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Rechnet die Gasindustrie ihre Methanemissionen klein?

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Betreiber von fossiler Öl- und Gasinfrastruktur müssen ihre Methanemissionen dokumentieren und veröffentlichen. Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), der Branchenverband der Gasindustrie, stellt seinen Mitgliedern mit dem Statistiktool „GaWaS“ ein Instrument zur Umsetzung der Emissionserfassungs- und Berichtspflichten bereit. Jedoch erfüllt es laut einer Recherche der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die gesetzlichen Vorgaben der EU-Methanverordnung nicht.

Tool ersetzt Messungen durch Standardwerte

Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert zwei Punkte am GaWaS-Tool. Statt der gesetzlich vorgesehenen Eintragung eigener Messergebnisse sehe das Tool nur die Nutzung veralteter Standardwerte vor. Zudem würden gefundene Leckagen nicht auf das gesamte Netz hochgerechnet.

Artikel 12 der Methanverordnung der Europäischen Union verpflichtet Betreiber von fossiler Öl- und Gasinfrastruktur in Deutschland, ihre Methanemissionen zu dokumentieren und zu veröffentlichen. Bisher verwendete Schätzwerte sollen durch eigene Messungen ersetzt werden.

Die Umweltorganisation fordert die zuständigen Behörden auf, vom DVGW eine rechtskonforme Gestaltung des Statistiktools einzufordern. Ohne eine Anpassung könnten viele Betreiber gegen die Berichtspflichten verstoßen.

DUH fordert Behörden zum Eingreifen auf

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, sagt: „Als Branchenverband wäre es die Aufgabe des DVGW, seine Mitglieder bei der Einhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards zu unterstützen. Es drängt sich jedoch der Eindruck auf, dass der DVGW einen Regelbruch geradezu herbeiführen will.“

Die DUH warnt, dass die Methanemissionen der Gasinfrastruktur in Deutschland dadurch weiter unterschätzt werden. Zugleich wertet sie den Fall als Beleg für die Notwendigkeit der Methan-Verordnung. Das EU-Gesetz soll das bisherige System der „technischen Selbstverwaltung“ ersetzen, in dem die Industrie die Kontrollregeln weitgehend selbst festgelegt hat. Von den zuständigen Behörden fordert die DUH Kontrolle und notfalls Sanktionen.

Messungen: Das muss sich jetzt ändern

Nach Informationen der Deutschen Umwelthilfe hat ein beträchtlicher Anteil der knapp 700 Gasverteilnetzbetreiber in Deutschland für die verpflichtenden Methan-Berichte das GaWaS-Tool verwendet. Diese Betreiber könnten damit gegen die Berichtspflichten verstoßen haben. 

Für das Berichtsjahr 2025 verlangt die Verordnung Messungen auf Basis einer repräsentativen Auswahl einzelner Komponenten wie Ventilen und Verbindungsstücken. Für das Berichtsjahr 2026 müssen Betreiber auch die Emissionen der einzelnen Standorte messen. Diese Werte sollen sie mit den Gesamtemissionen der zugehörigen Komponenten abgleichen.

Die DUH hatte am 4. Mai eine Auswertung der Berichte der Betreiber veröffentlicht. Diese Auswertung legte erhebliche Mängel in den für 2024 und 2025 eingereichten Methanberichten offen. Darunter waren viele Berichte, die offenbar mit dem DVGW-Tool erstellt wurden. Für das Berichtsjahr 2026 verlangt die Verordnung damit einen weiteren Schritt: Betreiber müssen neben den Komponenten auch einzelne Standorte messen und die Ergebnisse miteinander abgleichen.

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