Handwerk unter Druck: Internationale Krisen trüben das Geschäftsklima

Das regionale Handwerk blickt mit zunehmender Sorge auf die kommenden Monate. Der Geschäftsklimaindikator der Handwerkskammer Oldenburg ist in der Frühjahrsumfrage 2026 um sechs Zähler auf 112 Punkte zurückgegangen. Haupttreiber sind gestiegene Kosten infolge internationaler Krisen sowie strukturelle Belastungen, die viele Betriebe seit Jahren begleiten.
Kostendruck sticht als Risikofaktor hervor
Aus 353 ausgewerteten Antworten sticht ein Thema besonders hervor: der Kostendruck. Kammerpräsident Eckhard Stein fasst zusammen: „Das Handwerk braucht gerade jetzt verlässliche Rahmenbedingungen. Unsere Betriebe kämpfen nicht nur mit steigenden Kosten und Folgen internationaler Krisen, sondern auch mit den bekannten strukturellen Problemen wie Fachkräftemangel, hoher Bürokratielast und offenen Nachfolgefragen."
Besonders plastisch zeigt das Karina Hinrichs, Geschäftsführerin von Elektro Einemann in Sandkrug. Die Spritkosten ihres 28-köpfigen Betriebs seien in kurzer Zeit um monatlich 500 Euro gestiegen, Hersteller hätten Preise um 8 bis 25 Prozent erhöht – und die Lieferzeiten werden wieder zum Problem. „Das erinnert an die Pandemie", sagt Hinrichs.
Auftragslage stabil, Blick nach vorn getrübt
Trotz der eingetrübten Stimmung zeigt die Datenlage ein differenziertes Bild. 70 Prozent der Betriebe melden unveränderte oder gestiegene Auftragseingänge – drei Punkte mehr als im Frühjahr 2025. Die Umsatzentwicklung bleibt mit 66 Prozent nahezu stabil. Stein ordnet das ein: „Beide Werte deuten auf eine solide, aber wenig dynamische Nachfragebasis hin. Da sich die Erwartungen an die kommenden Monate deutlich eingetrübt haben, erklärt sich der Rückgang auf 112 Punkte."
Im Ausbaugewerbe – zu dem auch das Elektrohandwerk gehört – liegt der Indikator mit 116 Punkten noch leicht über dem Gesamthandwerksdurchschnitt. Betriebsberater Cord-Christian Körner verweist jedoch auf zurückhaltende Investitionen: Hohe Finanzierungskosten und das unsichere Marktumfeld bremsten größere Vorhaben.
Betriebsnachfolgen als gesellschaftliche Aufgabe
Ein weiteres Thema rückte auf der Pressekonferenz in den Fokus: Betriebsnachfolgen. Hauptgeschäftsführer Heiko Henke betont deren gesamtgesellschaftliche Bedeutung: „Betriebsnachfolgen im Handwerk sichern Arbeitsplätze, Ausbildung und die Versorgung der Menschen vor Ort." Bundesweit müssen nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in den kommenden fünf Jahren rund 125.000 Betriebsnachfolgen geregelt werden – bei insgesamt einer Million Handwerksbetrieben in Deutschland. Henke fordert bessere politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und mehr Unterstützung für den Weg in die Selbstständigkeit.
