E-Handwerke: Stagnierende Elektromobilität lässt Fachkräftebedarf sinken

Die E-Handwerke verzeichnen derzeit etwa 65.000 offene Stellen – 18 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das zeigt die aktuelle Fachkräfteerhebung des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Die Gründe sind vielfältig: Die Krise im Neubaubereich hält an, die Sanierungsrate ist auf einem Tiefpunkt – und die Elektromobilität stagniert.
„Der Neubau-Bereich schwächelt noch, die Sanierungsquote im Bestand hat ein Allzeittief erreicht, die Elektromobilität stagniert und selbst der Wachstumsmarkt Photovoltaik ist mittlerweile rückläufig", erklärt ZVEH-Hauptgeschäftsführer Alexander Neuhäuser. Das habe direkte Auswirkungen auf die E-Handwerke als größtes Klimahandwerk.
Von 80.000 auf 65.000: Offene Stellen sinken zum zweiten Mal in Folge
Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank von rund 80.000 zu Beginn des Jahres 2025 auf jetzt etwa 65.000. Zwischen 2021 und 2023, auf dem Höhepunkt der Energiewende, war der Bedarf noch von Jahr zu Jahr gestiegen und hatte 2023 mit über 96.000 offenen Stellen einen Rekordwert erreicht.
Hatten vor zwei Jahren noch 66 Prozent der Unternehmen angegeben, offene Stellen zu haben, waren es im Oktober 2025 nur noch knapp 47 Prozent.
Ungelernte Helfer am stärksten betroffen – Fachkräfte weiter gefragt
Der Rückgang trifft vor allem ungelernte Kräfte: Im Bereich der an- und ungelernten Helfer sank die Zahl der offenen Stellen von knapp 8.000 (2023) auf nun weniger als 3.700. Bei Gesellen, hochqualifizierten Gesellen und Meistern ging der Bedarf ebenfalls zurück, jedoch in geringerem Maße. „Wir beobachten, dass verstärkt auf Fachkräfte gesetzt wird, die aufgrund umfangreicher Qualifikationen möglichst flexibel einsetzbar sind", so Neuhäuser.
ZVEH kritisiert Energiepolitik und Verunsicherung bei E-Mobilität
Neuhäuser kritisiert, dass die aktuelle Energiepolitik die Energiewende unnötig bremse, indem sie den Fokus ausschließlich auf deren Kosten lege. Auch die Diskussion um das Verbrenner-Aus und die Verschiebung des Europäischen Emissionshandelssystems 2 (EU-ETS 2) sorgten für Verunsicherung und Investitionszurückhaltung – auch bei der Elektromobilität.
Demografischer Wandel: Fachkräftebedarf bleibt langfristig hoch
Trotz des aktuellen Rückgangs warnt der ZVEH vor Entwarnung: Aufgrund des demografischen Wandels und der fortschreitenden Elektrifizierung bleibe der Fachkräftebedarf eine große Herausforderung. „Die Themen Ausbildung und Qualifizierung angesichts einer schwächelnden Wirtschaft zu vernachlässigen, wäre absolut kontraproduktiv. Denn der Rückzug der Boomer aus dem Arbeitsleben hat ja erst begonnen", so Neuhäuser.
