Heizungstausch im Bestand: Wärmepumpe und PV-Anlage statt Ölkessel

Im Bergischen Land, rund 50 Kilometer östlich von Köln, liegt das idyllische Marienheide. Stolze 85 Prozent des Gemeindegebiets machen Wälder, Grünland und Gewässer aus. Der ehemalige Luftkurort am Quellgebiet der Wipper bietet seinen knapp 14.000 Einwohnern aber nicht nur einen hohen Freizeit- und Erholungswert. Auch die Wärmewende ist inmitten der malerischen Wald-, Seen- und Hügellandschaft nicht nur angekommen – sie ist hier Programm.
Bereits Anfang 2020 gründete die Bergische Gemeinde einen eigenen Klimabeirat. Es folgte der Entwurf eines Integrierten Klimaschutzkonzepts. Und während vielerorts noch über die kommunale Wärmeplanung diskutiert wird, hat ihn die Gemeinde schon im März 2025 mehrheitlich beschlossen und auf ihrer Website verkündet: den Wärmeplan für Marienheide. Drei potenzielle Eignungsgebiete für rohrleitungsgebundene Wärmenetze wurden dabei identifiziert.
Trotz geeigneter Lage wollten Pia Bondke und Fabian Schiedeck bei der Erfüllung ihres Traums vom Eigenheim nicht auf ein künftiges Nahwärmenetz warten. Beim Kauf ihres Einfamilienhauses entschieden sie sich für eine sofort umsetzbare, klimafreundliche Lösung: den Heizungstausch Wärmepumpe statt Ölkessel.
Langfristige Kostensicherheit durch Heizungstausch
67 Prozent Erdgas, 29 Prozent Heizöl – beinahe der gesamte Wärmebedarf in Marienheide wird laut Wärmeplan-Projektbericht der Gemeinde durch fossile Brennstoffe gedeckt. Auch das Einfamilienhaus Baujahr 1973 wurde im letzten Winter noch mit Öl beheizt. Für das junge Paar, das im Oktober 2024 ihr neues Haus bezog, stand allerdings fest: Das war ihr letzter fossiler Winter. „Ökologische Gründe spielten eine wichtige Rolle, weil wir auf fossile Brennstoffe verzichten wollen. Es ging uns aber vor allem um die langfristige Planbarkeit unserer Heizkosten“, erklärt Schiedeck. „Durch die steigende CO2-Bepreisung auf Öl und Gas war die vorhandene Ölheizung für uns wirtschaftlich keine zukunftsfähige Lösung. Von der Wärmepumpe in Kombination mit einer PV-Anlage erwarten wir etwa eine Halbierung unserer Heizkosten und vor allem langfristige Kostensicherheit.“
Auswahlkriterien für die Wärmepumpe
Für den 36-jährigen Entwickler und die 28-jährige Bürokauffrau fiel die Wahl auf die neue Generation einer Luft/Wasser-Wärmepumpe von Vaillant. „Neben den Themen Produktqualität und Service war uns ein bekannter Hersteller wichtig, damit es später auch keine Probleme mit der Verfügbarkeit von Ersatzteilen gibt. Ein leiser Betrieb war ebenfalls ausschlaggebend für unsere Entscheidung“, so Schiedeck.
Geplant und installiert wurde das runderneuerte System vom SHK-Meisterbetrieb Wirths GmbH aus Bergneustadt in Zusammenarbeit mit dem Hersteller. Beim Heizungstausch im Bestand sind immer individuelle Lösungen gefragt, weiß Gido Peuster, System Engineer bei Vaillant. „Für dieses Einfamilienhaus aus den 1970er Jahren mit rund 250 m2 Wohnfläche auf zwei Etagen war die alte Ölheizung auf 14 kW Heizlast eingestellt. Sie hatte einen Verbrauch von rund 4.000 Litern im Jahr.
Als energetische Sanierungsmaßnahmen sollen noch die oberste Geschossdecke gedämmt und die Haustüre sowie einzelne Kellerfenster ausgetauscht werden. Nachdem wir mit dem Kunden alle Daten ermittelt hatten, haben wir uns bei einer Vorlauftemperatur von maximal 50 °C für die aroTHERM plus VWL 105 mit 10 kW und einen 300 Liter Warmwasserspeicher entschieden“, erläutert Peuster. „Die Jahresmitteltemperatur liegt in Marienheide bei 8,9 Grad. Bei einer Norm-Außentemperatur von -10,1 Grad schaltet sich an besonders kalten Wintertagen nach Einstellung des Bivalenzpunkts die elektrische 9 kW Zusatzheizung der Hydraulikstation bedarfsgerecht stufig modulierend zu.“
Haus wird 50% energieautark
Mit der Wärmepumpe und der neuen Photovoltaik-Anlage mit 17,8 kWp und einem 20 kWh Batteriespeicher erwartet der Projektleiter einen Autarkiegrad von rund 50 Prozent. Für die Wärmeerzeugung und Warmwasserbereitung rechnet Peuster mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von etwa 3,5. „Das bedeutet: für 1 kW investierte Arbeitsenergie bekommen wir rund 3,5 kW Wärmeenergie. Wir warten noch die Erfahrungen aus der ersten kompletten Heizperiode ab, aber unser Ziel ist es, die Heizkosten in etwa zu halbieren – was natürlich immer auch vom Nutzerverhalten abhängt. Für einen über 50 Jahre alten Bestandsbau ohne größere Sanierungsmaßnahmen bei der Gebäudehülle ist das ein sehr gutes Ergebnis“, zieht Peuster eine positive Zwischenbilanz.
Schutzbereich der Wärmepumpe ermöglicht flexible Platzierung
Die Installation der neuen Wärmepumpe war in vier Arbeitstagen ohne Probleme abgeschlossen. „Bei der Platzierung der Außeneinheit mussten wir uns keine großen Gedanken über die Abstände machen, weil der Schutzbereich dieser neuen Wärmepumpen-Generation jetzt deutlich kleiner ist“, erzählt David Neumann, Installateur- und Heizungsbauermeister bei der Wirths GmbH.
„Das neue Sicherheitskonzept ermöglicht die branchenweit minimalsten Schutzbereiche, sodass es nun nahezu keine Einschränkungen mehr bei der Platzierung in der Nähe von Türen, Fenstern oder Kellerschächten gibt“, ergänzt Peuster. Vor allem in der Höhe wurde der Schutzbereich signifikant verringert. „Und mit der systemintegrierten Flexible Space Function, die vom Fachhandwerker aktiviert werden muss, lässt sich der seitliche Schutzbereich zusätzlich reduzieren. Selbst in sehr engen Einbausituationen kann die Außeneinheit somit problemlos und sicher aufgestellt werden. Mit dieser hohen Flexibilität machen wir die Planung und Installation deutlich einfacher und können den Kundenwünschen gerecht werden. Vom gewählten Aufstellungsort in Marienheide hatten wir insgesamt etwa sieben Meter Leitungsweg zum Haus sowie einen Höhenunterschied von rund einem Meter zur Inneneinheit im Kellerraum. Aber mit den heutigen Leitungsisolierungen sind auch längere Distanzen kein Thema, nur ein etwas höherer Aufwand.“
Für Fachhandwerker Neumann stellte die abnehmbare Dämmung des Warmwasserspeichers einen weiteren Montagevorteil dar: „Ohne Isolierung konnten wir den Speicher viel leichter in den Keller einbringen und die Dämmung war auch schnell und einfach wieder montiert. Die Inbetriebnahme verlief ebenfalls reibungslos. Die Anlage war sofort betriebsbereit und was mir aufgefallen ist: Die Wärmepumpe ist wirklich leise – kein Vergleich zu so manchem anderen Modell.“
Dank des dreifach entkoppelten Kältemittelkreislaufes mit dem umweltschonenden Kältemittel R290 und des soliden Gehäuses erreicht die Außeneinheit einen maximalen Schallleistungspegel von 58,2 dB(A) – vor allem in dicht bebauten Wohngebieten ein Mehrwert in Sachen Schallschutz.
Nachbarn interessieren sich für die WP-Lösung
Für die neuen Hauseigentümer Bondke und Schiedeck war der Heizungstausch mit PV-Anlage vor allem eine Investition in die Zukunft. In Marienheide übernehmen sie damit auch eine aktive Vorreiterrolle in Sachen praktizierter Wärmewende, was bereits zu einigen Gartenzaungesprächen führte. Denn viele der Ein- und Zweifamilienhäuser stammen ebenfalls aus den 1970er Jahren oder sind älter und besitzen noch fossile Heizsysteme.
Der Bedarf an umweltschonenden und kostensparenden Alternativen ist vorhanden – und die Zufriedenheit mit Wärmepumpen liefert Antworten: Laut einer im März 2025 veröffentlichten, repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Heiztechnikherstellers Vaillant sind fast 90 Prozent der deutschen Eigenheimbesitzer mit ihrer Wärmepumpe zufrieden oder sehr zufrieden. Über 80 Prozent der befragten Hauseigentümer von Neubauten und Bestandsgebäuden würden ihre Wärmepumpe weiterempfehlen. Bondke zählte zwar nicht zu den Befragten, aber auch sie ist überzeugt: „Mit Wärmepumpe und PV-Anlage sind wir bei der Energie- und Wärmeversorgung viel unabhängiger und dass wir auch der Umwelt etwas Gutes tun, ist für uns ein echter Gewinn.“
Basisdaten Heizungstausch Marienheide
- Gebäudetyp: Einfamilienhaus
- Baujahr: 1973
- Wohnfläche: 250 m²
- Beheizte Fläche: 220 m2
- Wärmepumpe: aroTHERM plus VWL 105/8.1
- Heizleistung WP: 10 kW
- Elektr. Zusatzheizung: 9 kW
- Pufferspeicher: VP RW 45/2 B – 45 Liter Volumen
- Wärmeverteilung: Heizkörper
- Vorlauf-Temperatur: 50 °C
- Warmwasserspeicher: uniSTOR plus VIH RW 300/3 – 300 Liter
- PV-Anlage: 17,8 kWp
- Batteriespeicher: 20 kWh
- Energ. Sanierung alt: 1990er Jahre 2-fach Wärmeschutzverglasung
- Energ. Sanierung geplant: Dämmung oberste Geschossdecke nach GEG, Austausch Haustüre und einzelne Kellerfenster

