerzeugung in der EU aus sauberen Quellen, während fossile Energieträger weiterhin vor allem in den Bereichen Wärme, Industrie und Mobilität dominieren.

Ein zentraler Hebel ist dabei die stärkere europäische Koordination – etwa bei der Befüllung von Gasspeichern, der Nutzung strategischer Ölreserven oder der Abstimmung nationaler Maßnahmen –, um Preisvolatilitäten abzufedern und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Langfristig versteht die Kommission die Energiewende nicht nur als klimapolitische Aufgabe, sondern als Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliche Stabilität und Sicherheit. Dafür sind Investitionen von rund 660 Milliarden Euro jährlich bis 2030 erforderlich, die verstärkt durch öffentliche und private Mittel mobilisiert werden sollen.

Bedeutung für Handwerk, TGA-Planung, Energieberatung und Architektur

AccelerateEU bringt eine deutliche Beschleunigung bestehender Trends im Gebäudesektor. Im Fokus stehen insbesondere Maßnahmen zur Energieeffizienz und Elektrifizierung, etwa 

  • die Sanierung der Gebäudehülle, 
  • der Austausch fossiler Heizsysteme durch Wärmepumpen, 
  • der Ausbau von Photovoltaik sowie 
  • der Einsatz von Speicherlösungen.

Handwerksbetriebe profitieren von einer steigenden Nachfrage nach Installation und Modernisierung entsprechender Technologien. TGA-Fachplaner und Architekten sind gefordert, Gebäude stärker systemisch zu denken – mit integrierten Energiekonzepten, die erneuerbare Erzeugung, Effizienz und Flexibilität verbinden. Energieberater übernehmen nach wie vor eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung, etwa durch die Bewertung von Effizienzpotenzialen, die Begleitung von Sanierungsmaßnahmen und die Einbindung von Förderinstrumenten.

Insgesamt verstärkt das Programm den Wandel hin zu elektrifizierten, effizienten und vernetzten Gebäuden. Damit steigen sowohl die Marktchancen als auch die Anforderungen an Planung, Qualifikation und interdisziplinäre Zusammenarbeit entlang der gesamten Bau- und Energiewertschöpfungskette.

Stimmen aus der Branche

DENEFF: EU-Kommission setzt für Energiesicherheit auf Effizienz – Berlin irritiert mit Abschwächung zentraler Maßnahmen

Die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) begrüßt, dass die EU-Kommission mit der Strategie „AccelerateEU“ Energieeffizienz als zentralen Hebel für Energiesicherheit, Preisstabilität und Unabhängigkeit stärkt. Besonders im Fokus stehen Gebäudesanierungen, industrielle Prozesswärme und die stärkere Einbindung von Energiedienstleistern.

Die Kommission kündigt zudem konkrete Maßnahmen zur Einsparung von Energie und zum Ersatz fossiler Energien an, darunter Anreize für wirtschaftliche Effizienzmaßnahmen und die konsequentere Umsetzung von Energieaudits.

„Energieeffizienz ist kein Nice-to-have, sondern die erste Verteidigungslinie gegen Preisrisiken und Importabhängigkeit. Dass Brüssel hier klare Signale setzt, ist entscheidend für Industrie und Mittelstand“, sagt DENEFF-Vorstand Christian Noll.

Kritisch sieht die DENEFF hingegen die geplante Novelle des deutschen Energieeffizienzgesetzes (EnEfG). Diese schwäche zentrale Instrumente wie Einsparziele, Energiemanagement und Abwärmenutzung und steht damit im Widerspruch zur europäischen Linie.

„Wenn die EU Effizienz stärkt, darf Deutschland nicht gleichzeitig das zentrale Gesetz entkernen. Gerade jetzt braucht es mehr Effizienz, nicht weniger“, so Noll.

Die DENEFF fordert die Bundesregierung auf, die Abschwächungen zurückzunehmen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Effizienz, Elektrifizierung und Energiedienstleistungen zu schaffen.

Deutsche Umwelthilfe DUH: Bundesregierung muss sich jetzt von fossiler Energiepolitik verabschieden

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner:

„Das Programm der EU-Kommission ist ein mutiger Schritt weg von fossilen Abhängigkeiten, in denen Europa seit Jahren feststeckt. Während die Bundesregierung mit ihrer rückwärtsgewandten Strategie neue Öl- und Gasheizungen salonfähig macht, den Verbrenner rettet und die Erneuerbaren ausbremst, setzt die Kommission auf Booster für Wärmepumpen, energetische Sanierung, öffentlichen Verkehr und Elektromobilität. Die Europäische Union zeigt mit dem Zukunftsprogramm AccelerateEU, wie eine zukunftsgewandte Energiepolitik aussehen kann. Energieministerin Katherina Reiche muss sich daran ein Beispiel nehmen und in der aktuellen fossilen Energiekrise von ihrer rückwärtsgewandten Energiepolitik verabschieden. Es braucht dringend echte Lösungen, die uns unabhängiger von den Launen der Weltmärkte und der Geopolitik machen. Wir fordern die Bundesregierung auf, ihre Energie- und Verkehrspolitik angesichts der EU-Impulse grundlegend neu auszurichten.“

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